Popmusik Ausgelassene Stimmung in „Gran viejo pueblo“

Vellberg / Monika Everling 07.11.2018
Das A-cappella-Ensemble „Die Füenf“ singt in Großaltdorf in einer ausverkauften Halle. Die 340 Zuhörer jubeln.

40 Stühle hat man sich noch im Nachbarort ausgeliehen, so konnten für das vierte Gastspiel der „Füenf“ beim Gesangverein Großaltdorf 340 statt 300 Karten verkauft werden. „Und das ohne große Werbung!“, freut sich der Vorsitzende des Gesangvereins Michael Dietz.

Die Zuhörer wissen, was sie erwartet: Popmusik mit Blödeltexten, ein Gute-Laune-Abend, dargeboten von professionellen Sängern. Allerdings verläuft das Konzert nicht ganz so makellos, wie man es von den „Füenf“ gewohnt ist: Ihr Programm „005 – Im Dienste Ihrer Mayonnaise“ ist noch ganz neu, man kann sagen, die Tinte der Notenköpfe ist noch nicht getrocknet. So kommt es zu kurzen Unsicherheiten im Text und auch zu winzigen Unsauberkeiten in der Intonation.

Einfache Rezepte für den Hit

Das ändert aber gar nichts an der fröhlichen Stimmung, die schnell entsteht. „Sing und Unsing“, so der Untertitel des Programms, besteht textlich vor allem aus „Unsing“. Zum Beispiel der „Sommerhit“, der da nach einfachem Rezept aus dem Boden gestampft wird: Irgendeine südländisch klingende Sprache, ein kesser Hüftschwung und eine einfache Melodie, schon ist der Ohrwurm fertig. Auch wenn der Text aus zusammenhanglosen Wörtern wie „Aeroporte securita“ und „Costa brava, Costa blanca, Costa Cordalis“ besteht. Und zum Schluss bedankt sich „Memphis“ in einer Art „Spanish for run­aways“ bei den Zuhörern in „Gran viejo pueblo“, also „groß alt Dorf“, für den Beifall.

„Die Füenf“ besingen ihre Nachbarn, die mit Vornamen Donald und Melanie heißen und in einem weißen Haus wohnen, oder sie zeigen die Debattenkultur, die angeblich im Ensemble herrscht: lauter inhaltsleere Sätze und zum Schluss die Feststellung: „Gut, dass wir geredet haben.“ Mit James Bond hat das Ganze so gut wie nichts zu tun – mit Ausnahme von ein paar signalartigen Heultönen, die „Little Joe“ ins Eingangs-Medley streut und die entfernt an die Titelmelodien der Filme erinnern. Wahrscheinlich war für mehr keine Lizenz zu bekommen.

Die fünf Sänger zeigen sich wie immer gut gelaunt: Da ist „Dottore Basso“, der sich fast immer ganz unten aufhält, aber bei seinem Solo auch in Baritonlage zu hören ist, „Little Joe“, der Spezialist für Geräuschhaftes, „Memphis“ mit seinem schauspielerischen Talent, der Komödiant „Pelvis“ und „Justice“ mit dem Schmelz in der Stimme. Die Zuhörer jubeln und erklatschen sich zwei Zugaben, darunter selbstverständlich die Schwaben-Hymne „Mir im Süden“, das mit Abstand bekannteste Stück der „Füenf“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel