Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Eine kranke Esche fällt zwischen Hessental und Steinbach auf einen Touran. Besteht ein Zusammenhang mit den Fällarbeiten?

Eine 15 Zentimeter starke Esche kracht auf die Straße. Die Krone trifft einen VW Touran. Totalschaden. Die junge Familie kommt am Freitag um 11.15 Uhr zwischen Steinbach und Hessental mit einem großen Schaden und einem noch größeren Schreck davon. Sie wurde nicht verletzt, als der Baum aufs Auto fällt. Auch das Kleinkind im Auto bleibt unverletzt, wie die Polizei berichtet.

Für die Familie ist damit aber nicht alles gut. Ganz im Gegenteil. Die Polizei schätzt den Totalschaden auf nur 5000 Euro. „Eher liegt das Ganze schon bei 8000 bis 9000 Euro. Hier hat selbst die Autowerkstatt mit dem Kopf schütteln müssen“, berichten die Betroffenen in einer E-Mail an die Zeitung.

Am 2. und 3. März ist die Hessentaler Straße gesperrt. Weil Bäume gefällt werden bestehe dort Lebensgefahr, teilt die Stadtverwaltung mit.

Die Darstellung der Pressestelle der Polizei, dass der Unfall nichts mit den Baumfällarbeiten zu tun hätte, die zu gleicher Zeit an dem Streckenabschnitt erledigt werden, stellt die Familie infrage. „Hier liegt nun eindeutig ein Streitfall vor. Denn selbst der Polizist vor Ort sagte zu uns, dass es nicht auszuschließen ist, dass bei den Abtragarbeiten der Baum dabei versehentlich beschädigt wurde. Schließlich wurden zu genau diesem Zeitpunkt nur wenige Meter daneben Arbeiten durchgeführt.“ Die Tragik: „Eine Sperrung fand ja nur einen Tag danach statt, leider zu spät für uns!“ Möglicherweise werden nun Versicherungen oder sogar Rechtsanwälte und Richter den Hergang nachvollziehen müssen.

Peter Noller war mit seiner Spezialfirma für Landschaftspflege aus Großerlach-Schönbronn mit dem Auftrag betraut. Er stellt klar: „Die Stelle, an der wir Bäume gefällt haben, war weit von der Straße entfernt.“ Der Baum, der auf das Auto gefallen sei, war möglicherweise morsch, vermutet er.

Die Straße war am Freitag, während des Starts der Fällarbeiten, noch nicht gesperrt. Das sei aber auch nicht nötig gewesen, da zunächst die Bäume in weiterer Entfernung zum Verkehr gekappt wurden. Erst am Samstag, unter Vollsperrung, waren die Stämme an der Straße dran. Einen Zusammenhang zwischen dem Baum, der auf das Auto fiel, und den Fäll­arbeiten sieht Noller nicht.

Aber hätte die Landschaftsbaufirma nicht erkennen können, dass von dem Baum in Straßennähe eine Gefahr für Autos und Insassen ausgeht? „Von der Stadt wurde festgelegt, welche Bäume gefällt werden“, sagt er.

Umfall-Unfall-Baum war nicht zur Fällung markiert

Der Baum sei weder dafür markiert worden, umgesägt zu werden, noch trug er eine der Markierungen für die Stämme, die definitiv stehen bleiben sollten, erläutert der persönliche Referent des Oberbürgermeisters, Patrick Domberg, am Montag auf Nachfrage. Das Eschentriebsterben sei „offensichtlich eine tückische Krankheit“.

Mit den Aussagen der verunfallten Familie konfrontiert, schreibt die Stadtverwaltung am Dienstag: „Zunächst einmal sind wir sehr froh und erleichtert, dass bei dem Zwischenfall am vergangenen Freitag keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Die Geschehnisse zeigen, wie gefährlich das Eschentriebsterben sein kann und wie wichtig entsprechende Maßnahmen sind, um Menschenleben und Eigentum zu schützen.“

An Straßen auf Braunsbacher Gemarkung müssen Bäume gefällt werden. Zum Großteil sind diese krank.

Aktuell werde von verschiedenen Seiten geprüft, wie es zu dem Unfall am Freitag kommen konnte. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt uns noch kein abschließender Unfallbericht der Polizei vor. Darüber hinaus haben wir das mit den Baumfällungen beauftragte Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten. Sollte die betroffene Familie gegenüber der Stadtverwaltung Schadensersatz fordern, wird unser Versicherer die Ansprüche prüfen“, schreibt die Stadtverwaltung.

Ein anderer Autofahrer ging leer aus, nachdem ein umfallender Baum sein geparktes Auto getroffen hatte.

Genau über die Baumfällarbeiten an der Kreisstraße wurde im Bau- und Planungsausschuss Ende Februar ausführlich diskutiert. 700 Stämme sollten weg. Das Umweltzentrum hatte Bäume markiert, die aus Sicht der Naturschützer stehen bleiben sollten. Viermal wurde vor Ort die Situation von mehreren Gutachtern geprüft, versicherte die Stadtverwaltung. Doch die marode Esche, die das Auto traf, wurde womöglich übersehen.

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Ein Pilz zerstört die Bäume

Das Eschentriebsterben wurde erstmals im Herbst 2008 wahrgenommen. Im Frühjahr 2010 konnte ein Pilz, das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus) als Verursacher identifiziert werden. Eine direkte Bekämpfung ist nicht möglich. Es kommt zu Rindenschäden und Wuchsdeformationen, Holzfehlern, Kronenverlichtungen und chronischer Schwächung und meist auch zum Absterben. Unter Beteiligung verschiedener Pilzarten entstehende Stammfußnekrosen beschleunigen den Absterbeprozess, schreibt die Stadtverwaltung. Das Trieb­sterben kommt auf allen Standorten vor, jedoch scheint die Krankheit auf Feuchtstandorten zu verlaufen.