Fluchende Pendler, kopfschüttelnde Schüler, fragende Bahnreisende, hilfesuchende Blicke auf die Anzeigetafeln und Handys: Auch auf den Bahnhöfen in Crailsheim, Hessental und Gaildorf ließen sich diese Beobachtungen gestern Vormittag machen. Das Ausmaß der Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat viele Bahnkunden auf dem falschen Fuß erwischt.

Ein Junge, der in Hall wohnt und in Heilbronn zur Schule geht, ging gestern wie jeden Tag morgens gegen 6 Uhr zum Bahnhof Hessental. Die „Fahrgastinformation“ zeigte an, dass alle Züge nach Stuttgart und Heilbronn für drei Stunden ausfallen, aber die Bahn-App sagte zunächst noch, dass der Zug um 7 Uhr nach Heilbronn fahren würde. Eine Stunde wartete der 14-Jährige, dann gab es kurz vor 7 Uhr die Information, dass frühestens um 9 Uhr ein Zug fahre. Einige Leute haben eine Weile auf nähere Informationen gewartet, andere sind gleich wieder umgekehrt.

Der Junge ging wieder nach Hause, und dort ist er gestern auch geblieben. Denn wenn er um 10 Uhr in Hall gestartet wäre, wäre er bestenfalls gegen 11.30 Uhr in der Schule gewesen – und der Unterricht ging bis 13 Uhr. „Wenn ich heute mit dem Zug nach Öhringen fahre und dann auf die S-Bahn angewiesen bin, weiß ich gar nicht, wann ich ankomme und wie ich wieder zurückkomme. Denn die S-Bahn fällt in letzter Zeit sehr oft aus. Beim Streik fährt vielleicht nur noch jede zweite S-Bahn, schätze ich“, sagt der Schulpendler.

Nicht nur die Fahrgäste, auch die Bahn ist vom gestrigen Warnstreik kalt erwischt worden. „Die EVG hat mit Stellwerken in Karlsruhe und Mannheim sowie beim Rangierpersonal und der Bereitstellung von Zügen neuralgische Punkte getroffen“, so ein Bahnsprecher aus Stuttgart. Auch Beschäftigte im Stellwerk Hessental seien in den Ausstand getreten. Bundesweit sei der Fernverkehr und weitgehend auch der Regionalverkehr eingestellt worden. Die Auswirkungen des Streiks zwischen 5 und 9 Uhr würden bis in den Nachmittag nachwirken. Ein Ersatzverkehr sei nicht zu organisieren gewesen.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Jutta Niemann aus Hall brauchte gestern nicht nach Stuttgart zu fahren. Sie hatte Termine im Wahlkreis. Den Streik hält sie für „ein bisschen schwierig“, ohne das Streikrecht infrage stellen zu wollen. Er werde auf dem Rücken der Kunden ausgetragen.

Hoffnungen auf einen absehbar reibungslosen Bahnbetrieb in Hohenlohe sind unbegründet. Denn schon jetzt kündigt die Bahn Zugausfälle bei der Westfranken- und Hohenlohebahn an, die sich seit Sonntag und noch bis zum 6. Januar hinziehen werden. Als Grund werden „betriebsbedingte Personalausfälle“ genannt. Das sei in erster Linie dem Personalmangel geschuldet, so der Bahnsprecher. Dringend gesucht und auch ausgebildet würden Triebfahrzeugführer und Fahrdienstleiter. Auch Urlaubsansprüche der Beschäftigten kämen hinzu.

Statt der Züge fahren Ersatzbusse


Auch ohne Warnstreiks läuft es bei der Deutschen Bahn nicht rund. 16 Zugausfälle auf der Westfranken- und der Hohenlohebahn seit dem 9. Dezember bis zum 6. Januar stehen schon jetzt fest. Grund sind „betriebsbedingte Personalausfälle“. Auf der Westfrankenbahn sind noch bis zum 4. Januar von Montag bis Freitag am Nachmittag einige Regionalbahnen außer Betrieb. Auf der Hohenlohebahn gilt das seit gestern und noch bis zum 4. Januar von Montag bis Freitag und bis zum 6. Januar auch an Samstagen und Sonntagen.

Infos über den aktuellen Fahrplan gibt es per Bahn-App oder im Internet auf www.bahn.de oder www.db.navigator.