Schwäbisch Hall Aufgaben zwischen den Akteuren verzahnen

Thomas Kuhn begrüßt den Arbeitskreis Schule/Wirtschaft. Etwa 30 Vertreter aus den Bereichen Bildung und Unternehmen sind gekommen.
Thomas Kuhn begrüßt den Arbeitskreis Schule/Wirtschaft. Etwa 30 Vertreter aus den Bereichen Bildung und Unternehmen sind gekommen. © Foto: Laura Alviz
Schwäbisch Hall / LAURA ALVIZ 10.12.2015
Vertreter aus den Bereichen Bildung und Wirtschaft informieren sich über Chancen für Migranten im Schulsystem und auf dem Arbeitsmarkt. Vier Referenten teilen ihre Erfahrungen mit und regen zur Diskussion an.

Trotz der wiederholten Beteuerung, dass andere Migranten wegen des Flüchtlingsproblems nicht vergessen werden dürfen, dreht sich der Vortrag des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft vor Kurzem kaum um etwas anderes. Allgemeiner Konsens besteht darüber, dass das Erlernen der deutschen Sprache den wichtigsten Schritt der Integration darstellt, aber auf keinen Fall der einzige sein darf. Darüber hinaus stimmen alle Referenten darin überein, dass die staatlichen und privaten Institutionen miteinander und mit Ehrenamtlichen kooperieren müssen, um den Flüchtlingen zu helfen.

Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft bringt Lehrer und Vertreter von Unternehmen aus dem Landkreis an einen Tisch. Sie nehmen gemeinsam an Vorträgen und Podiumsdiskussionen teil und besuchen Firmen. Das aktuelle Jahresthema lautet "Gesellschaft im Wandel: zwischen Migration, Integration und Generation Y. Wie kann man alle Potentiale entfalten?".

Thomas Kuhn ist Direktor des Realschulzweigs der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West und Vorsitzender des Arbeitskreises von Seiten der Schule. Er findet den Termin in der Agentur für Arbeit wichtig, weil es beim Thema Migration viele Schnittmengen zwischen den Bereichen Bildung und Wirtschaft gibt. Werner Ehret, Personalleiter der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim und Vorsitzender des Arbeitskreises von Seiten der Wirtschaft, ist dieses Schuljahr zum ersten Mal dabei. Er löst Klaus Belzner ab, der ebenfalls von der Sparkasse kam. Ehret meint, dass junge Menschen davon profitieren, wenn Schule und Wirtschaft näher zusammenrücken. Unternehmen erführen, welche Anforderungen Schüler beispielsweise an einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum haben und Angebote könnten darauf zugeschnitten werden.

Martina Steinecke, Dezernatsleiterin im Landratsamt, referiert über die Steuerung der Migration in Schwäbisch Hall, wobei sie hauptsächlich von der Flüchtlingsunterbringung berichtet. Marliese Hanschke, Schulleiterin der Sibilla-Egen-Schule, erzählt vom Unterricht in den Vabo-Klassen (Vorqualifizierung Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen). Die Schüler dort seien äußerst lernwillig.

Axel Schmidt, Leiter des Kolping-Bildungszentrums, stimmt ihr zu. Er bedauert, dass Migranten nach dem Abschluss eines Sprachkurses, der ihnen nur Standardvokabular aus vertrauten Bereichen vermittelt, keine finanzielle Unterstützung für die Weiterbildung im Deutschen erhalten. Deutsch auf diesem Niveau reiche nicht für die Ausübung einer höherwertigen beruflichen Tätigkeit oder Ausbildung. Thekla Schlör, Vorsitzende der Agentur für Arbeit, hält es für essentiell, die vielfältigen Aufgaben zwischen den Akteuren zu verzahnen.

Thomas Kuhn zieht ein zuversichtliches Fazit. "An diesem Abend ist uns bewusst geworden, dass viele Institutionen etwas gemacht haben, ohne davor zu wissen, was die anderen tun. Dem können wir mit diesen neuen Erkenntnissen entgegensteuern." Werner Ehret hält die Veranstaltung für einen Erfolg. "Es waren viele Leute da und sie haben mit zahlreichen Rückfragen ihr Interesse bekundet."

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