Braunsbach Autobahnkapelle Christophorus an der Kochertalbrücke ist ein Besuchermagnet

Braunsbach / ELVIRA PROBST-LIPSKI 26.07.2014
"Kommet her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Dieses Bibelzitat steht auf der Eingangstüre der Autobahnkapelle. Und tatsächlich nehmen viele Menschen die Einladung an.

Anfang April 2014 wurde die Christophorus-Autobahnkapelle an der A6 bei der Kochertalbrücke eingeweiht. Sie ist nicht mehr vom Parkplatz wegzudenken.

Bereits am Morgen kommen die ersten Besucher in die Kapelle. Es sind drei Damen, die nach dem Frühstück in Wolpertshausen gezielt noch zur Kapelle gefahren sind. Renate Schumacher, Gerda Hofmann und Hanne Rau aus Rosengarten erzählen: "Wir sind zum ersten Mal da. Die Regenbogen-Fenster sind wunderschön, auch die Darstellung von alttestamentlichen und neutestamentlichen Inhalten gefallen uns." Sie stellen fest, dass die Kapelle sehr gut angenommen wird. Tatsächlich reißt der Besucherstrom nicht ab.

Offensichtlich planen viele der Menschen, die später in die Kirche kommen, ganz gezielt nach dem Mittagessen in einer der Gaststätten der umliegenden Dörfer noch einen Abstecher zur Kapelle. So auch Kurt Wissmann, Ernst Renner und Gerhard Walter, drei befreundete Witwer aus Ingelfingen. Sie sind verblüfft, als sie erfahren, dass es sich um eine evangelische Kirche handelt. Gibt es doch in der Autobahnkapelle ein Weihwasserbecken und brennende Gebetskerzen. "Wir waren neugierig", sagt Kurt Wissmann, "die Kirche gefällt mir sehr. Wenn man hereinkommt, spürt man die Kraft, die vom Kirchenraum ausgeht. Wenn ich Angehörige im Krankenhaus hatte, bin ich öfters in die dortige Krankenhauskapelle gegangen. Dabei habe ich mir viel Kraft geholt."

Kurz danach betritt Lena Hopfe die Kirche. Sie studiert Theologie an der Augustiner Hochschule in Neuendettelsau. Eigentlich kommt sie vom Bodensee und ist auf der Rückfahrt von einer Theateraufführung in Tübingen. "Die Farben und das Holz der Bänke finde ich sehr gelungen. Nach einer langen Autobahnfahrt ist eine Kirche zum Auftanken genau das richtige", sagt sie nachdenklich.

Schwester Inge vom Hergershof schaut kurz nach dem Rechten und berichtet, dass viele Menschen erst in der Gruppe kommen, später nochmals alleine. Andere zeigen ihrem Besuch ganz bewusst die neue Attraktion. "Manche fragen auch an, ob sie im Hergershof anschließend noch Kaffee trinken können."

Die Schwester berichtet: "Vor kurzem kam ich in die Kapelle und fand einen polnischen Priester dort vor. Er hielt eine Messe für fünf Landsleute. Alle waren LKW-Fahrer." Heute Mittag stehen wenige Laster auf dem Parkplatz. Viele ausländische, meist osteuropäische Fahrer, wollen kein Gespräch. Ein Sachse sagt, er gehe nicht in Kirchen, er sei nicht gläubig. Anders dagegen Jószef Anton aus Vaskút in Ungarn. Freundlich berichtet er, dass er jeden Donnerstag auf der A6 hier vorbeifährt und, wenn es klappt, in die Kirche hineinschaut.

Ein älteres Paar aus Trier, das seinen Namen nicht angeben möchte, betritt zielstrebig die Kirche. "Wir möchten rasch eine Kerze für unsere Anliegen anzünden. Wir gehen öfters in Autobahnkapellen, vor allem an Sonn- und Feiertagen, wenn wir nicht in den regulären Gottesdienst gehen konnten. Das tut gut, damit geht der Stress weg." Der Ehemann erzählt noch, dass er vor vier Jahren während der Fußballweltmeisterschaft eine Einladung zur Einweihung der Autobahnkirche in Wittlich bei Trier hatte. "Der Termin war ausgerechnet bei einem Spiel der Deutschen. Ich dachte, es kommt kein Mensch, die Kirche war jedoch bis auf den letzten Platz gefüllt. In lockeren Abständen wurde ein Kind nach draußen geschickt um den Spielstand zu erfahren."

Kurz darauf kommt Roland Rath mit drei Begleitern aus der Kirchengemeinde Mössingen (Kreis Tübingen). "Wir bereiten einen Ausflug mit unserer Gemeinde vor und wollen dann unbedingt auch hierher kommen. Außerdem stammt die Gestalterin der Kirchenfenster, Stefanie Bahlinger, aus unserer Gemeinde. Die Kirche ist wunderschön, die gesamte Anlage ist sehr gelungen."

Die Kirchentür geht auf und Schwester Ulrike begleitet eine Familie in den Innenraum. Sie sagt, dass Jenny und Steve mit den Kindern Lissi und Tim aus Melbourne in Australien einen Europatrip machen. "Wir haben auf einer Missionsstation in Rawalpindi, Pakistan, zusammengearbeitet." Jenny erzählt, dass man in Australien keine Autobahnkirchen kenne. "This chapell is wonderful (Diese Kapelle ist wundervoll)", sagt die Australierin lächelnd.

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