Schwäbisch Hall Bestechung mit Banane scheitert

Das ganze Jahr über ein glückliches Duo: Kerstin Philippi und ihre sonst so friedliche vierjährige Stute Alisa. Doch zu Neujahr versetzt die Knallerei den Vierbeiner in Panik.
Das ganze Jahr über ein glückliches Duo: Kerstin Philippi und ihre sonst so friedliche vierjährige Stute Alisa. Doch zu Neujahr versetzt die Knallerei den Vierbeiner in Panik. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / LYDIA-KATHRIN KNIRSCH 31.12.2013
Auf Alisa kommt eine schwere Zeit zu. Die Vierjährige wird panisch, wenn das Silvesterfeuerwerk knallt - sie geht mit Stress ins neue Jahr.

Schwups, und anno 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Freilich will man da das alte Jahr würdig verabschieden und das neue angemessen willkommen heißen - am besten mit einem Feuerwerk: laut und bunt, mit viel Glanz und ordentlich Tamtam. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Nicht jedes Lebewesen reagiert auf die laute Knallerei mit Vergnügen, kann es genießen und sich darüber freuen - ganz im Gegenteil.

"So habe ich meine Alisa noch nie gesehen, ich war wirklich überrascht, dass sie so heftig reagiert", erzählt Pferdebesitzerin Kerstin Philippi aus Schwäbisch Hall von der Silvesternacht 2011 auf 2012. "So kenne ich sie gar nicht. Sie ist sonst ein sehr friedliches und ausgeglichenes Pferd, das sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt", beschreibt die 38-Jährige den Charakter ihres Tieres. Doch nicht so in jener Nacht, als das Zünden der Feuerwerkskörper beginnt.

"Alisa war neu im Stall. Daher wollte ich einfach nach dem Rechten schauen und mich davon überzeugen, dass es ihr gut geht." Erst zwei Monate zuvor - im Oktober 2011 - hatte Philippi ihre Württemberger-Stute gekauft und in der neuen Heimat, dem Reit- und Fahrverein Schwäbisch Hall, untergebracht. Philippi hatte nicht damit gerechnet, wie sie ihre Stute an Neujahr vorfand: "Alisa war völlig panisch. Sie war von oben bis unten verschwitzt, ihre Augen waren weit aufgerissen. Sie stieg und bockte." Auch habe sie sich nicht beruhigen lassen wollen. "Ich habe es damals mit allen Mitteln versucht: Ich wollte sie mit Bananen bestechen und sie zur Beruhigung streicheln. Doch ich hatte keine Chance, das alles hat rein gar nichts gebracht."

Sonst ruhige Stute reißt Augen auf, steigt und bockt

Dabei war es gerade Alisas ruhiges Wesen, das Philippi beim Kauf überzeugte. "Ich habe mir zuvor andere Pferde angeschaut und habe sie probegeritten", erinnert sich die Krankenschwester. Allerdings habe das Gefühl bei diesen Tieren nicht gepasst. "Irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen." Anders bei Alisa. "Ein bekannter Reitlehrer kam auf mich zu und meinte, er hätte vielleicht das passende Pferd für mich: braun, vierjährig und eine Stute." Das seien aber Kriterien gewesen, die eigentlich gegen dieses Pferd sprachen. "Genau das wollte ich nicht", gesteht Philippi lachend.

Dennoch habe sie sich überreden lassen, sich die Stute zumindest einmal anzuschauen. "Ich wollte mir später keine Vorwürfe machen lassen müssen, dass ich dem Pferd keine Chance gegeben habe und bin deswegen mehr oder weniger widerwillig mitgegangen." Gleich beim ersten Kontakt zu Alisa war ihr klar: Das passt; sie soll es sein. "Bei Alisa habe ich gleich gemerkt, dass sie ein friedliches Tier ist - umso mehr war ich von ihrem Verhalten an Silvester erstaunt."

Beruhigungsmittel für Vierbeiner zum Jahresende

Dennoch dürfe man die Reaktion von Alisa auf das Knallen nicht pauschalisieren, betont Philippi. "Es gibt auch genügend Pferde im Stall, denen die Schießerei zu Silvester rein gar nichts ausmacht. Sie reagieren nicht panisch, sondern bleiben völlig ruhig und entspannt." Andere wiederum stünden jedes Jahr unter extremer Anspannung. "Manche Pferde brauchen zum Jahreswechsel sogar Beruhigungsmittel, weil sie derart angsterfüllt sind." Das gleiche Phänomen habe Philippi auch bei anderen Tieren bereits beobachten können: "Ich habe eine Katze, die jedes Jahr zitternd unter dem Sofa sitz, sobald draußen geschossen wird." Philippis anderer Katze mache die Knallerei hingegen nicht so viel aus.

"Man kann es den Tieren eben nicht erklären, warum so ein Krach ist." Für die Tiere stelle dies eine Bedrohung dar und entsprechend falle die Reaktion aus. "Zum Glück ist Silvester nur einmal im Jahr", sagt die 38-Jährige lächelnd. "Die beiden Tage bekommen wir schon rum." Außerdem sei das Verhalten von Alisa bereits beim vergangenen Jahreswechsel entspannter gewesen als im Jahr zuvor: "Sie war noch immer angespannt und schreckhaft, aber nicht mehr panisch. Sie hat sich mit der Zeit beruhigen und streicheln lassen. Mal schauen, wie es in diesem Jahr wird."

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