Verein für Württembergisch-Franken Neues Buch über Schlösser der Region

Auch dem Mammutstoßzahn im Chor der Haller Michaelskirche ist ein Beitrag im Jahrbuch gewidmet.
Auch dem Mammutstoßzahn im Chor der Haller Michaelskirche ist ein Beitrag im Jahrbuch gewidmet. © Foto: Gottfried Mahling
Hohenlohe / Eberhard Göpfert 16.08.2018
Der 101. Band des Jahrbuchs des Historischen Vereins bringt Aufsätze  zur Com­burg und den Schlössern Langenburg, Weikersheim und Kirchberg.

Zwölf Aufsätze umfasst der neue Band des Jahrbuchs des Historischen Vereins für Württembergisch-Franken. Die Autoren beschreiben auch, wie die Wasserversorgung der Comburg sichergestellt wurde.

Rolf Schweizer erläutert die Ergebnisse archäologischer Grabungen im Umfeld der hochmittelalterlichen Klosterkirche Comburg. Für die Umgestaltung der Burg zum Benediktinerkloster (1078) waren umfangreiche Baumaßnahmen nötig, die auch die Wasserversorgung sicherstellen mussten. Bei Grabungen wurden Reste eines einzigartigen Druckleitungssystems entdeckt, die Wasser vom Hessentaler Hang ins Brunnenhaus im Untergeschoss des Westturmes leitete.

Auch eine Gussform für eine etwa zwei Meter lange Bronzeröhre hat sich erhalten. Wie die Meisterwerke Kronleuchter und Antependium beweist auch die Wasserversorgung der Comburg das große handwerklich-technische Können vor 900 Jahren.

Hausordnung für das Schloss

Wie die Grafen von Hohenlohe die Verwaltung ihrer Schlösser organisierten, zeigt Stefan G. Holz am Beispiel der Hausordnung des Schlosses Langenburg. Jost Weyer widmet sich den Baumaßnahmen, von Graf Wolfgang (1568 – 1610) und seinen Architekten. Das Hauptwerk war der Umbau und Neubau des Renaissanceschlosses Weikersheim. Unbekannt war bisher, welchen Anteil an Planung und Ausführung der Stuttgarter Baumeister Georg Stegle (ca. 1548 – 1598) hatte. In Kirchberg/Jagst wurden Fragmente einer handgedruckten Papiertapete der renommierten Pariser Manufaktur Dufour mit illusionistischen Motiven gefunden. Lena Stephanie Grüner rekonstruiert damit ein verlorenes Dekorationsensemble des Schlosses aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Weitere Beiträge behandeln die Organisation der Landesverteidigung der Grafschaft Hohenlohe im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges. Eine Rolle spielen 67 Münzen, die in Buchenbach wohl in höchster Not nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 vergraben wurden, um sie vor brandschatzenden Soldaten zu retten. Ulrich Fröhner setzt seine Abhandlung über den Streit zwischen Comburg und Hohenlohe um die Vorherrschaft über das Dorf Mistlau in den Jahren 1788 bis 1802 fort. Dietrich Bleher stellt den „Gypsapostel“ Johann Friedrich Mayer als Pfarrer und Prediger von Kupferzell vor.

Den lateinischen Text der Dissertation, die Johann Friedrich Beyschlag 1734 über den 1605 an der Bühler gefundenen Mammutstoßzahn verfasst hat, der im Chor der Haller Michaelskirche hängt, haben Walter Ludwig und Hellmar Weber übersetzt.

Theodor Rohleder (1864 – 1942), evangelischer Pfarrer von Haßfelden, vertrat die Ideen des Kulturprotestantismus, der den Protestantismus zu einer überkonfessionellen Bildungsreligion umgestalten wollte. Der aktive Pazifist war vor und nach dem 1. Weltkrieg, entgegen dem Zeitgeist, ein Vortragsreisender und Verleger und sympathisierte mit der Sozialdemokratie. 1929 wandte er sich dem Nationalsozialismus und dem Positiven Christentum zu und sah in Hitler einen Propheten. Philippe Alexandre hat sich ausführlich mit diesem absonderlichen Theologen beschäftigt.

Info Das 101. Jahrbuch ist unter anderem erhältlich im Hällisch Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall zum Preis von 25 Euro. Die Inhaltsverzeichnisse aller Jahrbücher findet man auf www.wuerttembergischfranken.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel