Diakoniewerk Diak-Chef sagt Adieu

Bettina Lober 14.01.2018
Pfarrer Hans-Joachim Lenke nimmt als Diak-Chef mit einem Gottesdienst Abschied von Hall und redet noch einmal der Politik ins Gewissen.

Die ersten Arbeitstage in Hannover liegen schon hinter ihm. Hans-Joachim Lenke ist zum 1. Januar als neuer Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen angetreten. Seit der Bekanntgabe seines Abschieds aus Hall im November ist die Zeit schnell vergangen. Die Nachricht vom Weggang Lenkes hat nicht nur viele Diak-Mitarbeiter überrascht. Am Donnerstagnachmittag hat er nun in seinem Abschiedsgottesdienst ein letztes Mal unter Ulrich Henns Bronzeplastik „der wiederkommende Herr“ in der Auferstehungskirche des Diaks gepredigt.

Ausgangspunkt dafür ist die Jahreslosung aus der Offenbarung des Johannes: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Er habe damit anfangs ziemlich gefremdelt, räumt Lenke ein. Doch dann habe er darin auch die „Vision eine gelingenden, zufriedenen und glückliches Lebens“ entdeckt. Dafür könne dieser Satz trotz aller zum Leben dazugehörenden Abbrüche, Umbrüche und Aufbrüche die nötige Orientierung bieten. Und quasi als Projekt für das noch junge Jahr 2018 regt Lenke an, immer wieder zu prüfen, woran das Herz wirklich hängt.

Umsichtig und entschlossen

Fast sechseinhalb Jahre hat Hans-Joachim Lenke als Vorstandsvorsitzender und als Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums die Geschicke des Evangelischen Diakoniewerks Hall geleitet. Wegbegleiter wie Prälat Harald Stumpf bescheinigen dem Theologen, „kompetent, umsichtig und entschlossen“ sowie auch „schwer verdauliche Entscheidungen“ getragen, sicher gesteuert und geplant zu haben. Er habe Lenke als einen „guten Netzwerker auf verschiedenen Ebenen“ kennengelernt, sagt Stumpf, der Lenke per Handschlag auch von seinem Amt in Hall entpflichtet. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“, gibt der Prälat als Zitat aus dem Tometheusbrief Lenke mit auf den Weg.

Mutmachen für die Zukunft

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorsitzender des Diakonie Württemberg, dankt Lenke dafür, dass er mit seiner Arbeit dazu beigetragen habe, die christliche Haltung, die „Anwesenheit des Heiligen Geistes“ zu kultivieren. Im Spannungsfeld von Krankenhausfinanzierung und Dynamiken im Gesundheitssystem sei dies eine anstrengende Aufgabe. Doch Kaufmann scheint den Diak-Angehörigen für die noch ungewisse Zukunft auch Mut machen zu wollen: „Der Heilige Geist ist einfach da und wird auch dableiben. Es schaffen nur alle miteinander.“

Die Zielstrebigkeit, Aufrichtigkeit, Ausdauer und der Fleiß Lenkes sind auch Landrat Gerhard Bauer aufgefallen. Er habe mit dem Theologen in schwierigen Zeiten vertrauensvoll zusammengearbeitet und ihn auch als „scharfzüngig denkenden Steuermann“ erlebt. Gewiss, die norddeutsche Art, kurz und knackig Dinge auf den Punkt zu bringen, daran habe man sich in und um Schwäbisch Hall wohl erst gewöhnen müssen – das lassen fast alle Redner durchblicken.

Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, der mit Lenke auch freundschaftlich verbunden ist, macht keinen Hehl daraus, dass er dessen Entscheidung für den Weggang zwar respektiert, „aber ich bedaure es, und der Zeitpunkt ist aus meiner Sicht falsch“. Das Diak werde als zentraler Gesundheitsversorger im ländlichen Raum für selbstverständlich genommen, und die Unterstützung durch den Landkreis könnte noch intensiver sein, so Pelgrim. Vieles sei gelungen, doch mit dem Mammutprojekt des Neubaus stünden große Aufgaben an.

„Wir denken dankbar an das, was Sie hier getan haben“, sagt Diak-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Schwartz. In den Dank mischt sich auch Bedauern: „Sie lassen uns zurück mit Lasten.“ Dennoch: Man habe Lenke schätzen gelernt, seine Klarheit, seine Direktheit, seine Entschiedenheit – „das hat dem Haus gut getan“. Die Herausforderung, ständig im Feld zwischen Rationalisierung und Optimierung zu agieren, habe auch Lenke geprägt.

Pflege als wichtige Säule

„Danke für so viel Würdigung, die ich bestimmt nicht verdient habe“, gibt sich Lenke bescheiden. Er habe in Hall viel erlebt, viel gelernt, und lasse jetzt auch Freunde zurück. Das habe ihm die Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch das Thema Krankenhausfinanzierung sorge ihn. Die Politik mache es sich oftmals zu einfach, „und lässt uns als allgemeinnützige Häuser allein“ – Applaus in der Auferstehungskirche. Das Diak sei Hauptversorger in der Region, dies solle vom Landkreis auch so wahrgenommen werden. Lenke dankt den Diak-Angehörigen für ihre „herausragende Arbeit“. Und er habe gelernt, dass vor allem die Pflege eine wichtige und starke Säule sei: „Das macht unseren diakonischen Betrieb aus.“

Lenke dankt auch seinem geschäftsführer-Partner Michael Kilb: „Mit Ihnen war’s klasse.“ Zudem ist er Gertraud Stutz in seinem Vorzimmer dankbar, die es verstand ihren „teils pedantischen Chef“ behutsam zu führen.

Schließlich dankt Hans-Joachim Lenke auch seiner Frau Nikola, die wohl nicht erst bei der Silberhochzeit vor zwei Jahren festgestellt habe, dass sie „einen Unruhestifter geheiratet hat“.

Nach sechs Jahren in Hall Rückkehr in die Heimatkirche nach Niedersachsen

Hans-Joachim Lenke wurde 1958 in Solingen geboren, er wuchs in Ostfriedland auf. Nach einer Lehre als Industriekaufmann hat er zunächst das Abitur am Laubach-Kolleg gemacht und dann in Erlangen evangelische Theologie studiert. Er arbeitete als Pfarrer in Rotenburg/Wümme und an der Marktkirche in Einbek. Von 2002 an stand er als Superintendent – dies entspricht der Position eines Dekans – an der Spitze des Kirchenkreises Wolfsburg. Dort war er bereits Aufsichtsratschef des regionalen Diakonischen Werks. Im September 2011 wurde der Theologe neuer Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall sowie Geschäftsführer des Diakonie-Klinikums. In Hall war Lenke für rund 2300 Beschäftigte zuständig. Im November 2017 gab Lenke bekannt, dass er das Diak verlässt und neuer Vorstandsvorsitzender des der Diakone in Niedersachsens wird. Es ist der größte Wohlfahrtsverband in dem Bundesland. Dem Werk gehören vier von fünf evangelischen Landeskirchen an. Es beschäftigt rund 70 000 Menschen. In seinem neuen Amt wird Lenke zugleich Oberlandeskirchenrat für Diakonie. Am 9. Februar wird er offiziell eingeführt.
Hans Joachim Lenke ist seit 27 Jahren mit Pfarrerin Nikola Lenke verheiratet, die seit August 2013 die evangelische Kirchengemeinde Enslingen betreut. Sie wird in nächster Zeit ihrem Mann nach Niedersachsen folgen. Das Paar hat einen 24-jährigen Sohn, der in Hannover studiert. blo