Asyl Bettwanzen: Drei Unterkünfte im Kreis betroffen

Landkreis / ELISABETH SCHWEIKERT 28.05.2016
Drei Flüchtlingsunterkünfte im Kreis Hall sind mit Bettwanzen befallen. Mit hohem logistischen Aufwand bereitet das Landratsamt die Reinigung vor.

Mit juckenden Stichen von Bettwanzen  wachen vielerorts in Baden-Württemberg schutzsuchende Menschen, die in Sammelunterkünften leben, auf. Im Kreis Hall sind  Bettwanzen in den Sorglos-Firmengebäuden in Crailsheim gesichtet worden sowie  im ehemaligen Gasthaus Löwen in Ottendorf. Auch in der Unterkunft im Steinbeisweg Schwäbisch Hall ist der Schädling aufgetreten. Dort ist der Parasit bereits erfolgreich beseitigt worden, wie das Landratsamt mitteilt. Für die Reinigung müssen die Sammelunterkünfte geräumt werden. Das ist eine größere logistische Herausforderung für das Landratsamt, denn die Bewohner müssen für die Dauer mehrerer Tage auf andere Quartiere innerhalb des Landkreises verlegt werden, berichtet Dr. Eva König, Leiterin des Gesundheitsamtes Schwäbisch Hall. Dazu werden die teilweise noch leer stehenden Unterkünfte in den Städten und Gemeinden belegt, noch nicht genutzte neue Unterkünfte werden bezogen. In welche Kommunen der Landkreis vorübergehend ausweicht, steht noch nicht fest. Im Lauf der kommenden Woche will das Landratsamt den Plan fertigstellen und die Flüchtlinge, die ehrenamtlichen Helfer und die betroffenen Städte und Gemeinden informieren.

Die größte Aktion wird in Crailsheim-Altenmünster  stattfinden.  Wie Martina Steinecke, Dezernentin für Recht und Ordnung im Landratsamt mitteilt, leben aktuell zirka 300 Menschen in den Sorglos-Hallen.  Nicht alle Betten und Unterkünfte sind von den Parasiten befallen. Allerdings ist es nötig, alle drei Hallen zu behandeln – auch zur Vorsorge. Wie Eva König berichtet, gehen Fachleute davon aus, dass der Parasit nicht nur in Kleidung und Matratzenritzen lebt, sondern sich auch hinter Tapeten oder Fußbodenleisten versteckt sowie in den Pressspanplatten, mit denen in den Sorglos-Hallen die Räume abgeteilt sind.

Klassischerweise gibt es zwei Behandlungsmethoden, um Zimmer von diesen Schädlingen zu befreien: mit vernebeltem Insektizid oder mit Wärme. Die Kreisverwaltung hat sich für die zweite Methode entschieden – Erfahrungen mit dem Insektizid waren in der Vergangenheit schlecht.  Bei kleineren Vorkommen von Bettwanzen hatte das Gesundheitsamt die Kammerjäger mit dem Insektizid  reinigen lassen. “Wir mussten es viermal wiederholen lassen, bis ein Effekt zu sehen war.“

Die thermische Reinigung läuft folgendermaßen ab: Die Luft in den befallenen Räumen wird mit Thermoöfen über ein Umluftverfahren auf bis zu 60 Grad Celsius erhöht. Dabei werden Wanzen und Gelege zerstört. Damit die Bewohner keine Tiere verschleppen und später wieder zurückbringen, bekommen sie frische Kleider, bevor sie in die Übergangsquartiere umziehen. Sie müssen zudem alle Gegenstände, die mit Bettwanzen befallen sein könnten, vor Ort lassen – Schulranzen  ebenso wie Bücher.

Die Sorglos-Hallen können wegen ihrer Größe nicht in einem Durchgang behandelt werden. Maximal acht Kabinen können zeitgleich aufgeheizt werden. Ein Reinigungsgang dauere sechs bis acht Stunden, schreibt das Landratsamt. “Das heißt, dass wir für die Reinigung einer der drei Hallen in Crailsheim eine ganze Woche aufwenden müssen“, stellt Martina Steinecke fest.
 

Bekämpfung kostet einige tausend Euro

Langlebig  Die nachtaktiven, blutsaugenden Bettwanzen  sind etwa einen halben Zentimeter groß. Der Ektoparasit (so werden stechende Insekten bezeichnet) kann ohne Nahrung drei Monate überleben. Bettwanzen sind Wandertiere, die oft größere Strecken zurücklegen, um an Nahrung zu kommen. Der Wanzenbiss kann schmerzen und jucken.  Auf den Befall deuten mehrere Stiche in einer Reihe hin. Das Gesundheitsamt hat eine entzündungshemmende Lotion verteilt. Bisher sei nicht bekannt, dass Bettwanzen Krankheiten übertragen,  so Eva König. Eine Übertragung auf offener Straße sei auszuschließen, Bettwanzen hüpfen nicht wie Flöhe.

Kosten  Die Bekämpfung der Bettwanzen werde einige tausend Euro kosten, informiert König. Hinzu kommen die Kosten für die Ausweichquartiere und für neue Matratzen.