Freilichttheater Bissig, bunt und sehr lebendig

Ilshofen / Andreas Dehne 19.06.2018
Die Burgschauspiele Leofels überzeugen mit „Dracula“ als turbulenter und farbenprächtiger Komödie.

Volk von London und Leo­fels – wachet wieder auf.“ Nach der etwa achtminütigen Eröffnungsrede von „Lord Roland dem Ersten aus dem Hause Wurmthaler“, gemeint ist der ehemalige Bürgermeister von Ilshofen, Roland Wurmthaler, geht es auf der alten Burg hoch über dem Tal der Jagst auch gleich richtig zur Sache.

„Ich habe ein paar Anmerkungen vorzutragen, die von euch befolgt werden müssen.“ So wird unter Androhung der Vorfreude des Kerkermeisters vom Marktschreier Tassilo Frank darauf hingewiesen, dass während der Pause jeder Bürger verpflichtet sei, „einen leckeren Jagsttal-Burger der Jagsttal-Ranch und ein Kaltgetränk zu sich zu nehmen“. Und ganz besonders wichtig: „Vergessen Sie nicht, nach der Vorstellung ihre modernen Kommunikationsgeräte, die Sie zu ihrer ständigen Überwachung benötigen, wieder einzuschalten.“

Die Geschichte ist recht einfach strukturiert. Graf Dracula, sehr eigenwillig und etwas steif dargestellt von Kurt Frank, ist es in Transsylvanien zu langweilig. Er will in London eine Immobile kaufen und übersiedeln. Rechtsanwalt Jonathan Harker (Jonathan Messerschmidt) reist darum nach Transsylvanien.

Aufreizende Grazien

Im Schloss des Grafen Dracula geht es drunter und drüber. Särge werden freigelegt. Die Gespielinnen erscheinen sehr aufreizend bekleidet. Die fabelhaften und bissigen drei Grazien Lukrezia (Tabea Lechner), Terezia (Camilla Flock) und Patrizia (Amelie Ziegler). „Hier läuft alles nach Plan.“ Pankrazius (Edmund Belle) nimmt als Diener des Herrn das Geschehen in seine Hände. „Ihr sexuell ausgehungerten Parasiten.“ Die Geschichte scheint sich zu überschlagen. Ignazius (Tassilo Frank) wird aus seinem Kellerverlies befreit: „Unsere gleichgeschlechtliche Geheimwaffe. Die homoerotische Oberherrenleitung. Er vermochte Dinge zu tun, von dem ein Weib nicht einmal ahnt, dass es so etwas geben kann.“ Er soll Rechtsanwalt Harker verführen: „Liebe, wie sie nur zwischen Männern bestehen kann.“ Lukrezia, Terezia und Patrizia singen mit ihm und Pankrazius „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Picture Show“, bevor die Vampirjäger dem ganzen Spuk ein Ende machen.

In ihrer 35. Spielzeit überzeugen die Burgschauspiele Leofels erstmals unter der Regie von Johannes Lang mit einem spritzigen und amüsanten Programm, das so einiges an Überraschungen bereithält und sehr gekonnt inszeniert ist. Häufig wunderschöne und sehr ernsthaft wirkende Theaterbilder lassen in der Konvergenz mit der komödienhaften Interpretation der Handlung ein sehr spannendes und kurzweiliges Stück entstehen.

Starke Akzente

Optisch und schauspielerisch zu Recht im Fokus stehen die katzenhaft wirkenden Lukrezia, Terezia und Patrizia. Eine wunderbar gespielte Komödie, mit sehr passend wirkender Livemusik-Begleitung, in der nicht nur Tassilo Frank als Ignazius und Jonathan Messerschmidt als Rechtsanwalt Harker starke schauspielerische Akzente setzen. Ganz stark ist Edmund Belle als Pankrazius. Ihm gehört die Schlussszene – sozusagen der letzte Biss des Abends. Leofels 2018 – wirklich sehenswert und bis zum letzten Biss überraschend bissig und lebendig.

Die Blutsauger sind bis Anfang Juli unterwegs

Weitere Vorstellungen heute sowie am 22., 27., 29. und 30. Juni, außerdem am 4., 6. und 7. Juli, jeweils um 20.30 Uhr, des Weiteren am Samstag, 23. Juni, um 22 Uhr.

Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem bei der VR-Bank Ilshofen am Marktplatz, der Aral-Tankstelle in Gerabronn, der Tankstelle Botsch in Kirchberg, dem Reiseparadies am Schweinemarktplatz in Crailsheim sowie unter www.burgschauspiele.de.

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