Früher war die schmucke Hospitalkirche zu klein für das Weihnachtskonzert der Big Band Hall. Heuer ist man in den Neubau-Saal umgezogen. Doch dieser konnte am vierten Advent die Besuchermassen ebenfalls kaum bewältigen.

Viele Gäste saßen auf dem Boden oder standen geduldig an der Seite: ein grandioses generationenübergreifendes Familienfest bei freiem Eintritt. Doch in den Spendenkörbchen häuften sich nach dem feierlichen Finale – der schwedische Abba-Hit „Thank You For The Music“ – viele Euro-Scheine.

Die Formation unter Leitung von Tobias Scheibeck hat sich Weihnachtslieder in der Bearbeitung von Carl Strommen für Jazz-Orchester vorgenommen. Nach der vergnüglichen Schlittenfahrt von „Jingle Bells“ erklang inbrünstig der Choral „O Come All Ye Faithful“. Die morgenländischen „We Three Kings“ näherten sich der Krippe im wienerischen Walzertakt, und schlussendlich kam der Kinderreim „The Twelve Days Of Christmas“ zum Zuge.

Begonnen hatte der zweistündige Konzertabend pompös mit „Also sprach Zarathustra“ nach Richard Strauss. In Hall entfachte Hendrik Küfner am Drumset ein rasant-rhythmisches Feuerwerk. Stanley McKee lieferte auf der Gitarre ein knackiges Solo. Hansi Speidel sorgte auf dem fünfsaitigen E-Bass fürs rockige Element. Gleichfalls einfühlsam und prägnant agierte am Keyboard Matthias Egner. Und die Bläser hatten sichtlich und hörbar ihre Freude an dem furiosen Treiben.

Als Improvisationssolisten stachen besonders die Saxofonisten Achim Lutz, Stefan Scheuermann und Fabio Kronmüller sowie der Posaunist Sebastian Klenk und der Trompeter Hannes Bolsinger hervor: Solistische Individualität gepaart mit Gruppengeist – dies macht gutes Jazzmusizieren aus.

Soul-Spezialistin aus Weinsberg

Als Gast wurde erneut die stimmlich voluminöse Vokalistin Tansy Davis verpflichtet. Die mittlerweile in Weinsberg beheimatete Soul-Spezialistin und Gesangspädagogin amerikanischer Herkunft interpretierte zunächst weltliche Highlights, um dann Weihnachtliches zu besingen. Fehlen durfte dabei nicht der 1945 entstandene „The Christmas Song“, „Let It Snow“ und „Have Yourself A Merry Little Christmas“ im behäbigen Arrangement von Dave Wolpe.

So richtig ins Ohr und in die Füße ging ein Medley von „Riverdance” mit seinen komplexen irischen Tanzrhythmen. Zudem wurde genussvoll dem breiten Count-Basie-Swing-Sound gehuldigt. Als interessanten Kontrast hierzu hatte Bandleader Tobias Scheibeck, der auch als Posaunensolist glänzte, den „Genesis“-Titel „Los Endos Suite“ gewählt. Beim effektvollen Arrangement von Harry Kim gab es viele Grooves und heftige Trommelwirbel, aber auch Choralhaftes. Als fulminante Feature-Nummer für den großartigen Hendrik Küfner diente zudem der von Rob Holmes instrumentierte „Little Drummer Boy“.

Die Jazz-Enthusiasten auf der festlich-farbig ausgeleuchteten Bühne ernteten euphorischen Beifall.

Das könnte dich auch interessieren: