Das geplante Quartier zwischen dem Haller Bahnhof und dem Velag-Gebäude soll bald Heimat von 400 Menschen werden. Alte Industriegebäude wurden abgerissen, der Untergrund wird vorbereitet und im Hintergrund werden noch Änderungen im Bebauungsplan eingearbeitet.

Doch eine Änderung, die am Montag im Bau- und Planungsausschuss präsentiert wird, schmeckt den Räten so gar nicht. Es geht um die Entscheidung der Bauverwaltung, „bei der Unterführung am südlichen Ende auf diese ewig lange Rampe zu verzichten“, so Baubürgermeister Peter Klink. Über dieses rund 100 Meter lange und rund fünf Millionen Euro teure Bauwerk sollten Passanten von der Innenstadt kommend an der Steinbacher Straße, auf Höhe Einmündung Bahnhofsstraße, stufenlos auf den zentralen Platz des neuen Quartiers gelangen. So verlängere sich die Stadt in das neue Viertel hinein, wurde damals gelobt.

25 000 Euro Preisgeld für Vorschlag mit der Rampe

K9-Architekten aus Freiburg setzten sich beim Architektenwettbewerb Ende 2015 unter anderem mit diesem Merkmal gegen 24 andere Entwürfe durch – und erhielten 25 000 Euro Preisgeld. Die Jury war so begeistert, dass sie keinen zweiten Platz vergab, sondern nur noch zwei dritte.

Laut Klink soll nun die Unterführung auf Quartiersseite ohne Rampe enden. Geplant sei, einen Aufzug in Fahrradlänge sowie Treppen zu installieren. Die ursprüngliche Planung habe „sowohl technisch, von den Kosten her, aber auch was die Barrierefreiheit angeht, keine wirklichen Sinn mehr gemacht“, begründet der Baubürgermeister. Bei einem Höhenunterschied von acht bis zehn Metern wäre die Steigung damit über der barrierefreien Schwelle von sechs Prozent gelegen. Sie käme eher auf zehn Prozent. „Wir hätten sowieso einen zusätzlichen Aufzug gebraucht.“

Die Rampe war Grund für den Sieg des Vorschlags

Martin Lindner (CDU) ärgert sich: „Die Rampe war doch der Gag des ersten Preises.“ Beim Rest gebe es keine großen Unterschiede, etwa zum Modell eines Haller Architekten. „Bleibt das so? Der erste Preis?“

„Natürlich“, erwidert Klink. „Die Anbindung ist von annähernd gleicher Qualität.“ Lindner lässt sich nicht beruhigen. „Das ist doch Käs’!“ Es werde ein erster Preis vergeben, obwohl jeder hätte berechnen können, dass die Steigung zu hoch ist. Klink kontert, dass schon im ersten Bebauungsplan mit zehn Prozent Steigung gerechnet worden war.

CDU-Fraktionsvize Thomas Weber stört sich nicht nur am Wegfall der Rampe, sondern auch, weil dieser Punkt in einem Nebenaspekt der Tagesordnung als Bebauungsplan-Änderung verkündet wird. „Das ist schon irritierend, das so einzuführen.“ Schließlich fehle ein Plan, „wie das ganze aussehen soll“.

Die lange Rampe sei „eindeutig eine der Hauptkriterien“ gewesen. Sonst hätte man auch den dritten Platz nehmen können, der eine Brücke vorgesehen hat. „Das wäre noch günstiger gewesen“, so Weber. Es handle sich nun um eine „grundlegend andere“ Ausführung, weil etwa Radfahrer vom Rollhof kommend nicht einfach in die Stadt weiterfahren können. Sie müssen beim Aufzug absteigen.

Klink teilt den Vergleich mit der Brücke nicht. Aufgrund der Bahnoberleitung müsste diese vom Quartier kommend zunächst sieben Meter hoch, „dann runter und nochmal runter“. Der Höhenunterschied sei „gewaltig“. Manchmal entstünden eben bei der Umsetzung eines Wettbewerbsergebnisses neue Erkenntnisse: „Wir haben da wirklich monatelang diese Unterführung rauf und runter positioniert und eintaxiert.“ Klink sieht es nicht als großen Verlust an. Im Gegenteil: Ohne diesen „großen Schlund“ in der Quartiersmitte entstünden städtebauliche Vorteile.

Verwaltung kann aktuelle Pläne nicht zeigen

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ergänzt, dass Radler von der Höhenlage kommend den bestehenden Tunnel an der Zollhüttengasse weiter nutzen können. „Für den, der von unten kommt, ist der Aufzug vielleicht gar nicht schlecht.“ Zudem werde nun vermieden, dass Radfahrer durch den geplanten Tunnel brettern könnten.

Hartmut Baumann, Sprecher der Freien Wählervereinigung, kritisiert die Bauverwaltung, dass sie keine grafischen Pläne vorlegt. „Für die, die hier guten Gewissens zustimmen müssen“, wäre es gut gewesen, unter anderem einen Schnitt der neuen Tunnelplanung zu sehen. Klink sichert zu, das nachzureichen. Im Ausschuss erfolgt daher keine Abstimmung.

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Zunächst kein zweiter Bahnsteig


Der Zugang zur geplanten Unterführung erfolgt auf Höhe Steinbacher Straße stufenlos. Im Bereich des Bahnhofs sowie auf Quartiersseite soll jeweils ein Treppenaufgang sowie Aufzug errichtet werden. Über die Unterführung erfolgt auch der Zugang zur geplanten Tiefgarage.

Anders als von der Stadtverwaltung erhofft wird kein zweiter Bahnsteig gebaut. „Die Bahn baut das nur, wenn die Landesnahverkehrsgesellschaft das bestellt“, erklärt Baubürgermeister Peter Klink. Falls der zweite Bahnsteig später realisiert werde, sei dieser über das Quartier begehbar.

Der bestehende Aufzug am maroden Treppenturm am Haller Arbeitsamt, der seit Jahren außer Betrieb ist, soll in den nächsten Monaten erneuert werden. Das teilt Holger Göttler von der Stadtverwaltung mit. Die Ausschreibungsunterlagen sollen in den nächsten Wochen vorliegen. thumi