Umzugshelfer für die US-Army in Hall Dolan Barracks: Backofen als Zusatzheizung

Karlheinz Hampp ist ein Naturmensch. Er wandert gerne. Hier steht er in der Feldäckerstraße in Sulzbach, in der Nähe seiner Wohnung. Im Hintergrund ist die Michaelskirche zu sehen.
Karlheinz Hampp ist ein Naturmensch. Er wandert gerne. Hier steht er in der Feldäckerstraße in Sulzbach, in der Nähe seiner Wohnung. Im Hintergrund ist die Michaelskirche zu sehen. © Foto: Verena Köger
Schwäbisch Hall / Verena Köger 24.08.2018
Als Ferienarbeiter half Karlheinz Hampp aus Sulzbach-Laufen 1980 bei Auszügen von Soldaten aus den Dolan Barracks in Hessental. Über manche Eigenheiten der Amerikaner muss er heute noch schmunzeln.

„The movers are coming!“, („Die Umzugshelfer kommen!“) – mit diesem Satz begrüßten Karlheinz Hampp und die anderen Arbeiter der Haller Möbelspedition Hüfner 1980 die Soldaten in den Dolan Barracks, der ehemaligen amerikanischen Kaserne in Hessental. Der damals 26-jährige Student hatte sich auf eine Zeitungsannonce für den Ferienjob beworben. Dass er den Amerikanern und ihren Lebensumständen in der Kaserne in diesen sechs Wochen so nahe kommen würde, wusste er im Vorhinein nicht.

Gegen 8 Uhr morgens standen die Männer bei den Amerikanern, die oft mit Ehefrau und Kindern zusammenwohnten, auf der Matte. „Uns wurde immer sofort Bier angeboten. Die Soldaten hatten das Vorurteil, dass wir Deutschen von morgens bis abends Bier trinken“, erklärt der heute 63-jährige Hampp. Seine Aufgabe war vor allem, alles, was in die großen Holzkisten eingepackt wurde, auf Englisch in eine Liste einzutragen. Das Dokument gab es dann in siebenfacher Ausfertigung.

Lob von Amerikanern für erfundene Wörter

Das Problem, das sich dem Sulzbach-Laufener dabei oft stellte: Er wusste gar nicht, wie er die Gegenstände bezeichnen sollte. „Die Bewohner konnten mir zum Teil selbst nicht sagen, wie die Dinge auf Englisch hießen“, so Hampp. Also habe er selbst Wörter erfunden, wofür er von den Amerikanern gelobt wurde. Durch die Arbeit bei Hüfner habe er sich getraut, mehr Englisch zu sprechen – eine Bereicherung, für die der gebürtige Gaildorfer bis heute dankbar ist.

„Vieles habe ich einfach ‚stuff’ (zu Deutsch: Sachen) genannt. Das war das Zauberwort. Das passte einfach immer“, sagt der Rentner und lacht. „Board“ hat er alles genannt, das einem Regal glich, „can“ alles, was einer Vase oder einem Eimer ähnlich sah. Als „Basement“ bezeichnete er die Sachen aus dem Keller. „Dort waren meist Angel- und Golfausrüstungen untergebracht. Keine Ahnung, wozu die Soldaten diese mitgebracht haben“, fragt sich Karlheinz Hampp bis heute.

Umweltbewusst: Fernseher zuerst eingepackt

Eine weitere Eigenheit der Amerikaner: „In jedem Zimmer stand ein Fernseher und alle waren an, egal ob jemand reingeschaut hat oder nicht“, sagt der Rentner kopfschüttelnd. Um den Stromverbrauch hätten sie sich wohl eher weniger Sorgen gemacht. „Zur Strafe haben wir dann meist den Fernseher als allererstes eingepackt“, gibt Hampp zu und grinst.

Ein Erlebnis ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Ich kam in die Küche und sah, dass die Backofenklappe offen stand. Der Backofen war an und wurde offensichtlich als Zusatzheizung verwendet. Die Familienmitglieder liefen derweil barfuß und im T-Shirt durch die Wohnung.“

Seit seinem Ferienjob kennt sich der pensionierte Lehrer auch mit Stereoanlagen aus. „Die Amerikaner hatten gigantische Systeme. Bei diesen mussten wir besonders vorsichtig sein. Die Anlagen waren ihnen heilig.“ Hampp vermutet, dass die Soldaten sie hier zollfrei kaufen konnten und mit nach Hause nehmen wollten.

Auch wenn Hampp regelmäßig Einblicke in die Privatsphäre der Amerikaner hatte – einmal fand er einen Erotikfilm unter dem Bett –, ist er nur wenig mit ihnen ins Gespräch gekommen. Sie hätten sich ohnehin nicht für die Umzugshelfer interessiert und meistens auch nicht mitgeholfen. Trinkgeld gab es auch eher selten. „Das war eine Begegnung von ein paar Stunden – mehr aber auch nicht.“

Gefriertruhe geliefert

Die Zusammenarbeit mit den anderen Umzugshelfern hat er aber in guter Erinnerung. „Das war wirklich eine tolle Truppe“, so Hampp. Mit einem Mitarbeiter hat er sogar bis heute noch Kontakt. Er wohnt im Gaildorfer Teilort Bröckingen und könne sich noch daran erinnern, dass die Holzkisten von Künzelsau aus nach Bremerhaven transportiert und dann auf Schiffe verladen wurden. Mithilfe von Schablonen wurde beschriftet, wohin die Reise gehen sollte.

Natürlich kamen auch Kisten von Bremerhaven nach Schwäbisch Hall, wenn neue Soldaten in die Dolan Barracks nach Hessental geschickt wurden. „Einmal war doch tatsächlich eine Gefriertruhe in einer Kiste – mit Lebensmitteln drin. Das hat vielleicht gestunken“, hat Hampp den Geruch heute noch in der Nase.

Nach 30 Jahren zum Lehrerberuf zurückgekehrt

Karlheinz Hampp ist 1954 in Backnang geboren. Die ersten Jahre wuchs er in Fichtenberg auf, dann zog seine Familie nach Gaildorf. Dort besuchte er das Gymnasium. 1973 ging zur Bundeswehr, bevor er 1976 sein Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule in Schwäbisch Gmünd begann. Sein Referendariat absolvierte er in Gschwend. Nach seinem Abschluss 1980 bekam Hampp aufgrund der sogenannten „Lehrerschwemme“ keine Anstellung an einer Schule. Durch einen Freund konnte Hampp als technischer Sachbearbeiter bei Daimler in Stuttgart anfangen. Dort arbeitete er rund 25 Jahre. 2008 kehrte er zum Lehrerberuf zurück und gab in Crailsheim für Ausländer Deutschunterricht.

Seit Januar ist Karlheinz Hampp im Ruhestand. Er lebt getrennt und hat keine Kinder. Mit dem Schwäbischen Albverein Gaildorf ist er regelmäßig unterwegs, außerdem fährt er Motorrad und Ski. Er liest gerne und spielt Gitarre. ena

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