Gailenkirchen / TOBIAS WÜRTH Landwirt Michael Reber und die Stadtwerke Hall wollen für ihre Biogasanlage eine Bebauungsplanänderung erreichen: Dann dürfen die Maschinen auf vollen Touren laufen. Kürzlich wurde die Anlage vergrößert.

Üblicherweise wird ein Bebauungsplan geändert, um mehr oder zumindest größere Gebäude errichten zu dürfen. Bei Landwirt Michael Reber, der von der Schweinehaltung auf Biogas umsattelt, geht es um etwas anderes. Alle Gebäude, die derzeit auf dem Gelände entstehen, sind bereits genehmigt. Allerdings zählt die Fläche rechtlich zu einer "privilegierten Bebauung im Außenbereich". Daher sind dem CDU-Stadtrat die Hände gebunden. Der Gesetzgeber deckelt dort die maximale Menge der Biogasproduktion auf 2,3 Millionen Norm-Kubikmeter im Jahr. Mit einer Veränderung des Bebauungsplans und des Flächennutzungsplans dürfte Reber im Falle eines "Sondergebiets Biogas" weit mehr Naturbrennstoff produzieren.

Umweltauflagen machen Kalkulation kaputt

An einen weiteren Ausbau der Biogasanlage sei nicht gedacht, betont Reber beim Ortstermin mit Haller Gemeinderäten. Er will nur die bereits installierte Anlage auf vollen Touren betreiben. Die beiden Blockheizkraftwerke auf dem Gelände haben eine Leistung von 354 Kilowatt elektrischen Strom pro Stunde. Die könnten voll ausgeschöpft werden, wenn die Planänderung kommt. Derzeit ist die Anlage auf 180 Kilowatt pro Stunde beschränkt.

Michael Reber erläutert, dass es ihm um einen wirtschaftlichen Betrieb geht. Seit Sommer 2015 wird die Anlage ausgebaut, mit einem neuen Gärproduktlager und einem Fahrsilo. Allerdings seien die Umweltschutzauflagen plötzlich gestiegen. So musste beim Gärproduktlager ein spezieller Grundwasserschutz gewährleistet werden, der zusätzlich 150.000 Euro gekostet hat. Reber: "Jetzt geht es nur noch null auf null auf, obwohl es anfänglich gut durchkalkuliert war."

Reber macht geltend, dass er einen zusätzlichen Nutzen schaffen will. Würden die Motoren zur Stromerzeugung voll laufen, hätte er Wärmekapazitäten übrig. Mit denen könnte er Gärreste trocknen, und so hochwertigen Trockendünger herstellen. "200 bis 300 Tonnen im Jahr: Das müsste sich verkaufen lassen", ist sich Reber sicher.

Beim Ortstermin gibt es Rückfragen. Würden nach einer Bebauungsplanänderung mehr Gebäude errichtet? Reber verneint. Wird Landwirten Fläche für konventionellen Anbau weggenommen? Michael Reber versichert, dass er vor allem auf Gülle als Grundprodukt für Biogas setzt und die notwendige Maisproduktion auch allein auf seinen eigenen Flächen ankurbeln könnte. Wird es im Ort Gailenkirchen stinken? Auch das verneint der Landwirt, der den Hof von seinem Vater übernommen hat. Da die Biogasanlage außerhalb steht, würden die Gerüche im Hauptort nicht wahrgenommen. Das Vorhaben des Landwirts und der Stadtwerke Hall wird jetzt im Ortschaftsrat und im Haller Gemeinderat thematisiert.