„Ich bin ein Bauernsohn, da schmeißt einen nicht so schnell was um.“ Das ist der Kommentar von Dr. Werner Philipp zu den lukullischen „Genüssen“, die ihm in den Jurten der mongolischen Nomaden angeboten wurden: unter anderem ein Schnaps aus Stutenmilch mit käsig-ranzigem Geschmack.

Philipp ist Fachtierarzt für Mikrobiologie und hat sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hohenheim viel mit organischem Dünger befasst. Deshalb wurde er vom Senior Expert Service (SES) aus Bonn angefragt, um Nomaden und Bauern in der Mongolei bei der Düngung ihrer Sanddornplantagen zu beraten. Er war im Frühjahr für drei Wochen in dem zentralasiatischen Land. Was er dort gesehen hat, hat ihn tief beeindruckt: Die Mongolei sei das Land mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte der Welt, berichtet er. Auf einer Fläche, die etwa viereinhalbmal so groß ist wie Deutschland, leben nur rund drei Millionen Einwohner, davon fast die Hälfte in der Hauptstadt Ulaanbaatar.

Senior-Experte in der Mongolei Der Haller Werner Philipp berät Mongolen als Fachtierarzt

Das Land hat Bodenschätze, unter anderem die begehrten seltenen Erden, aber wenig Möglichkeiten zum Ackerbau: Der Boden ist durch Trockenheit und einen zu hohen Viehbestand ausgelaugt. Jeder Bauer will möglichst viele Schafe, Ziegen, Pferde und Kamele haben, auch wenn das dem Land langfristig schadet. Deshalb war Philipps Fachwissen gefragt, um aus Tierkot hochwertigen Dünger herzustellen. Der Wissenschaftler war zu Gast bei einem Unternehmer in der West-Mongolei, der nicht nur Sanddorn- und Blaubeerplantagen hat, sondern auch Dünger vertreiben will.

„Ich verstehe mich sehr schnell mit Bauern. Ich war früher beruflich oft in China und Russland. Es ist überall auf der Welt das gleiche: Man muss die Bedingungen berücksichtigen und die Traditionen einbeziehen, sonst kann man keine nachhaltige Änderung bewirken“, sagt er. Und die Bedingungen in der Mongolei sind hart: Im Winter wird es bis zu -57 Grad Celsius kalt, im Sommer bis zu 40 Grad heiß. Es gab mehrere extreme Winter, in denen mehr als sechs Millionen Nutztiere verhungert sind – und damit hungern auch Menschen. Viele sind in die Hauptstadt gegangen, dort bilden sich Slums. Auch auf dem Land gibt es soziale Probleme: „Die Nomaden kümmern sich wenig um das, was die Regierung sagt“, hat Philipp beobachtet. Zum Beispiel werde die Schulpflicht unterlaufen, wenn den umherziehenden Familien das Internat zu teuer sei.

Sein Auftraggeber hat Philipp viel gezeigt. „Er war unheimlich sympathisch“, findet Philipp. Er hat den Gast mitgenommen zu Sanddorn-Bauern und zu Nomaden. Unterwegs hat Philipp große Umweltprobleme gesehen: Tierkadaver liegen einfach in der Landschaft, dazu Plastikmüll und ausrangierte Autos. „Da sind noch viele Aufgaben zu bewältigen.“ Und wer weiß, vielleicht ist dabei nochmal die Expertise Philipps gefragt.

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Tierarzt, Wissenschaftler und Ortsvorsteher in Tüngental


Werner Philipp wurde am 23. Juli 1951 in Schwäbisch Hall geboren. Er ist mit zwei Brüdern auf einem Bauernhof in Bühlerzimmern aufgewachsen, besuchte die Realschule in Hall und machte eine Ausbildung zum Landwirt. Er machte an der Ingenieurschule für Landwirtschaft in Nürtingen einen FH-Abschluss und studierte dann Tiermedizin in Gießen.

Zur Doktorarbeit ging er 1979 an die Universität Hohenheim, und dort ist er hängen geblieben. Er hat sich mit Hygiene, Tierschutz, Umweltschutz, Tierseuchen, Gülleverwertung, Biogas und Wasserschutz beschäftigt. An Wochenenden übernahm er oft Vertretungen in Tierarztpraxen.

Seit 1990 wohnt er im Haller Stadtteil Tüngental, seit Januar 2017 ist er im Ruhestand. Im Herbst 2017 wurde er zum Ortsvorsteher von Tüngental gewählt. Philipp ist verheiratet, er hat zwei Töchter. In seiner Freizeit liebt er Skifahren, Fußballspielen und Wandern. Hobbymäßig hat er zwölf Jahre lang in Otterbach Angus-Rinder gehalten. evl