Treffpunkt Bahnsteigkante in Hessental und Crailsheim: Die Liste der Gäste am Mittwoch liest sich wie das Who is Who der Entscheidungsträger der Bahn. Mit Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der DB AG für Baden-Württemberg kommt der wichtigste Repräsentant vor Ort. Im Schlepptau bringt er sieben leitende Mitarbeiter verschiedener Bahn-Geschäftsbereiche mit. Ursprünglich wollte Bahnchef Rüdiger Grube kommen, daher haben die vielen, hochrangigen Mitarbeiter zugesagt. Die Eisenbahnvertreter treffen morgen auf Lokalpolitiker und Fahrgastvertreter, um über Bahnhöfe und -verbindungen zu reden.

So lang wie die Liste der Gäste, ist die Liste der Forderungen. „Alte Züge, schwer zugängliche Bahnsteige, keine Toiletten, wenig Informationen.“ SPD-Bundestagsabgeordnete Sawade erläutert: „Trotz Beteuerungen der Deutschen Bahn AG, in die Instandhaltung zu investieren, kommt bei manchen das Gefühl auf, dass sich wenig tut auf der Murrbahn.“ Sie hatte Bahnchef Grube am Rande einer Veranstaltung in Berlin dazu überredet, nach Hall zu kommen. Er hatte den Termin fest zugesagt, kommt nun doch nicht. „Ich sehe ihn aber zwei Tage nach dem Termin in Berlin“, sagt Sawade. Da werde sie ihm klar machen: „Wir können nicht Entwicklungsland in Sachen Bahnverkehr bleiben.“

„Ich bin froh, dass es Annette Sawade geschafft hat, bei der Bahn die Sensibilität auf Nicht-Großprojekte zu lenken“, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim (SPD). Während es bei den Vorzeigeprojekten nicht auf 100 Millionen Euro hin oder her ankäme, werde andernorts am Nötigsten gespart. Aus seiner Sicht vernachlässigt der Konzern seine Ost-West-Achse.

Mit dem Argument, dass nur wenige Züge zwischen Heilbronn und Hall verkehre, würde eine Elektrifizierung der Strecke abgelehnt, sagt Pelgrim. Dabei könnte die Strecke auch für den Fernverkehr ausgebaut werden und ähnlich wie die Autobahn 6 zu einer großen Verbindungsachse werden.

Verdreckt und schwer zu erreichen: Was Passagiere denken

Wolfgang Scherl (72), Rentner aus Hall
„Es ist einfach alles vergammelt. Ihn ein bisschen zu säubern, wäre gut. Ich bin 15 Jahre lang nach Backnang gependelt. Heute, als Rentner, fahre ich nicht mehr mit dem Zug. Damals musste ich fast jedes Mal alten Menschen beim Koffertragen helfen. Die kommen einfach nicht mit dem Gepäck die Treppen hoch. Was auch fehlt, sind kostenlose Kurzzeitparkplätze.“

Angelika Rieger (69), Hausfrau aus Hall
„Was mich am meisten stört, ist die Unterführung. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, muss ich erst das Gepäck vom Rad abnehmen, dann alles runter- und hochtragen. Reisende mit einem schwereren E-Bike bekommen das nicht hin. Ich fahre nur selten Bahn – meist nur bei Gruppenreisen zu Radausflügen und zum Weihnachtsmarkt.“