Musikverein Mainhardt Bläser verjazzen die alten Meister

Von Bach bis Pachelbel – in Sankt Veit zeigten die Mainhardter Musiker eine große Bandbreite.
Von Bach bis Pachelbel – in Sankt Veit zeigten die Mainhardter Musiker eine große Bandbreite. © Foto: d
Mainhardt / Rainer Ellinger 12.12.2018
Der Musikverein Mainhardt feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert in Sankt Veit. Das Publikum bekommt dabei kreative Interpretationen zu hören.

Das zehnjährige Bestehen des Musikvereins Mainhardt wurde am zweiten Advent mit einem Kirchenkonzert in Sankt Veit gefeiert. Es war der Abschluss eines an Aktivitäten reichen Festjahres der Bläservereinigung. Gleichzeitig war es ihr zehntes Kirchenkonzert.

Pfarrer Tilman Alius führte mit interessanten Erläuterungen zu den Werken durchs Programm. Den Anfang machte die Jugendkapelle. Unter der Leitung von Christine Gehring spielte ein Oktett, das fast ausschließlich aus jungen Mädchen bestand,  mehr oder weniger zweistimmig konzipierte Stücke. Zum Repertoire gehörten beispielsweise „Hört der Engel helle Lieder“, „Marys Boychild Jesus Christ“ oder „Aura Lee“, das erst durch Elvis Presley mit dem Text „Love me tender“ bekannt wurde. Eine Kurzfassung des Strauss’schen Donauwalzers, ein „ragtimiger Mini-Rock“ und die „Festliche Fanfare“ erweiterten das gekonnt präsentierte Programm.

Bezug zum Advent

Unter der Leitung von Thomas Klenk spielte danach die Stammkapelle sieben Werke, von denen ein Bläsersatz über „Herbei, o ihr Gläubigen“ den deutlichsten Bezug zum Advent aufweist. Das klassische choralmäßige Tonmaterial wurde dabei im Verlauf des Stückes durch zwei Schlagzeuger erweitert und näherte sich immer mehr dem Swing.

Auch mit Schlagzeug unterlegt, erklang in weitgehend originalem Tonsatz ein Arioso von Johann Sebastian Bach. Das langsam-hymnische Stück wies in polyphonen Unter- und vor allem Überstimmen ein Repertoire von teils instrumentaltechnisch recht anspruchsvollen Details auf, die durchweg brillant gemeistert wurden.

Überhaupt war das interpretatorische Niveau der Gruppierung hoch; die synkopischen Raffinessen und Diskanteinwürfe der Trompeten oder hellen Holzbläser erklangen im Verlauf des ganzen Programms rhythmussicher und auch dynamisch sehr angepasst. Im „Lullaby of Birdland“ präsentierte sich Rolf Uebers als ausgesprochen guter Saxofon­solist. Auch hier brillierte das gesamte Orchester mit gekonntem Synkopenspiel. Allerdings wird es wohl kaum jemandem gelingen, bei diesem jazzigen „Schlaflied“ wirklich einzuschlafen. Noch weniger freilich bei der, mit grellem Unisono der Blechbläser eingeleiteten, bekannten Orgeltoccata in d-Moll, die Johann Sebastian Bach zugeordnet wird.

Auch hier schlichen sich jazzige Improvisationselemente in den Satz ein, die dem barocken Altmeister gewiss nicht zuzuschreiben sind. Weihnachtlich sanfte Klänge leiteten Johann Pachelbels bekannten Kanon ein und auch aus; zwischendurch wurde es allerdings wieder sehr robust im Klang. Freddie Mercurys „Barcelona“ ist dank seiner elegisch-ruhigen Melodik – mit sehr schön gespielten Trompetensoli – und seines hymnischen Schlussteils eines der weihnachtlicheren Stücke. Tänzerisch turbulent ging das musikalische Programm mit „Driving Home for Christmas“ zu Ende.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel