Schwäbisch Hall Bedrohen niedrige Zinsen das Filialnetz Haller Banken?

In Untermünkheim liegen sich die Filialen von Sparkasse und VR-Bank direkt gegenüber. Foto: Marc Weigert
In Untermünkheim liegen sich die Filialen von Sparkasse und VR-Bank direkt gegenüber. Foto: Marc Weigert
Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 16.01.2014
Die heimischen Banken haben an vielen Orten Filialen. Wird das so bleiben? Die Sparkasse Hall-Crailsheim bejaht, die VR-Bank hält sich zurück, Bankwirtschafts-Professor Hans-Peter Burghof zweifelt.

Ist es vorgesehen, das Filialnetz zu reduzieren? "Nein, hierfür gibt es momentan keine Veranlassung. Natürlich prüfen wir regelmäßig die Wirtschaftlichkeit, die Höhe der Frequentierung und die Auslastung unserer Standorte und Geschäftsstellen, um gegebenenfalls auf Veränderungen reagieren zu können", teilt die Sparkasse Hall-Crailsheim auf Anfrage der Redaktion mit.

Laut Informationen des Staatsanzeigers (Wochenzeitung für Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg) könnten bis 2018 rund 65 Prozent aller Sparkassen und Volksbanken in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sein, sofern sie nicht gegensteuern. Vor dem Hintergrund einer anhaltenden Niedrigzinsphase sehen Bankenexperten die Ertragslage von regionalen Instituten gefährdet, weil diese durch Sach-, IT- und Personalkosten verhältnismäßig hoch belastet seien. Bernd Nolte habe auf Initiative einiger Vorstandschefs von Sparkassen- und Genossenschaftsverbänden die Probleme unter die Lupe genommen. Eine der Erkenntnisse des Experten aus Stuttgart: Das flächendeckende Netz ihrer Filialen koste Sparkassen und Volksbanken viel Geld. Es sei ein Luxus, dass 90 Prozent aller Baden-Württemberger innerhalb von zehn Minuten eine Geschäftsstelle ihres Instituts erreichen könnten. Nolte wird im Staatsanzeiger mit den Worten zitiert: "Es ist nötig, den Versorgungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Institute neu zu überdenken und die Bargeldversorgung neu zu organisieren."

Professor Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim, geht davon aus, dass die Filiale vor Ort zwar etwas sehr wertvolles sei, dass das Filialkonzept aber nicht in der alten Form bestehen bleiben kann. Der Wissenschaftler macht aber auch deutlich, dass die regionale Bindung zu Sparkassen und Volksbanken hoch sei, weil die Kunden durch Bankangestellte betreut werden. Dies bestätigt die Sparkasse Hall-Crailsheim: "Die Nähe zu den Menschen und der Wirtschaft hier in der Region ist ein wesentlicher Teil unserer Geschäftsphilosophie." Können Automaten ein Ersatz sein für Filialen. Kaum. "Automaten ersetzen in keinem Fall unsere Beratungsleistung. Unser Fokus liegt auf der individuellen und qualifizierten ganzheitlichen Beratung", macht die Sparkasse deutlich.

Filialnetz der heimischen Institute