Handel Aufstieg zum Schwergewicht

Ein Bild, das man nicht unbedingt mit Kaufland in Verbindung bringt: Mit der Initiative „Healthy Seas“  werden alte Fischernetze von Tauchern  geborgen und zu hochwertigen Garn verarbeitet. Die daraus hergestellten Socken bringt Kaufland in seine Filialen. Dem Schutz der Meere misst die Handelsgruppe große Bedeutung bei. Auch die Fischprodukte stammen vorwiegend aus nachhaltiger Fischerei.
Ein Bild, das man nicht unbedingt mit Kaufland in Verbindung bringt: Mit der Initiative „Healthy Seas“  werden alte Fischernetze von Tauchern  geborgen und zu hochwertigen Garn verarbeitet. Die daraus hergestellten Socken bringt Kaufland in seine Filialen. Dem Schutz der Meere misst die Handelsgruppe große Bedeutung bei. Auch die Fischprodukte stammen vorwiegend aus nachhaltiger Fischerei. © Foto: Kaufland
ibe 12.01.2018
Vor 50 Jahren eröffnete Kaufland mit dem Handelshof in Backnang seine erste Filiale. Der Grundstein für die Entwicklung zu einem der größten Einzelhändler der Welt.

Für die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe ist der 29. Januar 1968 das wohl wichtigste Datum der Unternehmensgeschichte. An diesem Tag eröffnete der damals noch unbedeutende Heilbronner Lebensmittelgroßhändler Lidl & Schwarz sein erstes Einzelhandelsgeschäft: den Handelshof in Backnang. Aus kleinsten Anfängen entwickelte sich daraus das viertgrößte Einzelhandelsunternehmen der Welt mit einem Umsatz von zuletzt mehr als 90 Milliarden Euro. Dieser wird zu vier Fünfteln vom 1973 gegründeten und heute deutlich größeren Schwesterunternehmens Lidl erwirtschaftet. Die Basis für den Erfolg der Gruppe aber legte die Großflächensparte – den Namen Handelshof haben die Neckarsulmer aufgegeben und durch Kaufland ersetzt.

Früh in Schwäbisch Hall

Von einer Filiale in Deutschland auf über 1270 in Europa – das war eine spannende und erfolgreiche Entwicklung“, sagt Kaufland-Vorstandschef Patrick Kaudewitz. „Im Ursprung sind wir ein schwäbisches Familienunternehmen. Heute zählen wir zu den wichtigsten Einzelhändlern im europäischen Markt.“ Vor 1968 war Lidl&Schwarz alleine auf den lokalen Großhandel ausgerichtet. Das Unternehmen belieferte Dutzende Tante-Emma-Läden in Heilbronn und im Umland. Mit der strategischen Entscheidung, selbst in den Einzelhandel einzusteigen, griffen Josef Schwarz und sein Sohn Dieter damals den Trend im Handel zur Selbstbedienung auf. Die erste Filiale war mit einer Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern für damalige Verhältnisse außerordentlich groß.

Ausdrücklich warb das Unternehmen damit, dass Privatkunden „auch ohne Ausweis und ohne Beziehungen“ zu Großhandelsbedingungen einkaufen könnten. In Backnang – also weit genug weg von den angestammten Einzelhandelskunden „im Unterland“ und im Umkreis von Schwäbisch Hall, wo das Unternehmen eine Filiale des Großhandelsbetriebs aufgebaut hatte. Erst 1984, mit der Eröffnung des Kaufland-Markts in Neckarsulm, wurde die Schwarz-Gruppe auch in der Heimatregion zum Einzelhändler. 2002 wurde das Großhandelsgeschäft aufgegeben.

Harter Wettbewerb

Kaufland eröffnete vor allem in Süddeutschland kontinuierlich neue Filialen. Während Lidl mit den kleineren Märkten schon in den 1990er Jahren im europäischen Ausland expandierte, konzentriere sich die Großflächensparte nach dem Fall der Mauer auf die neuen Bundesländer: Im September 1990 hatte Kaufland 51 Filialen, im April 1993 waren es schon 100. Mit dem Markteintritt in Tschechien begann 1998 auch bei Kaufland die internationale Expansion. Im Dezember 2010 wurde in Berlin die 1000. Filiale in Europa eröffnet.

Ein Selbstläufer ist der Lebensmittelhandel in großen SB-Warenhäusern inzwischen nicht mehr. Mehrfach wurden in der Vergangenheit bei Sortiment, Filialformat und Werbung die Strategie gewechselt. Trotzdem hat Kaufland große Pläne. „Unser Markenversprechen ist seit 50 Jahren so einfach wie relevant“, sagt Kaudewitz. „Wir bieten unseren Kunden den perfekten Wocheneinkauf und damit mehr Lebensqualität.“

Heilbronn-Franken

Wachstum Kaufland ist den Vertriebslinie die  SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte der Schwarz-Gruppe mit ihrem Stammsitz in Neckarsulm. Das Unternhemen  zählt heute 1276 Filialen in sieben Ländern und beschäftigte zuletzt rund 148 000 Mitarbeiter. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2016/17 lag der Umsatz bei  21,6 Milliarden Euro.

Discounter Das zweite Vertriebsstandbein der Schwarz-Gruppe ist der Discounter Lidl mit mehr als 10 ­200 Filialen in 28 Ländern. Insgesamt beschäftigt das verzweigte Firmenimperium rund 390 000 Menschen. Die Unternehmensgruppe will ihren Umsatz bis zum Jahr  2020 auf über 100 Milliarden Euro steigern.