Schwäbisch Hall Ausstellung "Kunst, Handwerk, Design" regt nicht nur zum Kaufen an

Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 07.12.2015
Die Eröffnungsrede klingt fast ein wenig zu pessimistisch für die Motivation, die die Kunsthandwerker aufbringen. Interessant die Frage von Detlef Schmelz: "Inwiefern prägt uns Kunsthandwerk?" Mit Bildergalerie.

. Man wolle keine reine Verkaufsveranstaltung sein, so Detlef Schmelz, Mitorganisator und Aussteller. Man wolle auch Fragen stellen. Eine stellt er auf seiner lebhaften Eröffnungsrede: "Wie prägt uns Kunst?" Die Menschen, die in einer Stadt wie Schwäbisch Hall leben - spüren sie die Kunst um sie herum? Hat es eine Auswirkung auf uns? Die Frage darf jeder für sich beantworten. Er jedenfalls nennt ein Kunsthandwerker-Objekt einen stillen, schlichten Freund. "Gutes Kunsthandwerk merkt man nicht, es dient", sagt er, und im Publikum werden dazu Köpfe genickt.

Jeannette Dietrich springt für die verhinderte Journalistin Gabi Dewald aus Lorch ein und trägt einfühlsam ihre Rede vor. "Was ist die Kultur unseres Alltags?", will die Autorin leicht provozierend wissen. Sie möchte keine Loblieder auf das Kunsthandwerk hervorbringen, sondern sagen, wie es ist: Das Kunsthandwerk gibt es nur noch, weil es massiv gefördert wird. Nicht vom Staat, sondern von den Künstlern selbst. Die sich gegen den Wind stellen, die ihr Vermögen und ihre Lebenszeit spenden, auf Sicherheit verzichten. Sie nennt es gar: Selbstausbeutung.

Sie weist die vielen Zuhörer darauf hin, wo der Weg hingeht. Wenn wir unsere Kinder nicht schulten, die Schönheit zu sehen, wer könne sie dann in Zukunft noch wertschätzen? Kinder hätten heute, durch den Computer geschuldet, schon kein Gefühl mehr für Zeitdauer. Entstehungsprozesse könnten sie nicht mehr einschätzen.

Aber Dietrich möchte die Kunsthandwerker nicht entmutigen, sondern sie appelliert an ihr Selbstbewusstsein. Sie sollten mit der bewussten Sinnhaftigkeit ihres Tuns auftreten und sich als "Veredler unseres Alltags" sehen.

Der Freitag ist schlecht, der Samstag gut besucht

Viele Menschen haben während der drei Ausstellungstage einen Blick für die Schönheiten. Der Freitag war zwar so schlecht besucht, dass die Aussteller bei den Vorführungen ihr eigenes Publikum waren, und auch der Förderkreis des Hällisch-Fränkischen Museums (HFM) klagt über nicht verkaufte Lachsbrötchen und Kuchenstückle, aber der Samstag lief gut. "Es gibt keinen Aussteller, der nichts verkauft hat", so Mitorganisatorin Marlene Gmelin. Das passiere leider manchmal auf Kunsthandwerkermärkten. Aber mit dem Umzug aus dem Rathaus ins Museum gehe es allen besser. Das Publikum kommt nicht mehr mit der Bratwurst herein und bummelt, sondern ist wirklich interessiert. So fachsimpelte Schreiner Thomas Neber mit manchem Besucher über Holzbearbeitung. Darauf, seinen großen Eichentisch zu verkaufen, hofft er noch. Das Sideboard wird er wohl wieder mitnehmen müssen.

Papierkünstlerin Irene Löffel ist treue Ausstellerin und sorgt für die Möglichkeit, dass jeder Besucher etwas mitnehmen kann. Ein Lesezeichen für zwei Euro, ein Vögelchen oder einen Kussmund. Ein Paar kauft einen Papierkranich und einen Stern. "Hier gibt es nicht so einen Kruscht wie auf den üblichen Weihnachtsmärkten", finden sie.

Auch Tobias Dingler, erstmals mit seinem Schmuck dabei, schwärmt von der Ausstellung und dem "wunderbaren Ambiente" im Museum. Sein Lieblingsstück, eine Kette mit Anhänger, der in japanischer Schmiedetechnik hergestellt wurde, hängt noch da. Sich davon zu trennen würde schwer sein. "Genauso werde ich es nie mehr hinkriegen", sagt er.

Kunsthandwerk - inwiefern es uns prägt? Es ist wie das Leben - nicht wiederholbar. Es ist emotionaler als ein industriell gefertigtes Stück. Es hat seine Geschichte. Viele davon wurden in den drei Ausstellungstagen erzählt.

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