Schwäbisch Hall Bad mit Rekordverlust

Bevor die Badegäste in Schwäbisch Hall wieder ins kühle Nass tauchen können, steht erst mal der Frühjahrsputz an. Das Freibad in Hall soll am Samstag, 9. Mai, um 8.30 Uhr eröffnet werden. Privatfoto
Bevor die Badegäste in Schwäbisch Hall wieder ins kühle Nass tauchen können, steht erst mal der Frühjahrsputz an. Das Freibad in Hall soll am Samstag, 9. Mai, um 8.30 Uhr eröffnet werden. Privatfoto
TOBIAS WÜRTH 05.05.2015
Mit einem Minus von 3,8 Millionen Euro hat das Schenkenseebad der Stadtwerke Hall im Jahr 2014 einen Rekordverlust verbucht. Die Stadtwerke wollen ein Sparkonzept aufstellen, das möglichst wenig wehtut.

3,8 Millionen Euro Verlust - selbst für die Stadtwerke Hall mit ihrer Bilanzsumme von 240 Millionen Euro ist das eine nicht zu vernachlässigende Lücke in der Rechnung. So sieht es zumindest Geschäftsführer Gebhard Gentner, der von dem ausgeschiedenen Johannes van Bergen den Bäderbereich übernommen hat. "Wenn wir die Aktivitäten außerhalb der Stadtgrenzen nicht hätten, könnten wir uns das gar nicht leisten", sagt Gentner. Gewinne auf der einen Seite können mit Verlusten bei Bädern und beim Parken auf der anderen gegengerechnet werden - so werden Steuern gespart. Das hat aber Grenzen. Und eine solche ist für Gentner nun erreicht.

Warum ist der Verlust so groß? Die Tariferhöhung schlage mit rund fünf Prozent höheren Personalkosten zu Buche, erläutert Ronald Pfitzer, der als Stadtwerke-Geschäftsführer den Bereich Personal übernommen hat. "Dazu kommen eine Strompreiserhöhung, neue Anforderungen an die Technik, Sanierungsarbeiten und ein schlechtes Freibadjahr." Rechne man die Investitionen in Fliesen- und Filtererneuerung und Ähnliches heraus, bleibe aber immer noch ein Verlust von drei Millionen Euro. Ein Beispiel für die Ausgaben: Pro Badegast gerechnet werden 120 Liter Frischwasser ins Becken geleitet. Am Ende wird jeder Badegast mit rund acht Euro bezuschusst. Der reguläre Eintrittspreis für einen Erwachsenen im Hallenbad beträgt 4,90 Euro.

Bereits van Bergen, der im Februar als Stadtwerkegeschäftsführer in den Ruhestand getreten ist, aber weiterhin die Geschäfte einiger Stadtwerke-Töchter leitet, hatte das Minus im Blick. Er ließ die Verlustquellen des Bads untersuchen.

"Das Außenbecken benötigt 25 Prozent der Wärmeenergie des Bades", erläutert Gebhard Gentner. Das beliebte Becken abzulassen, sei keine Option. "Wenn die Abdeckung drauf ist, benötigt man fast keine Energie. Daher stellt sich die Frage, ob es wirklich von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends offen sein muss?" Für Gentner ist klar: "Wir müssen mit den Menschen reden." Für welchen Komfort müsse welcher Preis gezahlt werden, sei zu klären. Es gelte dort zu sparen, wo es am wenigsten wehtut.

Für die Stadtwerke als Betreiber des Bads kommt es in diesem Jahr noch dicker. "Ab 1. Juli zahlen wir im Saunabereich statt sieben Prozent nun 19 Prozent Mehrwertsteuer", erläutert Ronald Pfitzer. Pro Saunagänger ist das rund ein Euro.

Der Gesetzgeber stuft den Saunagang nicht mehr als Gesundheitsförderung ein. Pfitzer: "Das ist doch paradox: Schwimmen ist gesund, Sauna Luxus." Die Stadtwerke werden die Eintrittspreise aber nicht erhöhen, wollen die Mehrkosten selbst schultern.

Denn so einfach lasse sich die Einnahmenseite nicht regeln. Noch ist die Faktenlage nicht eindeutig, aber es zeichnet sich ab: Die letzte Erhöhung der Eintrittspreise um bis zu zehn Prozent im Januar halte möglicherweise den ein oder anderen ab, ins Bad zu gehen. Gebhard Gentner kündigt einen Fahrplan für Einsparungen ein: Das Freibad erhält jetzt feste Saisonöffnungszeiten und ein Familientag wird demnächst eingeführt. Zudem werde bis Herbst geprüft, ob es Änderungen bei den Öffnungszeiten, Potenzial bei Putz- und Dienstplänen und anderswo gebe. Am 1. Januar 2016 würden die Änderungen umgesetzt. Noch hofft Gentner, ohne einen großen Einschnitt auszukommen und an vielen kleinen Schrauben drehen zu können, um die nötige Summe einzusparen.