Es ist kalt und karg am Freitagabend in der Braunsbacher Burgenlandhalle. Die Sanierung läuft derzeit noch. Das Szenario einer Baustelle, die am Abend zur Ruhe gekommen ist, passt irgendwie zu dem, weshalb mehr als 30 Menschen dort zusammengekommen sind zu einer Andacht dort, wo einst die jüdische Gemeinde ihre Andachten gefeiert hat. Auch der kleine Saal, der einst die Synagoge war, wird derzeit saniert. 2016 war es das Unwetter, das für die Schäden dort verantwortlich ist. Vor 80 Jahren waren es Nationalsozialisten, die in der Reichspogromnacht mit viel Gewalt die Einrichtung der jüdischen Gemeinde  zerstörten, sodass fortan dort keine Zusammenkunft mehr möglich war. An diesen Tag im November 1938 soll nun erneut erinnert werden.

Schwäbisch Hall

Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch zitiert aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Noch während Adolf Hitler auf dem Odeonsplatz in München bei einer Vereidigung von SS-Rekruten ist, werden dort jüdische Geschäfte und Kaufhäuser verwüstet. SA-Trupps verhaften willkürlich Juden. Etwa 400 Menschen werden laut Forschungen vom 7. bis 13. November getötet oder in den Selbstmord getrieben, über 1400 Synagogen, Betstuben und andere Versammlungräume zerstört.

Elisabeth M. Quirbach, Vorsitzende des Kulturvereins Rabbinat Braunsbach, liest aus einem Artikel, wie es den Juden im Kochertal ergangen ist. Aus Schwäbisch Hall sei bei der Polizei in Braunsbach ein Anruf eingegangen, dass die örtliche Synagoge in einer halben Stunde brennen werde. Der Diensthabende wehrte sich dagegen, habe erklärt, dass wegen der engen Bebauung andere Menschen Schaden nehmen könnten.

Schwäbisch Hall

Die Männer aus Schwäbisch Hall rückten trotzdem an – einer habe eine SS-Mütze getragen. „Krachen und Poltern“ habe man im ganzen Ort vernommen. Die Synagoge brannte zwar nicht, wurde aber im Inneren völlig zerstört. „Braunsbacher waren an der Aktion nicht beteiligt“, zitiert Quirbach aus dem Text. Aber auch dort habe es Verhaftungen gegeben.

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Schwäbisch Hall

Sie verurteilt, dass man heute wieder von antisemitischen Aktionen höre. „Es ist unsere Aufgabe, diesen Tendenzen entgegenzuwirken“, sagt Quirbach. Es sei auch an jedem, an die jüdischen Mitbürger an einem solchen Tag zu erinnern. Mit einem jüdischen Kulturweg erinnert ihr Verein an die Gläubigen im Ort. Er hat neun Schilder fertigen lassen, die an verschiedenen Stationen stehen. Auf rund drei Kilometern erfahren Interessierte – wie die Eröffnungsgäste an diesem Abend – mehr über die Geschichte.

Info Ein Flyer über den jüdischen Kulturweg wird demnächst im Braunsbacher Rathaus und im Rabbinatsmuseum ausgelegt. Außerdem informiert der Verein auf seiner Internetseite www.rabbinatsmuseum-braunsbach.de darüber.