Bereits an acht Verhandlungstagen war Jochen M., der in Hall ein Bestattungsunternehmen geführt hat, vor dem Amtsgericht gestanden. In dieser Zeit im Jahr 2015 stellte er den Betrieb ein, wurde kurz darauf wegen 18-fachem gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Das Gericht war überzeugt, dass M. mindestens 18-mal Verstorbene vor der Fahrt zum Krematorium aus Vollholzsärgen in billige Pressspanmodelle umbetten ließ, obwohl hochwertige Särge bezahlt waren.

Die Haller Staatsanwaltschaft hatte mit drei Jahren und neun Monaten Haft eine höhere Strafe gefordert. Jochen M. dagegen beteuerte seine Unschuld – die Umbettungen seien mit den Angehörigen abgesprochen gewesen. Beide Parteien gingen in Berufung.

Der Fall wird erneut aufgerollt. Das Landgericht Heilbronn hat ab Donnerstag, 22. Februar, 9 Uhr, fünf Verhandlungstage angesetzt. 31 Zeugen sind geladen, darunter ehemalige Beschäftigte von M. sowie Mitarbeiter von Krematorium und Polizei. Außerdem sollen Sachverständige zum psychischen Zustand des Beschuldigten aussagen.

Das ist bereits der zweite Anlauf. Die erste Berufungsrunde war aufgrund eines Fehlers geplatzt. Das wurde nach einem Antrag des Wahlverteidigers Gianpiero Fuci aus Singen am 10. Oktober 2017, also dem ersten Verhandlungstag, deutlich. Richter Frank Haberzettl hatte einen Schöffen ausgetauscht, da dieser am geplanten letzten Verhandlungstag verhindert gewesen wäre. Laut Fruci wäre aber richtig gewesen, den Termin zu verschieben, nicht gleich den Schöffen auszutauschen.

Vor dem Landgericht wurde bereits ein anderer Haller Bestatter  verurteilt: Peter S. bekam im  Oktober 2014 wegen ähnlichen Vorwürfen drei Jahre und acht Monate Haft aufgebrummt. Er hat seine Strafe verbüßt.

Info Die öffentlichen Verhandlungstermine in Heilbronn: 22. und 27. Februar, 1., 8. und 15. März, jeweils 9 Uhr.