Region Azubis: Keine Lust, oft krank

"Mist, ich habe mich für die falsche Lehrstelle entschieden", denkt sich dieser Junge möglicherweise. Selten ist das nicht. Die späte Erkenntnis ist ein Problem für Azubis und Unternehmen gleichermaßen.
"Mist, ich habe mich für die falsche Lehrstelle entschieden", denkt sich dieser Junge möglicherweise. Selten ist das nicht. Die späte Erkenntnis ist ein Problem für Azubis und Unternehmen gleichermaßen. © Foto: Mikael Damkier/Fotolia
JÜRGEN STEGMAIER 19.11.2013
Einige junge Menschen landen in Berufen, die nicht zu ihnen passen. Äußern kann sich dies in auffälligen Fehlzeiten im Betrieb oder der Berufsschule. Brigitte Käfer rät zu Gesprächen, die gut vorbereitet sein sollten.

Brigitte Käfer ist sozialpädagogische Ausbildungsberaterin der IHK Heilbronn-Franken. 25 Ausbilder aus unterschiedlichen Betrieben aus Schwäbisch Hall, Gaildorf oder Crailsheim hören ihr im Haller Haus der Wirtschaft aufmerksam zu, als sie über die Probleme berichtet, die Unternehmen mit Auszubildenden haben können. Hintergrund für die Veranstaltung ist einerseits der Umstand, dass immer mehr Unternehmen angeben, mit problematischen Auszubildenden an ihre Grenzen zu kommen. Andererseits soll die Quote der Ausbildungsabbrecher reduziert werden.

Am Beginn der Ausbildung hängen viele durch

Im Handwerk beträgt die Abbrecherquote 27, in der Gastronomie 43 Prozent. "Oft haben die Eltern andere Vorstellungen. Oder die Bedingungen wie Arbeitszeiten oder Belohnung schrecken ab", erzählt Ursula Kunert von Gründen, warum junge Frauen und Männer manchmal nicht den Beruf wählen, der zu ihnen passt. Sie betreibt in Crailsheim das Agentur Kompetenz&Bildung. Ihr Fazit: "Die Kinder brauchen bei ihrer Berufsentscheidung mehr Selbstbewusstsein."

"Häufige Fehlzeiten, Unpünktlichkeit, Verantwortungslosigkeit gegenüber Kollegen und fehlende Teamfähigkeit nehmen zu", sagt eine Seminarbesucherin, die in einem Hotel für die Ausbildung von mehr als einem Dutzend Lehrlingen verantwortlich ist. Sie bittet darum, anonym zu bleiben - ebenso wie zwei Ausbildungsleiterinnen eines Unternehmens nahe Bad Mergentheim. Sie erzählen, dass es keine Seltenheit sei, wenn die Auszubildenden zu Beginn erst einmal durchhängen. "Doch die meisten fangen sich recht schnell wieder." Schwierig wird es, wenn sich der Azubi im falschen Job oder im falschen Unternehmen glaubt und deshalb durch fehlende Motivation und viele Fehlzeiten auffällt.

Brigitte Käfer stellt solche Fälle anhand von zwei Beispielen dar. Eine Liste mit Dingen, die dem Ausbilder gefallen und solchen, die ihm missfallen, sollte Grundlage für ein Gespräch sein. Dabei seien konkrete Fakten erforderlich. Mutmaßungen würden nicht weiterhelfen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, seien Vorarbeiten wichtig. Das könnten Gespräche sein mit den Eltern des Azubis, mit der Berufsschule oder mit Mitarbeitern im Betrieb. Wichtig sei ein konstruktives Vorgehen - nicht nur das Problem schildern, sondern auch fragen, ob und wie der Betrieb dem Auszubildenden helfen kann.

Auffällig sei es, wenn ein Lehrling auf 50 bis 60 Fehltage im Jahr kommt, die Abwesenheitszeiten oft zwei oder drei Tage betragen. Eine rechtliche Aufklärung sollte Teil des Gesprächs sein. "Nicht zu lange mit einer Abmahnung warten", rät Brigitte Käfer den aufmerksamen Zuhörern im Haller Haus der Wirtschaft.