Soll der Osten durch illegal abgezapften Strom aus Hall endlich zum Blühen gebracht werden? Offensichtlich schon. Hinter diesen plakativen Schlagzeilen steckt eine wahre Geschichte. "Wir sollen 180.000 Euro bezahlen", erläutert Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall.

Warum? Polizisten hoben am 7. Juli dieses Jahres eine Cannabis-Plantage in Berlin aus. Die Drogen wurden auf einer 3000 Quadratmeter großen Lagerfläche angebaut. "Stellen Sie sich das mal vor, das ist nicht wenig", sagt Pfitzer. Der mutmaßliche Täter sitzt im Knast. Die Drogen wurden vernichtet. Dumm nur: "Wir haben den Gastronom mit Strom beliefert." Er sei einer der ganz wenigen Kunden, die außerhalb des eigenen Netzbetriebs Strom über den Haller Versorger beziehen. Rein physikalisch stammt der Strom natürlich nicht aus Hall, wird aber buchhalterisch aus Hall verkauft. Der Gastwirt mit dem grünen Daumen hat die Rechnung der Stadtwerke brav bezahlt. Aber: Die Polizei hat entdeckt, dass er vom Strom-Hauptkabel Elektrizität am Zähler vorbeileitete.

Der Berliner Netzbetreiber rechnete den Verbrauch des gestohlenen Stroms hoch. Und da Cannabispflänzchen Helligkeit lieben, kommt er auf eine Rechnung von 180.000 Euro. Da der inhaftierte Hanfbauer keinen Cent in den Taschen hat, geht die Rechnung an die Stadtwerke Hall als Stromzwischenhändler. Pfitzer hat gleich einen Anwalt eingeschaltet. "Wir sind ab dem Zähler verantwortlich", sagt er. Auf mögliche Manipulationen davor am Netz habe man gar keinen Einfluss. Noch ist nicht klar, wie es ausgeht. Auch in Hall gebe es ab und an Stromdiebstahl. Aber nur in kleinem Rahmen, wenn jemand zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus per Kabeltrommel Elektrizität aus dem Treppenhaus in seine Wohnung leitet.