Ärztehaus Bau voll im Zeitplan - 80 Prozent der Fläche belegt

Ärztehaus: Bauarbeiter ziehen auf der Weilerwiese den Rohbau nach oben. Die Verschalung wird angebracht und später mit Beton ausgegossen.
Ärztehaus: Bauarbeiter ziehen auf der Weilerwiese den Rohbau nach oben. Die Verschalung wird angebracht und später mit Beton ausgegossen. © Foto: Ufuk Arslan
MARCUS HAAS 07.10.2015
Auf der Weilerwiese werden eine Tiefgarage, ein Hotel und ein Ärztehaus gebaut. Der Rohbau des modernen Gesundheitszentrums soll bis Ende 2015 stehen. Ziel: 20 Fachärzte unter einem Dach zusammenbringen.

Der 65-jährige Frank Müller leidet seit kurzer Zeit an wiederkehrenden Schmerzen in der Brust beziehungsweise hinter dem Brustbein. "Diese Schmerzen strahlen zum Teil bewegungsabhängig bis in den Hals und die Brustwirbelsäule, in den Rücken aus", sagt Dr. Thoralf Stopp, von dem das erfundene Fallbeispiel stammt.

Der Haller Facharzt ist gemeinsam mit Dr. Markus Knapp und Dr. Ralf Keller einer der Initiatoren des neu entstehenden Facharztzentrums auf der Weilerwiese. Mit dem Beispiel will der Mediziner wesentliche Vorteile des Hauses aus Patientensicht deutlich machen: Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen vernetzten sich und arbeiteten gemeinsam zum Wohle der Patienten zusammen; die Kernkompetenzen der großen Fächer seien vereint; dabei gebe es kurze Wege an einem Standort, der gut in der Stadt erreichbar sei. Müller ist gesetzlich krankenversichert, fährt Thoralf Stopp in seinem Beispiel fort, besucht das neue Facharztzentrum und stellt sich zuerst beim Herzspezialisten (Kardiologen) Markus Knapp als Notfallpatient vor. Kurzfristig kann eine kardiale Ursache - beispielsweise ein akuter Herzinfarkt oder eine Herzdurchblutungsstörung - ausgeschlossen werden.

Experten gebündelt vor Ort

Nach einem hausinternen Anruf wird der Patient noch am gleichen Vormittag zum Orthopäden Ralf Keller weitergeleitet, der seine Praxis ebenfalls im neuen Ärztehaus hat. Dort bestätigt sich der Verdacht auf eine vom Bewegungsapparat ausgehende Ursache nicht. Keller rät dem Patienten deshalb, die gastroenterologische Praxis von Thoralf Stopp aufzusuchen. Die Praxis des Spezialisten für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologen) befindet sich ein Stockwerk tiefer im selben Gebäude. Es erfolgt bei einer Anamnese, die die Leidensgeschichte des Patienten aus seiner persönlichen Erfahrung zusammenfasst, die Aufklärung zu einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Diese soll bereits am nächsten Morgen gemacht werden. Bei dieser Untersuchung zeigt sich eine ausgeprägte Entzündung der Speiseröhre durch eine Refluxerkrankung - ein krankhaft gesteigerter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre. Diese kann medikamentös rasch und effektiv geheilt werden. Der Patient wird dadurch wieder beschwerdefrei, endet das Fallbeispiel des Mediziners positiv.

"Es soll ein ausgewogener Mix für die Patienten gebildet, rund 20 Fachärzte mit rund 70 Angestellten in dem modernen Gesundheitszentrum zusammengeführt werden", nennt Ralf Keller ein Ziel. 80 Prozent der Fläche seien mittlerweile belegt, letzte Verhandlungen liefen. "Das moderne Facharztzentrum ist kein Luxustempel, sondern für alle Kassen- und Privatpatienten da", macht Markus Knapp deutlich. Zudem werde mit dem neuen Zentrum die Sicherheit der Gesundheitsversorgung auf gute Füße gestellt, da sich die Last auf mehrere Schultern verteile. Das führe zu flexibleren und attraktiveren Arbeitsbedingungen vor allem für junge Ärzte und wirke so der zunehmenden Ausdünnung der Facharztdichte im ländlichen Raum entgegen.

Daten und Fakten zum neuen Ärztehaus auf der Weilerwiese

Team Die Haller Ärzte Dr. Markus Knapp (Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie), Dr. Ralf Keller (Facharzt für Orthopädie) und Dr. Thoralf Stopp (Facharzt für Innere Medizin) sind die Initiatoren und Investoren des neuen Facharztzentrums.

QmediKo Das neue Ärztehaus heißt "QmediKo". Was dies bedeutet, erläutert Ralf Keller. Das Q stehe dabei für Quartier, aber auch für Qualität, Medi für Medizin, und das Ko bedeute Kooperation, aber auch Kompetenz.

Gebäude Die Grundfläche beträgt 1200 Quadratmeter. Auf drei Stockwerken werden 3600 Quadratmeter Nutzfläche geschaffen. Neben den Praxen der drei Haller Fachärzte gibt es noch Platz für weitere Ärzte. Derzeit seien noch 700 Quadratmeter verfügbar beziehungsweise zu vermieten. Im Erdgeschoss gibt es zudem eine Apotheke und ein Foyer, das für Veranstaltungen, Vorträge, Seminare genutzt werden soll.

Zeitplan Der Bau sei voll im Zeitplan, sagt Projektleiter Thomas Krug. Im Sommer 2013 liefen erste Gespräche zum Projekt modernes Facharztzentrum auf der Weilerwiese. Baurechtliche Abstimmungen wurden im Sommer 2014 abgeschlossen. Spatenstich war im Frühjahr 2015. Der Rohbau soll bis Ende 2015 stehen. Eröffnet wird das neue Gebäude voraussichtlich ab Oktober 2016.

Kosten Die Kosten für den Rohbau des Ärztehauses schätzt Krug auf 4 bis 6 Millionen Euro. Dazu kommen Kosten für die Ausstattung der Praxen.

CUS