Schwäbisch Hall Aus Igel Mecki wird Kretschmann

Volker Körner begrüßt mit Perücke als Ministerpräsident Kretschmann die Zuschauer einzeln. Auf der Bühne begleiten ihn musikalisch Sabine Essinger am Akkordeon und Karin Hagmann am Keyboard. Foto: Viktor Taschner
Volker Körner begrüßt mit Perücke als Ministerpräsident Kretschmann die Zuschauer einzeln. Auf der Bühne begleiten ihn musikalisch Sabine Essinger am Akkordeon und Karin Hagmann am Keyboard. Foto: Viktor Taschner
Schwäbisch Hall / VIKTOR TASCHNER 07.12.2012
Drei Kabarettisten, zwei Landesteile und ein Geburtstag: Das sind die Zutaten zum Extra der Neuen Museumsgesellschaft zum 60. Jahrestag Baden-Württembergs. Halls Kulturbüro und Triangel hatten eingeladen.

"Ich bin kein Parodist", sagt Volker Körner, der männliche Part des Trios neben Sketchpartnerin Sabine Essinger und Musikerin Karin Hagmann. Dass Körner den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf der Bühne im Gelbinger Gasthaus "Schwanen" auch optisch so treffend imitieren kann, verdanke er seinem Steinbacher Friseur Reinhold Köngeter, berichtet er. "Wir haben eine Perücke von Igel Mecki mit Heizkörperlack besprüht. Die Haare waren davor schwarz, jetzt haben sie Kretschmanns silbergrau", erzählt Körner.

Aller Bescheidenheit zum Trotz kommt Körner sehr nahe an das Kretschmann-Original heran. Zudem imitiert er - diese aber nur stimmlich - Kretschmanns Vorgänger Lothar Späth, Erwin Teufel und Günther Oettinger.

Die Paraderollen von Essinger und Körner dürfen ebenfalls nicht fehlen: Als nörgelnd-streitendes Ehepaar Erich und Berta Fleischle nehmen sie die schwäbische Seele aufs Korn. Ordnungsdrang und die Kehrwoche kennzeichnen in ihren Parodien den Schwaben ebenso wie runtergezogene Mundwinkel. "Des machmer nur, dass koiner neidisch wird, weils uns so gut geht", liefert Berta Fleischle die Erklärung.

Wie es um das Zusammenleben zwischen Badenern und Württembergern in einem Bundesland steht, zeigen die Kabarettisten ein ums andere Mal. Es war keine Liebesheirat 1952 zwischen den badischen "Ostelsässern" und den Schwaben, "des Erdballs größtem Schaden". Die Welt könne froh sein, dass "der Herrgott kein Badenser ist, weil sonst würde man immer noch auf den Urknall warten". Zueinander finden die so unterschiedlichen Bewohner des Südwest-Bundeslandes erst nach einigen Gläsern württembergischem Lemberger und badischem Affentaler, zumal "die Hesse kumme mit ihrem Äppelwoi".

Aber nicht nur unsere Nachbarn nördlich des Mains erwecken den Argwohn der Schwaben und Badener, auch im fernen Osten wohnen Menschen, die uns gefährlich werden könnten. "Die Chinesen kopieren alles von uns. Dem Daimler seine Autos, dem Bosch seine Zündkerzen, dem Uhu sein Bepp", zählt Erich Fleischle auf.

Am Ende kaufe der sparsame Schwabe die billigen Kopien, "des isch die Globalisierung", fasst er prägnant zusammen. Dabei seien die Schwaben schon vor Urzeiten in Asien gewesen, schließlich hätten sie die Stadt Hanoi gegründet, wie der schwäbische Klang des Stadtnamens verrate. Auch die Haller Lokalpolitik bleibt nicht von den Seitenhieben der Neuen Museumsgesellschaft verschont: Als Geburtstagsgeschenk habe die Landeshauptstadt den Hallern Bettina Wilhelm zurückgeschickt, anstatt ihnen einen "gscheiden" Bahnhof zu geben. "Schwäbisch Hall 21" sei das.

Zu Beifallsstürmen unter den 100 Gästen führt die Modenschau des baden-württembergischsten aller Kleidungsstücke: die Kittelschürz. Die nach Ortschaften benannten Farbmodelle wie Heilbronn-Untergruppenbach oder letzte Ausfahrt Kupferzell erfreuen die Zuschauer sehr, die sich auch ansonsten während des zweistündigen Programms köstlich unterhalten fühlen.