Schwäbisch Hall Bauernhaus wie aus dem Rokoko

Schwäbisch Hall / HEINER WERNER 26.11.2014
In der Hessentaler Ortsmitte steht ein altes Bauernhaus. Es soll ein frühes Werk des Untermünkheimer Zimmermeisters Johann Friedrich Weinbrenner sein. Es könnte ein Vorläufer eines Pfarrer-Mayer-Hauses sein.

Ein eher ungewöhnliches Bauernhaus befindet sich in der Ortsmitte von Hessental, als solches nur auf den zweiten Blick erkennbar. Es ist Teil eines Ensembles von vier Gehöften gewesen. Bei der Ortskernsanierung Hessentals war dem Haus eine besondere Rolle zugedacht: Es sollte als architektonisches Schmuckstück in einem reizvollen Kontrast zur gegenüberliegenden Kirche stehen.

Ob es sich beim Haus Bayer tatsächlich einst um ein Wohn-Stall-Haus gehandelt hat, ob dort im Erdgeschoss also Kühe, Ochsen und Pferde standen, wäre über die ins Sandsteinmauerwerk eingedrungene Salpetersäure noch zu untersuchen. Aber eine bäuerliche Hofstelle gehörte zu diesem Haus. Dagegen spricht, dass sich der Haupteingang ursprünglich an der Giebelseite zur Straße befunden hat.

Dieses Haus, das etwa ums Jahr 1731 erbaut worden ist und das einst den Hausnamen Vögele trug, steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Der Haller Architekt Walter Schuch hat es im Jahre 1974 eingehend untersucht und mit Hilfe der Stadt Hall und des Landesdenkmalamts modernisiert und in einem Artikel beschrieben. Dabei wurden auch Bausünden früherer Renovierungen beseitigt, etwa der Verputz des Sandsteinmauerwerks im Erdgeschoss oder das Verstecken der alten Fensterläden auf dem Dachboden des liegenden Dachstuhls.

Das Eigenwillige an der Fachwerkkonstruktion sind die massiven, eichenen Fensterbrüstungen mit ihren Voluten und die rokokohaft verzierten Pilaster (Pfeiler). Sie legen nahe, dass es sich hierbei um ein frühes Werk des Untermünkheimer Zimmermeisters und Hohenlohe-Waldenburgischen Schultheißen Johann Friedrich Weinbrenner handelt, der 1759 in ähnlicher Weise das Amtshaus in Michelbach am Wald erbaut hat.

Für die damalige Bauzeit ungewöhnlich ist auch die Raumhöhe des Wohngeschosses mit 2,64 Metern. Der Kupferzeller Bauernpfarrer Johann Friedrich Mayer (1719-1789) kann hierbei kaum seine Hände mit im Spiel gehabt haben. Seine Empfehlung, Wohnräume mindestens acht Schuh hoch zu machen, erschien erst 1773 mit dem Druck seines "Lehrbuches für die Land- und Haußwirthe".

Info Johann Friedrich Weinbrenner (1697-1772) hatte zwölf Kinder. Sein Sohn Ludwig Weinbrenner (1729-1766) wurde Hofzimmermeister in Karlsruhe, sein Enkel Johann Jakob Friedrich Weinbrenner (1766-1826) stieg sogar zum geheimen markgräflichen Oberbaudirektor auf und wurde der Architekt des Karlsruher Rathauses, der Stadtkirche, der Synagoge, der Staatlichen Münze und des Ettlinger Tores.

Johann Friedrich Mayer

Häuser Nach Pfarrer Mayer (1719-1789), der in Kupferzell lebte und begraben ist, wird der Stil zahlreicher Bauernhäuser benannt. Diese wurden zwischen 1750 und 1850 aus-, um- oder neu gebaut. Es handelt sich um zweigeschossige Wohn-Stall-Gebäude. Typisch sind drei Türen im Erdgeschoss, die mittlere als Hauseingang, die anderen für Ochsen und Kühe.

SWP

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