„Wir hatten drei Wochen lang eine Vollsperrung“, klagt Waltraud Mohring, die das Reformhaus in der Altstadt leitet. Seit März erneuern Arbeiter auf einer Länge von 400 Metern in der Oberen Herrngasse Gas- und Wasserleitungen sowie 17 Hausanschlüsse in zwei Bauabschnitten. Zudem werden Strom­erdkabel und Leerrohre für Strom- und Signalkabel zur Netzverstärkung verlegt, wie die Stadtwerke mitteilen. Auch die Telekom zieht dort Kabel fürs schnelle Internet ein.

Die Vollkatastrophe für die Umsatzzahlen konnte allein wegen der großzügigen Geste von Ulrich Breit abgewendet werden, ist sich Mohring sicher. Der Apotheker und sein Vater Ernst Breit hätten den Verkaufsraum kurzerhand zu einer Umleitung erklärt. Vorne an der Haupttür kamen Passanten rein, passierten die homöopathische Abteilung und zugleich den Baustellenbereich und gelangten durchs Gärtchen wieder auf die Herrngasse. „Es wäre dramatisch gewesen, wenn die Breits das nicht ermöglicht hätten“, sagt Mohring. Auch dank der treuen Kunden, die sich nicht abhalten ließen, sei der Umsatzeinbruch im Reformhaus nicht ganz so dramatisch ausgefallen.

Einbußen zwischen zehn und 30 Prozent

„Wir müssen jeden Monat schauen, wie wir rumkommen“, sagt Heike Riedel, die in der Gasse ihre Boutique betreibt. „Ich würde mir ein Banner wünschen, das uns als Ausgleich für die Belastung der Baustelle aufgehängt wird.“ Die Aufschrift sollte lauten: „Wir sind für Sie da.“ Die Geschäftsleute hätten Umsatzeinbußen zwischen 10 und 30 Prozent erlitten.

Riedel sagt: „Mich fragen einige im Laden: Erhalten Sie eine Entschädigung? Nichts gibt es.“ Eine Kundin habe auf drei Wegen versucht, die Boutique zu erreichen und war letztendlich erfolgreich. Die Bauarbeiter vor Ort hätten wiederum das Beste daraus gemacht und den Geschäftsleuten geholfen.

Den ersten Bauabschnitt haben die Händler der Oberen Herrngasse hinter sich. Es kam zu Verzögerungen. Ein kleiner Brand war im Frühjahr im Clausnizerhaus ausgebrochen. Der konnte zwar schnell gelöscht werden, warf aber die Frage auf: Wie kann die Feuerwehr die Häuser auch in der Sanierungszeit erreichen? „Es musste daraufhin nachgewiesen werden, dass die Feuerwehr zu jedem Zeitpunkt einen Zugang hat und Personen retten kann“, erläutert Thomas Hoppenz, Bereichsleiter Netze der Stadtwerke. Dieser Nachweis und weitere Aufgaben hätten Zeit gekostet. Die Arbeiten werden nun gut einen Monat später als geplant fertig.

Die Geschäftsleute sind verärgert: Über den Brandschutz hätte man sich vorher schon Gedanken machen können. Zwei Wochen habe sich auf der Baustelle nichts getan. Was die Ladenbesitzer ebenfalls übel finden: Schilder mit riesigen Warnungen vor Explosionen prangen an den Eingängen zur Gasse. Das sei nicht gerade eine Einladung, die Gasse zu betreten.

Anregungen aufgenommen

Hoppenz verteidigt das: „Wir arbeiten am Gasnetz. Da gibt es besondere Vorschriften.“ Er will die Anregungen der Ladenbesitzer aber aufnehmen. Das Explosions-Gefahr-Schild könne weggeräumt werden, wenn nicht direkt an der Gasleitung gearbeitet werde. Der erste Bauabschnitt, auf der Seite zum Marktplatz, sei beendet. Dort kommt man nun gut durch. Nun folgen die Arbeiten im zweiten Abschnitt auf der Seite, die am Schiedgraben endet. Die Oberfläche wird hinterher außerdem genauso aussehen wie zuvor. Die alten Pflastersteine werden wieder eingesetzt.

Dass die Leitungen saniert werden mussten, darin sind sich alle einig. Apotheker Ernst Breit sagt: „Die Versorgungsrohre waren nicht die neuesten.“

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