Bissiger Bayer

Kabarettist Günter Grünwald begeistert in Hall. Foto: Ufuk Arslan
Kabarettist Günter Grünwald begeistert in Hall. Foto: Ufuk Arslan
LYDIA-KATHRIN KNIRSCH 23.11.2013

Da sagt der Grünwald Stop", lautet der Name des Programms mit dem der Kabarettist Günter Grünwald am Mittwoch im Haller Neubau-Saal zu Gast war. Wer bei diesem Titel jedoch eine moralische Standpauke erwartet, der irrt. Vielmehr zieht Grünwald Alltagssituationen durch den Kakao - und das auf eine ziemlich bissige, bayerische Weise.

So spottet er beispielsweise über Sekten und deren Weltuntergangsprognosen. "Wenn"s nach denen ginge, dann hätte die Welt schon unzählige Male untergehen müssen", lautet sein Fazit. Jedes Jahr würde er darauf warten - "und dann: nix passiert. So langsam hab" ich die ganze Weltuntergangsscheiße satt."

Auf die Frage, warum die Welt auch im vergangen Jahr nicht untergegangen ist, wie im Maya-Kalender angekündigt - und in den Medien breit diskutiert - hat Grünwald die passende Antwort parat. Bei dem angeblich mehrere tausend Jahre alten Maya-Kalender handele es sich um nichts anderes, als um den Reifen-Maier-Kalender aus dem Jahr 1996. Und dieser würde nicht den Weltuntergang prognostizieren, sondern "nackige Madl zeigen und dir den richtigen Zeitpunkt zum Reifenwechsel empfehlen."

Auch deutsche Prominente bekommen bei Grünwald ihr Fett weg. "Wir leben hier im plemplem-Land", schildert der Ingolstädter seine Eindrücke. Wie sich das bemerkbar macht? Die derzeit bekannteste Deutsche sei nicht Angela Merkel, sondern Daniela Katzenberger. "Ich dachte immer, nach der Feldbusch kann nichts Dümmeres mehr kommen, aber ich hab" gemerkt: nach untern geht"s immer." Auch Iris Berben muss einstecken. "Die ist ja in jedem deutschen Film zu sehen", stellt Grünwald fest. Warum? Der Sohn sei Filmproduzent. "Da können wir uns glücklich schätzen, dass der Sohn von Uschi Glas Verbrecher geworden ist, sonst wäre die auch in jedem Film."

Blitzschnell und zum Teil ohne dass es der Zuschauer merkt, macht Grünwald einen Brückenschlag von Thema zu Thema. Er braucht nur seine messerscharfen Kommentare, gemischt mit bissigen Pointen und seiner bayerischen Lebenseinstellung, um beim Publikum schallendes Gelächter auszulösen. Wiederholt muss er mit seinem Programm innehalten, um ausreichend Platz für Applaus und Lachsalven zu lassen. Mit minutenlangem Beifall und Pfiffen geht der Abend nach über zwei Stunden zu Ende.