Bahn Bessere Bahanbindung für Hall: Vision von Pelgrim - Skepsis bei der Bahn

Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 29.05.2013
Wie gelingt es, Hall besser an den Fernverkehr der Bahn anzubinden? OB Pelgrim hat um die Ecke gedacht und die Idee, mit mehr Güterverkehr durch Hohenlohe auch den Personentransport zu verbessern.

In der Autobahnnähe bei Übrigshausen wird ein Bahnhof gebaut. Die Haller werden dorthin mit dem Zug oder einem Bus in nur wenigen Minuten hingebracht. Die Region erhält einen Anschluss an den Fernverkehr - über den nicht einmal Heilbronn verfügt. Betriebe aus der Region könnten Container über die neue Verladestation im Industriegebiet von Waldenburg per Bahn verschicken.

Das ist die Vision von Hermann-Josef Pelgrim. Er räumt ein: "Es ist Zukunftsmusik - wenn überhaupt." Pelgrim will die Idee aber als sinnvollen, langfristigen Gedanken verstanden wissen.

Der Charme: Auf einen Schlag hätte Hall einen Fernverkehrsanschluss. Und der Güterverkehr auf der A6 könnte ganz einfach auf die parallel zur Straße verlaufende Schiene verlegt werden. Warum mal nicht in Zeiten von Gleisstilllegungen Großes entwickeln und über einen Streckenneubau nachdenken?

Argument gegen Pelgrims Idee: Riesige Brücke nötig

Allerdings spricht auch vieles gegen Pelgrims Idee. Um den Bahnhof in Autobahnnähe anzubinden, wäre ein Schienenneubau von Waldenburg nach Ilshofen nötig. Dumm nur: Das tiefe Kochertal gilt es zu überbrücken - mit einer teuren Eisenbahnbrücke, die parallel zur Kochertalbrücke gespannt werden müsste. Ein Größenwahnsinn?

Doch Pelgrim hält an seiner Vision fest, die er in der Kreistagssitzung vor zwei Wochen erläutert. Die Räte haben die Idee zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Der Haller Oberbürgermeister bohrt weiter, hat in einem Gutachten der Grünen aus dem Jahr 2010 Argumente für seine Forderung gefunden.

Der Gedanke geht um die Ecke: Die Bahn-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm wird schon gebaut. Dort können aber angeblich nur ganz moderne, leichte Güterzüge verkehren. Es sei daher sinnvoll, nördlich der Schwäbischen Alb eine Ausweichstrecke für den Güterverkehr von West nach Ost einzurichten - steht in der Studie. Dazu müsste die Strecke Öhringen-Hall elektrifiziert werden. Pelgrim meint: Da man schwerlich mit viel Güterverkehr mitten durch Hall rattern kann, müsste man Bahngleise parallel zur Autobahn verlegen.

Argument für Pelgrim: Mehr Güterverkehr möglich

Dieser Argumentation folgt man bei der Bahn in Stuttgart nicht. "Auch auf der Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm ist Güterverkehr möglich", erläutert ein Bahn-Pressesprecher - und zerstört damit einen Grundpfeiler von Pelgrims Argumentation. Zudem bleibe auch nach Fertigstellung von S-21 die Filstalstrecke samt Geislinger Steige erhalten. Ein Ausweichen des Güterverkehrs sei unnötig.

Zudem sei Hohenlohe "wahnsinnig gut an die Autobahn angebunden". Da überlege sich eine Firma zwei mal, ob sie die Bahn nutzt. Bis vor gut einem Jahr tat das die Huber-Verpackungs-Gruppe. Sie beförderte als letzte Firma Güter auf der Bahnsstrecke durch Hall.

Doch der Sprecher der Bahn füttert Pelgrims Idee auch mit neuen Argumenten an. Es gebe durchaus Linien - wie die Rheintalstrecke - bei denen der Ausbau der Schiene aufgrund des erhöhten Güterverkehrs vorangetrieben werde.

Und: "Die Bundesregierung rechnet bis 2025 mit einer Zunahme des Güterverkehrs um 65 Prozent." Frage sich nur, auf welchen Strecken? Und eben das soll der Bundesverkehrswegeplan regeln, der derzeit überarbeitet wird und Pelgrims Vision bisher nicht aufführt.

Schränkt das Bahnprojekt S 21 den Güterverkehr ein?
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