Automatisierung Auf ein Bier im Bergdorf

Thomas Baier (Geschäftsführer und Gesellschafter) und Magnus Beroth (Programmierer) prüfen im Inneren des Schankroboter-Anhängers die Technik des Automaten.
Thomas Baier (Geschäftsführer und Gesellschafter) und Magnus Beroth (Programmierer) prüfen im Inneren des Schankroboter-Anhängers die Technik des Automaten. © Foto: just
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 16.12.2017

Thomas Baier ist Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der Baier Engineering GmbH. Eine Panoramascheibe gibt den Blick von seiner fast fertiggestellten Werkhalle in Sittenhardt frei auf Wald und Flur. An der Wand steht ein Holzofen. Weiteres Merkmal des neuen Domizils ist ein Tisch. Dessen 20 Zentimeter dicke Steinplatte wiegt mehrere Tonnen.

Schwergewichtig ist auch, was Thomas Baier mit seinen Mitarbeitern sowie mit Studierenden der Hochschule Aalen entwickelt hat: Ein Roboter, der Cocktails, Bier, Mineralwasser und andere Getränke mixen und ausschenken kann. Die Getränkearten, unterschiedliche Mengen sowie Mixverhältnisse lassen sich einprogrammieren und dann per Tastendruck abrufen.

Jede Minute ein Getränk

Der Durstige hält eine Wertkarte an ein Lesegerät und wählt an einer Tastatur aus, was er gerne trinken würde. Schon greift der Roboterarm des Herstellers Kuka nach einem Plastikbecher und führt diesen an einen oder unterschiedliche Zapfhähne. Nachdem der Becher befüllt ist – der Vorgang dauert insgesamt etwa eine Minute –, wird er abgestellt, eine Scheibe öffnet sich und das Getränk kann entnommen werden. Für Jungen und Mädchen gibt es Kinderkarten, mit denen sich nur antialkoholische Getränke bestellen lassen.

Untergebracht ist diese Technik in einem Wagen. Dieser kann an ein Auto angehängt werden. Jeder Schritt, den der Roboter hinter der Verglasung macht, kann von außen beobachtet werden. Um die Sicherheit zu gewährleisten, kann jedoch nicht in den abschirmten Wagen gegriffen werden.

Was spricht für den Standort Sittenhardt? Thomas Baier, der alles in allem 15 Mitarbeiter beschäftigt, lächelt und denkt eine ganze Weile nach. Er ist in dem Dorf, das hoch über dem Rottal liegt, aufgewachsen. „Es ist die Heimatnähe und der hohe Erholungswert“, sagt der Ingenieur. Er räumt ein, dass sein Betrieb ziemlich weit weg vom Schuss ist, das spiele jedoch keine Rolle. „Wir brauchen nicht die Nähe zu einer großen Straße. Wir haben weder große Zu- noch Ablieferungen noch brauchen wir mehr Aufmerksamkeit.“

„Schnapsidee“ umgesetzt

Die Idee, einen Roboter so zu programmieren, der er eine Halbe Bier genauso einschenken kann wie Bacardi-Rum oder Whiskey-Cola, kam dem Baier-Team vor drei Jahren. „Doch wir haben dieses Vorhaben lange stiefmütterlich behandelt“, räumt Thomas Baier ein. Schließlich wurde die „Schnapsidee“ doch umgesetzt. Rund 150 000 Euro hat die Entwicklung des Prototyps gekostet. Geplant war zunächst, ihn für öffentliche Feste zu vermieten. „Aber wir wissen nicht, was dort nachts passiert“, sagt Thomas Baier. Deshalb steht der Anhänger mit der Roboter-Schänke künftig eher bei Messen sowie Feiern von Kunden.

Getränkeroboter sind keineswegs das Alltagsgeschäft der Baier Engineering GmbH. Meist richtet das Unternehmen Industrieautomaten ein, damit Kunden damit ihre CNC-Maschinen be- und entladen können oder um Säcke zu palettieren. „Die Roboter kommen ohne Intelligenz zu uns. Wir programmieren und richten sie dann auf die Kundenwünsche ein“, erklärt Thomas Baier. Jährlich nimmt Baier etwa 100 Roboter in Betrieb. Diese kommen hauptsächlich von den Herstellern Kuka, UR und Fanuc.

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