Für den Berufungsprozess gegen Jochen M. waren vier Verhandlungstage vor dem Landgericht Heilbronn angesetzt. Es habe sich nun aber ein neuer Verteidiger des Angeklagten gemeldet, der an einem der vorgesehenen Terminen verhindert sei, sagt Roland Kleinschroth, Vorsitzender Richter des Landgerichts. Der Anwalt habe zudem mit geänderten Lebensverhältnissen des Angeklagten argumentiert, so Kleinschroth weiter, ohne Details zu nennen. Hinzu komme, dass der Anwalt Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt geäußert habe. Es sei daher beabsichtigt, einen psychiatrischen Sachverständigen zu beauftragen. Die Hauptverhandlung werde sich bis 2017 verschieben.

Psychiatrisches Gutachten soll Antwort liefern

Oberstaatsanwalt Peter Bracharz will die Anträge zunächst sichten, bevor er öffentlich Stellung bezieht. „Offensichtlich fühlt sich Herr M. nicht verhandlungsfähig.“

Der Bestatter Jochen M. war im Juli 2015 vor dem Haller Amtsgericht  wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 18 Fällen zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Richter waren überzeugt, dass M. in mehreren Fällen teure Särge abgerechnet hat, die Verstorbenen aber in billigeren Modellen kremieren ließ.

Wegen einer ähnlichen Masche wurde der Bestatter Peter M. 2014 vor dem Landgericht Heilbronn zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Anders als Peter S. stritt Jochen M. jegliche Schuld ab.