Mobilität Autohaus Koch will Stammsitz für 5 Millionen Euro erneuern

Tobias Würth 15.07.2017
Drei Gebäude werden auf dem Gelände an der Johanniterstraße abgerissen, zwei neu gebaut. Familienbetrieb verkauft 6500 Autos im Jahr.

Wer seinen Wagen beim Autohaus Koch am Rand der Altstadt von Schwäbisch Hall zur Reparatur bringt, bemerkt es schon heute: Dicht gedrängt sitzen die Mitarbeiter zum Teil zu zweit an einem Schreibtisch. Das soll sich nun ändern. Die Eigentümer-Familie Härterich hat zehn Teilnehmern des Wirtschaftsförderungsausschuss des Gemeinderats am Donnerstag ihren fünfstufigen „strategischen Generalbebauungsplan“ präsentiert. Vater Thomas Härterich wollte die Investition noch aufschieben. „Weil sie Geld kostet“, ruft er bei der Präsentation der Zahlen durch seinen Sohn Lutz dazwischen. Doch die Juniorchefs Lutz und Stefan sowie Ehefrau Waltraud, die allesamt Teil der Geschäftsführung sind, haben zugeraten. Lange sei überlegt worden, wie man es angeht.

Das Firmengelände neben dem Nikolaifriedhof ist riesig, allerdings uneben, verwinkelt und wird durch einen Dachdeckerbetrieb sowie eine öffentliche Straße durchbrochen. Das macht die Entwicklung der Neubaupläne nicht leicht. Lutz Härterich bringt es auf den Punkt: „Es wird alles abgerissen bis auf die Lackiererei und die Werkstatt.“ Diese beiden eher versteckten Gebäude auf dem Gelände sind nämlich noch recht neu.

Der erste Punkt auf der Investitionsliste ist schon abgehakt. Der Gebrauchtwarenhandel hat einen überdachten Wartebereich und einen Büro-Pavillon erhalten. Der zweite Punkt ist aufwändiger. Den Härterichs gehört schon seit Jahrzehnten das Gebäude, in dem früher die Post ihre Briefe sortiert hat und das an der Salinenstraße steht.

Das soll im Frühjahr 2018 abgerissen werden. In einem Neubau an dieser Stelle kommen Karosserie-Abteilung und Reifenlager unter. Im dritten Schritt des Masterplans zieht die komplette Verwaltung der Koch-Gruppe ins Obergeschoss des Neubaus ein.

Die Punkte vier und fünf im  „strategischen Generalbebauungsplan“ sind fürs Erscheinungsbild am wichtigsten. Die beiden Gebäude an der B 19 werden abgerissen. „Offen, freundlich, vielverglaste Fläche, keine extravagante Architektur“ – so beschreibt Lutz Härterich den geplanten Schauraum samt Servicebereich.

Das Design gibt VW vor. „Man hat in Maßen ein Mitspracherecht“, versichert Lutz Härterich. Eine Steinfassade sei aber nicht möglich. Stadträte haken nach. Senior-Chef Thomas Härterich versichert: „Die Gebäudeflächen werden sich verkleinern. Dafür werden Betriebsabläufe verbessert und zusätzliche Parkplätze entstehen. Ich bin Nachkomme eines Sieders. Ich würde nichts machen, was nicht ins Stadtbild passt.“

Die Koch-Gruppe will sich fit für die Zukunft machen. Während die anderen sieben Standorte in neuem Glanz erstrahlen, hinkt der Stammsitz unten in Hall hinterher. Ein Umzug auf die grüne Wiese komme nicht in Frage. Thomas Härterich begründet: „Wir wollen sichtbar bleiben.“ Dafür ist der Familienbetrieb bereit, in den nächsten Jahren 5 Millionen Euro zu investieren.

Auf Wachstumskurs: 330 Mitarbeiter

1932 Das Autohaus Robert Koch wird vom Großvater von Thomas Härterich in Gaildorf gegründet und verkauft zunächst Autos der Firma „Adler“.

1936 Umsiedlung nach Hall, um an der Bundesstraße sichtbar zu werden.

1950 Autohaus wird VW-Vertragshändler.

1961 Bau einer Reparaturwerkstatt.

1980 Thomas Härterich wird Geschäftsführer.

1990er Skoda-Handel und Gebrauchtwagenmarkt entstehen.

2004 Waltraud Härterich wird Geschäftsführerin.

2012/2013 Die Söhne Stefan und Lutz steigen mit ein.

2014 BAG Auto Gaildorf kommt dazu, später auch BAG Auto Ellwangen.

2014 Ausgliederung von Europcar in die Gaildorfer Straße.

2015 Model & Nölscher in Crailsheim wird in Koch-Gruppe integriert.

2016 Umfirmierung des Autohauses Schümann in Auto Koch, das bereits seit 2006 dabei ist.

2017 Die 330 Mitarbeiter der Koch-Gruppe sollen an acht Standorten 6500 Autos verkaufen. Umsatzziel: 114,5 Millionen Euro. tob