Schwäbisch Hall Berührende Schicksale

In der Musik findet er Trost: Iraj Ramazani spielt auf der Tar.
In der Musik findet er Trost: Iraj Ramazani spielt auf der Tar. © Foto: Hans Kumpf
Schwäbisch Hall / HANS KUMPF 12.12.2014
Zum Schluss wird es doch noch fröhlich. Aber beim Tag der Menschenrechte in der Hirtenscheuer erfahren rund 80 Besucher Erschütterndes über das Schicksal zweier Flüchtlinge aus dem Iran und China.

Keine Zahlen, sondern Schicksale stehen im Zentrum eines bewegenden Abends im Atelierhaus Hirtenscheuer. Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte". In Artikel drei heißt es: "Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person." Artikel 14 hat das Asyl zum Inhalt. Doch auch 66 Jahre nach Inkrafttreten der Menschenrechts-Charta werde gefoltert, sagt Rainer Möck von der Ortsgruppe Amnesty International.

Psychische und physische Folter musste Dejun Liu (38) erleiden, weil er sich in China als Internet-Blogger für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Dreimal wurde er verschleppt. Dies wurde vom Konzeptkünstler Ai Weiwei filmisch dokumentiert. Ai Weiwei wurde später für 81 Tage inhaftiert und darf China nicht verlassen. Ihm zu Ehren schuf der Landshuter Bildhauer Richard Hillinger eine Skulpturen-Serie. Ein Exemplar wurde Halls Kulturbeauftragter Ute Christine Berger zugeschickt. Etliche Monate verbrachte die Bronzefigur in der Hirtenscheuer. Nun wandert sie nach Nürnberg, der "Stadt der Menschenrechte", wo Dejun Liu als Stipendiat im "Writers-in-Exile"-Programm des deutschen PEN-Zentrums lebt. Der Dissident ist optimistisch: In 20 bis 30 Jahren werde in seiner Heimat Demokratie herrschen, sagt er. Dejun Liu lernte am Haller Goethe-Institut Deutsch. Derzeit bereitet er sich auf ein Jura-Studium vor.

Als Menschenrechtsaktivist engagierte sich auch Iraj Ramazani. Das Ajatollah-Regime in Teheran drangsalierte den nun 53-Jährigen. Die Flucht vom Iran in die Türkei sei problemlos verlaufen. Aber als seine Familie in Griechenland die EU-Grenze überquerte, starben seine Frau und sein Sohn. Mit tränenerstickter Stimme berichtet Ramazani von dem Drama. Alleine erreichte er im Januar 2012 Deutschland. Am Stuttgarter Flughafen wurde er verhaftet, später wegen Urkundenfälschung verurteilt. Seine Zeit im Asylantenheim Heilbronn schildert er als leidvolle Zeit. Aber Ramazani lernt Ursula und Alexander Bertsch vom Freundeskreis Asyl kennen, die ihm helfen. Trost spende ihm auch die Musik, wenn er in die Saiten der persischen Langhalslaute Tar greift. Gemeinsam mit seiner Übersetzerin Nahrin Stauffert interpretiert er eigene Gedichte, bei denen von "Schlaf ohne Hoffnung" und "Wir leben in Käfigen" die Rede ist.

Am Ende des von Gudrun Hölzer moderierten Abends kommt auch Freude auf, als iranische Gäste zusammen musizieren, singen und tanzen: Lieder aus ihrer Heimat, die sie so sehr vermissen. Sie hoffen weiter darauf, dass die Menschenrechte in ihrer Heimat geachtet werden.

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