Natur Bäume unter Beobachtung

Maximilian Bahmann (links) und Alexander Geßler
Maximilian Bahmann (links) und Alexander Geßler © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 01.04.2017
Maximilian Bahmann erfasst von Sittenhardt bis Sulzdorf Baumkontrollen in einem digitalen Kataster. Er kann vor Ort Daten abfragen und ergänzen.

Wir haben 16 230 Bäume in der Gemeinde“, weiß Alexander Geßler. Er ist stellvertretender Vermessungs-Abteilungsleiter bei der Stadt Schwäbisch Hall. Im digitalen Baumkataster werden die Bäume im Geoinformationssystem (GIS) archiviert.

Judith Deyhle, Abteilungsleiterin Grün beim Werkhof, hat ihnen ID-Nummern gegeben. Diese ersetzen die frühere Nummerierung. Einige Stämme tragen nun zwei Aluminium-Plaketten. „In so einem Fall wollten wir das Kambium, die Wachstumszone, nicht beschädigen. Der Nagel blieb drin“, erläutert Maximilian Bahmann.

Er arbeitet beim Werkhof und ist Landschaftsgärtner und Fachagrarwirt für Baumpflege. In Schwäbisch Hall führt er die Baumkontrollen nach FLL-Richtlinien durch – „von Sittenhardt bis Sulzdorf und nur für Bäume im Stadteigentum“. FLL steht für „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau“.

Auch für tote Bäume unterwegs

Die Friedhöfe würden extra kontrolliert. An Straßen, Flüssen oder Bahnlinien seien das Land oder die Bahn verantwortlich. Mit seinem Tablet-Computer kann er seit 2016 auch direkt vor Ort mittels einer App Baumkataster-Daten abfragen und ergänzen. Über Luftbildaufnahmen sind die Standorte der Bäume ebenso auszuwählen wie über Karten mit Flurstücken. Krone und Stamm werden als Kreise dargestellt. In der Fachdatenmaske sind der botanische Name, die Nummer, die Höhe, der Kronendurchmesser und das Alter eines Baums erfasst. Ebenso die Historie der Kontrollen, Befunde und Pflegemaßnahmen. „Selbst für tote Bäume bin ich unterwegs“, schmunzelt Bahmann.

An einem Tag Mitte März nehmen er und Joachim Strähle, Sachgebietsleiter Grün beim Werkhof, eine Linde an der Baustelle des Neuen Globe in Augenschein. Die Erdarbeiten haben begonnen, Baggerspuren sind zu sehen. Befahrungsschäden drohen, denn die ID-Nummer 00250 ist ungeschützt.

Die „städtischen Baumschützer“ greifen ein: Der Stamm wird sofort verschalt. Und in der App wird vermerkt, dass bei dem Baum eine Baustelle ist. Das Programm bietet passende Pflegemaßnahmen an. „Wir werden den Boden mit einer Druckluftlanze belüften“, erklärt Bahmann die Lösung gegen Erdverdichtung. „Gut an dem System ist, dass die Dokumentation für viele zugänglich ist“, sagt Geßler.

Der Prüfrhythmus der Bäume sei sehr unterschiedlich. „Bei einigen komme ich spätestens alle drei Monate, bei anderen reicht es auch alle zwei Jahre“, so Bahmann. „Die heißen, zu trockenen Sommer machen unseren Bäumen schwer zu schaffen“, seufzt er. Der Fachagrarwirt bildet sich jedes Jahr fort, lernt mehr über Eschentriebsterben, Rosskastanienminiermotte oder Hallimasch – die Liste der Baumschädlinge ist lang.

Filtert man gezielt mit der App nach Eichen – die vom Eichenprozessionsspinner befallen sein könnten –, würden alle 1181 im Stadtgebiet angezeigt. Vor Ort weisen Markierungen an einzelnen Stämmen – gelbe Linien oder weiße Sprühpunkte – auf Schädlingsbehandlungen hin, die auch im Baumkataster hinterlegt wurden.

Am Steinernen Steg stehen hohe Linden. Tiefe Höhlungen sind zu sehen. Am Zwiesel, der engen Gabelung von Stamm und Seitentrieben, kann sich leicht Fäulnis bilden. „Dann brechen sie auseinander, und der halbe Baum kippt weg“, erklärt Bahmann. An den Ästen sind Gurte angebracht. Diese wurden und werden zum Ausschneiden des Totholzes in der Krone von Baumkletterern genutzt. Stark frequentierte Wege müsse man besonders sichern.

Widerstand im Holzkörper

Der Baumpflegetrupp vom Werkhof bestehe aus drei Leuten, so Joachim Strähle. „Und wo wir nicht weiterkommen, beauftragen wir externe Baumgutachter“. Der führe beispielsweise eine Resistograph-Bohrung durch – damit könne der Widerstand im Holzkörper und die Tragfähigkeit gemessen werden. Bei schwer erkrankten dominanten Bäumen entscheide der Fachbereich Planen und Bauen gemeinsam mit dem Werkhof über Fällungen.

Der älteste Baum in Schwäbisch Hall sei die 600-jährige Linde auf der Minigolf-Insel. Die Breite Eiche und die Eltershofer Eiche seien rund 400 Jahre alt. „An den Bäumen bin ich sehr oft“, lächelt Bahmann. Und wenn dort nichts auffällig sei, sei er auch schnell wieder weg.

13 194 Laubbäume, 344 Nadelbäume

Die Baumkontrolle ist eine vom Experten durchgeführte Überprüfung von Bäumen im Zuge der Verkehrssicherungspflicht. Begutachtet wird das Erscheinungsbild des Baums und sein Umfeld. Wird eine Gefahr erkannt, müssen entsprechende Pflegemaßnahmen ergriffen werden. In Schwäbisch Hall sind 16 230 Bäume im Kataster erfasst, darunter 13 194 Laubbäume, 344 Nadelbäume und 2687 Obstbäume (Stand: Ende 2016). may

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