Windkraft Bei Veinau: Erste Windräder in der Region verschwinden wieder aus der Landschaft

Schwäbisch Hall / WOLF-DIETER RETZBACH 19.11.2014
Die ersten Windräder, die in der Region Heilbronn-Franken gebaut worden sind, werden Geschichte: In dieser Woche werden die beiden 18 Jahre alten Anlagen zwischen Veinau und Bühlerzimmern abgebaut

Vier bis fünf Stunden dauert es normal, bis der Kran aufgebaut ist. Dann nimmt das monströse Gefährt mit maximal 450 Tonnen Zugkraft Nadel und Flügel des Windrads ab. Die drei jeweils 20 Meter langen Flügel werden auf dem Erdboden im Acker demontiert. Dann geht der Kran an das schwerste Stück des Windrads, das Fachleute als Windenergieanlage bezeichnen: 23 Tonnen wiegt die Gondel, die nun von der Spitze gelupft wird. Sie ist die tragende Verbindung zwischen Turm und Flügel, sie ist das Herz eines Windrads: Die Gondel beherbergt das Maschinenhaus, dort befindet sich der Generator, der den Strom erzeugt.

Dann wird der 65 Meter hohe, aus drei Teilen bestehende Turm abgebaut. Wenn alles glatt läuft, ist nach mehreren Stunden die Demontage eines Windrads beendet. Der Abbau der Anlagen bei Veinau hat sich aber wegen Problemen beim Kran-Aufbau verzögert. Wenn voraussichtlich heute im Laufe des Tages auch die zweite Anlage abgebaut ist, erinnert nichts mehr an die Pionierarbeit, die vor 18 Jahren an dieser Stelle geleistet wurde.

Auf Braunsbacher Gemarkung, zwischen Veinau und Bühlerzimmern, wurden damals die beiden Windräder errichtet. Es waren die ersten in der Region Heilbronn-Franken. Jede der beiden Anlagen kostete damals umgerechnet etwa 600.000 Euro. Die Finanzierung verteilte sich auf die Schultern von Haller Stadtwerken und Bürgern. Der Haller Walter Müller war Mehrheitsgesellschafter, dazu gab es knapp 70 weitere Bürger, die Einlagen tätigten und so das unternehmerische Risiko mittrugen. Ein Kredit wurde aufgenommen und jährlich abbezahlt. Die Finanzierer erhielten drei bis vier Prozent Zinsen, eine "Gewinnerzielungsabsicht" habe es nicht gegeben, so Müller. Er habe ein "emotionales Verhältnis" zu den Anlagen und sei etwas traurig, dass sie nun wieder verschwinden.

"Wenn es diese Pioniere vor 18 Jahren nicht gegeben hätte, hätten wir heute nicht 24 Anlagen allein im Landkreis Hall", sagt Benjamin Friedle vom Bürgerwindpark Hohenlohe. Das Niedernhaller Unternehmen kaufte in diesem Jahr für 255000 Euro die beiden Windräder von der Solar Invest. Die Tochter der Haller Stadtwerke hatte die Anlagen seit 2010 betrieben.

Die beiden Windräder seien in die Jahre gekommen, sie zeigten Verschleißerscheinungen, die Technik sei veraltet, sagt Johannes van Bergen, Sprecher der Geschäftsleitung der Haller Stadtwerke: "Ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen ist zunehmend schwierig." In den Rotorblättern gebe es Risse, nennt Benjamin Friedle ein Beispiel für den Verschleiß.

Der Bürgerwindpark Hohenlohe nutzt nun eine gesetzliche Regelung, die "Repowering" genannt wird und noch bis Jahresende gilt. Der Ersatz alter Windenergieanlagen durch moderne, leistungsstärkere Anlagen im gleichen oder benachbarten Landkreis wird mit einem Bonus gefördert. Dieser wird auf den Betreiber einer Neuanlage im Haller Nachbarlandkreis Ansbach übertragen. Dafür überweist der Ansbacher Betreiber dem Bürgerwindpark einen Geldbetrag.

Die beiden neuen Windräder im Kreis Ansbach erzeugen jährlich zwölf Millionen Kilowattstunden Strom, die beiden Anlagen bei Veinau hatten im Schnitt einen jährlichen Ertrag von einer Million Kilowattstunden.

Dem Bürgerwindpark Hohenlohe gehören - abzüglich der beiden jetzt abgebauten, die im kommenden Jahr in Italien wieder aufgebaut werden - sieben der mehr als 30 Anlagen, die es laut Friedle derzeit in den Landkreisen Hall und Hohenlohe gibt. "Wir sind Betreiber und für die Planung und den Bau zuständig. Die Bürger finanzieren die Anlagen", erklärt Bürgerwindpark-Mitarbeiter Benjamin Friedle. Die sieben Windräder im Besitz des Niedernhaller Unternehmens finanzieren 475 Bürger. Diese bekämen während der Laufzeit Rendite.

Unternehmen plant 20 Windenergieanlagen in Hohenlohe

Pläne Der Bürgerwindpark Hohenlohe plant laut Mitarbeiter Benjamin Friedle 20 weitere Windenergieanlagen in Hohenlohe. Wie viele realisiert würden, sei noch nicht klar. In Kirchberg soll jetzt ein Windrad abgebaut werden, ein neues dort kostet 5,4 Millionen Euro. "Uns fehlen noch 400.000 Euro", so Friedle.

Standort Der Standort zwischen Veinau und Bühlerzimmern sei für Windenergieanlagen nicht optimal, weil es dort wenig Wind gebe, sagt Friedle. 1996 seien die Voraussetzungen für den Bau von Windenergieanlagen völlig anderere als heute gewesen, entgegnet Stadtwerke-Chef Johannes van Bergen: "Damals gab es gesetzestechnisch keine Möglichkeit, in einen Wald oder auf einen Berg zu bauen." Außerdem sei der Abstand zur Wohnbebauung ein wichtiges Kriterium für den Standort gewesen, so Walter Müller, Mit-Finanzierer der Anlagen. Unter den damaligen Bedingungen sei dies ein passender Standort gewesen.

WD

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