Familie Beim Bartle an der Bar

Region / Michaela Christ 13.10.2018

Do gab’s Looser und au Gwenner. Ketteraucher und Spenner. Do wared Gschäftsleut, verlassene Miader und viele durschtige Briader. Und die Mädle hän grad so ausgsehn wie’d Fernsehstar – beim Bartle an der Bar“, besingt der Musiker Jürgen Hirsch nicht die Familienmitglieder des Bartle-Clans, sondern die Gäste im ehemaligen Lamm-Keller in Obersontheim.

Dessen Inhaber, wie der Barname besagt, ein Bartle war, der 1993 verstorbene Hermann Schneider. Zu seinen Gästen vor der Theke gehörte auch die Familie: Eltern, Geschwister, Enkel und Nichten. Wenn schon einer aus der Familie ein Gasthaus hat, dann geht man da schließlich auch hin. Und auch, weil die Bartles gesellig sind, gerne feiern und dabei jede Menge Spaß haben.

Alle sollen zum Treffen kommen

Abgesehen von spontanen Treffen in der Bar kam die Großfamilie regelmäßig zu Geburtstagen, Hochzeiten und Taufen zusammen. Wichtig war, dass immer alle kamen. Auch Kinder und Kindeskinder. Nur so überlebt eine Großfamilie. Nur so kann sie zusammenwachsen und generationsübergreifend zusammenhalten. Ein unvergessener Höhepunkt der Zusammenkünfte war der 90. Geburtstag von Johann Schneider am 13. Dezember 1989.

Fünf Jahre später stirbt das Familienoberhaupt und die Treffen hören schlagartig auf. Die Familie trauert. Nicht nur um den Vater, Großvater und Urgroßvater, sondern auch um die schönen Zusammenkünfte. 1997 organisiert Johanns jüngste Tochter Lore Stegmaier aus Germering zusammen mit Johanns Enkelin Monika Wratschko aus Bühlertann das erste Bartles-Treffen am 12. September, dem Todestag von Johann Schneider. Die Familientreffen sind ganztägig und beinhalten das volle Programm: Mittagessen, Kaffeetrinken, Abendessen. Außerdem eine Wanderung: „Es ist wichtig für den Zusammenhalt, im wahrsten Sinn des Wortes, ein Stück Weg gemeinsam zu gehen“, sagt Lore Stegmaier (77). Auch im Gedenken an die verstorbenen Bartle, denn der Tag beginnt am Familiengrab und endete früher mit einem Gottesdienst. Mittlerweile jährt sich das Treffen zum 22. Mal.

Die Jüngste ist 30 Tage alt

Vier der acht Kinder sind verstorben. 24 verheiratete Enkel bringen es auf 49 Urenkel und 19 Ururenkel. Die Jüngste, Laurenzia Fleckenstein, ist gerade 30 Tage alt. „Alle kommen nie“, sagt Maja Bronner (89) aus Hessental, Johann Schneiders älteste noch lebende Tochter, „aber so die Hälfte kann es immer einrichten. Von den ganz Kleinen bis zu uns Steinalten“.

Warum heißt niemand Bartle beim Bartles-Treffen? Weil Johann Schneiders Urururgroßvater Josef Barthle aus Fronrot, nur eine Tochter hatte, die den Schustermeister Andreas Schneider aus Hegenberg-Jagstzell heiratete und damit eine Schneider wurde. Das Ehepaar bewohnte 1798 das obere Torhaus in Bühlertann, eine kleine Behausung, die direkt am oberen Tor an die Gangolfkapelle angebaut war. „Auf diesem Anwesen entstand durch Josef Barthle 1798 der Hausname „Barthle“, schreibt Erwin Klein in seiner Bühlertanner Häuserchronik. Ein Hausname, der selbst als Josefs Enkel, ein Kind der zweiten Schneidergeneration, 1854 das alte Torhaus gegen das größere Nachbarhaus „Kappelfritz“ und knapp 20 Jahre später noch einmal gegen das Haus „Kolbenbauer“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite eintauscht, nicht verloren geht.

Woraus sich der Name ableitet, ist nicht überliefert. Wer die Bartles jedoch kennt, könnte auf eine Charaktereigenschaft tippen, wie Hirsch sie in seinem Song über „Bartles Bar“ zum Ausdruck bringt: „Do war die Musikbox emmer am O’schlag. Freitag, Samstag und Sonntag. Auf de Tisch danze, ja do war Leba, mein Gott was hemmer’s ons geba …“

So hört auch das Bartles-Treffen 2018 nicht in der Wirtschaft auf. „Wir gehen nicht heim, sondern feiern weiter“, verkünden die Teenager und Jugendlichen. Wohin genau? „In den früheren Zuckerrübenkeller unter Bartles Mangelstube“, sagt Moritz Wolpert (16). „In Bartles Bar im Veilchenweg“, sagt „d’Bartle“, alias Philipp Schneider (19) und hakt sich bei seiner Cousine Maria Wratschko unter. Da lacht ihr Opa, Bartles Seff (84), herzlich auf: „Ich war früher auch immer der Letzte.“

Die Bedeutung der Hausnamen

Hausnamen entstanden vor der Einführung von Grundbüchern, Straßennamen und Hausnummern, um ein Anwesen zuordnen zu können. Dabei war nicht die Struktur des Hauses von Bedeutung, sondern die Menschen, die es bewohnten. Menschen mit ihrem Denken, Fühlen, Wollen, Schaffen und Sein. Die treffendste Eigenschaft des Inhabers oder seiner Familie führte zum Hausnamen, den meist der Nachbar vergab. Was früher klar war, führt heute oft zu Verwirrungen: So ist der Hausname der Familie Schirle in Bühlertann zum Beispiel „Hausmann“, während man zur Familie Hausmann „Maienbeck“ sagt. mia

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