Bühlerzell Auf die nächsten 40 Jahre Partnerschaft

Bühlerzell / Sigrid Bauer 26.06.2018
Bühlerzell und seine Gäste aus St. Koloman zeigen, wie lebendig ein Austausch zwischen Gemeinden aussehen kann.

Ich war schon mal als Kind mit meinen Eltern hier in Bühlerzell“, berichtet Anna-Maria Wallinger aus St. Koloman. Das verwundert nicht, denn ihr Vater ist bei der Feuerwehr, heute ist er Kommandant. Die beiden Wehren waren anfangs die treibende Kraft für die schwäbisch-Salzburger Freundschaft. Bei ihrem zweiten Besuch zum 40-jährigen Bestehen der Partnerschaft ist die junge Frau eine der hübschen Marketenderinnen, die die Feuerwehrkameraden – und nicht nur sie – mit Hochprozentigem versorgen.

Am Samstagmittag haben die Bühlerzeller die Gäste aus St. Koloman begeisternd und überaus herzlich empfangen. Beim offiziellen Festakt, der mit einem Marsch der Musikvereine und der beiden freiwilligen Feuerwehren von der Rudolf-Mühleck-Halle zum Rathaus beginnt, könnte man fast meinen, das halbe Dorf sei auf den Beinen.

Strahlen im Gesicht

Bürgermeister Thomas Botschek freut sich sichtlich über das große Interesse der Bühlerzeller. Gut gelaunt berichtet er in seiner Rede von seinen ersten indirekten Erfahrungen mit der Partnergemeinde: Als er vor der Bürgermeisterwahl letztes Jahr das Gespräch mit den Bühlerzellern suchte, hätten die Leute immer ein Strahlen im Gesicht gehabt, wenn er St. Koloman erwähnte. „Inzwischen weiß ich, warum“, sagt er und strahlt selber.

In Bühlerzell würden sogar schon die Kindergartenkinder die Gemeinde im Salzburger Land kennen. Das stellen sie mit einem extra für die Gäste umgetexteten Lied unter Beweis. Mit ihren hellen Stimmen setzen die fähnchenschwingenden Kinder einen erfrischenden Kontrapunkt zur Blasmusik der Musik- und Trachtenkapellen.

Botscheks Amtskollege Willi Wallinger ist es ein Anliegen, die Anfänge der Freundschaft korrekt darzustellen. Botschek habe in seinem Rückblick etwas vergessen, betont er. Denn beinahe hätte sich die Partnerschaft zwischen Bühlerzell und einer Nachbargemeinde von St. Koloman entwickelt, aber eben nur beinahe. „Denn in unserem Wirtshaus hatten wir die fescheren Kellnerinnen“, klärt Wallinger das Publikum auf.

Das hat den Ausschlag gegeben, dass die drei jungen Burschen aus Bühlerzell, die es 1960 auf einer Fahrt ins Blaue ins Salzburger Land verschlug, die Verbindung zu St. Koloman nicht mehr abreißen ließen. Übrigens: Zwei der drei inzwischen älteren Herren genießen das Fest, das ohne sie nie zustande gekommen wäre: Siegfried Wied sen. und Hermann Rupp.

Als Gastgeschenk hat Wallinger eine Baumscheibe einer besonderen Eiche dabei. Sie wurde 1898 zu Ehren des damaligen österreichischen Kaisers in St. Koloman gepflanzt und 2016 bei einem Sturm entwurzelt. „Als Symbol, dass die Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden jeden Sturm überstehen wird“, erklärt er.

Die Partnerschaft zwischen Bühlerzell und St. Koloman hat gute Chancen auf mindestens weitere 40 Jahre. Denn auch die junge Generation aus beiden Gemeinden ist bei den Feierlichkeiten gut vertreten. Sie hat Ausdauer, und die Chemie zwischen den jungen Bühlerzellern und den Österreichern, die zum Teil das erste Mal in Bühlerzell sind, scheint zu stimmen. Bis morgens um fünf vergnügen sie – aber auch die Älteren – sich im Garten an der Rudolf-Mühleck-Halle.

Trotzdem ist die Bühlerzeller Kirche zum ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen sehr gut besucht. Sowohl Pfarrer Rolf Kurz wie auch seine evangelische Kollegin Andrea Sturm-Masanek mahnen, Freundschaft auch denen zu gewähren, die weniger Gemeinsamkeiten mit uns haben als die Bürger der beiden Partnergemeinden.

Bratenduft lockt die Besucher

Appetitlich duftet es den Gottesdienstbesuchern nach der Kirche aus Richtung des Festgartens entgegen: Schweinebraten, Bratwurst, Schwäbischer Kartoffelsalat – das scheint nicht nur den Einheimischen zu schmecken, auch die Gäste aus St. Koloman langen kräftig zu. Der Männergesangverein Frohsinn Bühlerzell übernimmt im Rahmen seines Sommerfests die Bewirtung. Zusammen mit der Feuerwehr und weiteren zahlreichen Helfern haben sie alle Hände voll zu tun. „Das sind alles eingespielte und routinierte Teams“, stellt Martin Kohnle, Vorsitzender der Sänger, fest. „Seit ein paar Jahren hilft die Feuerwehr uns und wir helfen ihnen bei größeren Festen. Zum Beispiel letztes Jahr bei der Einweihung des neuen Feuerwehrmagazins und heute eben umgekehrt. Da sind wir gut in Übung, auch durch den Fasching“, sagt er. Er freut sich über die tolle Stimmung.

Überall lachende und fröhliche Gesichter. Man merkt: Viele Menschen aus Bühlerzell und St. Koloman sehen sich nicht zum ersten Mal, der Gesprächsstoff scheint nicht auszugehen. Zur freundschaftlichen, lockeren Atmosphäre tragen viele bei. Etwa die Grundschulkinder aus Bühlerzell und Geifertshofen, die unter der Leitung von Claudia Manske ganz und gar auswendig lustige Urwaldlieder präsentieren. „Die vier Paare der Brauchtumsgruppe St. Koloman sind bestimmt noch ziemlich übermüdet“, meint Kohnle bei deren Auftritt. Aber ihre Tänze beherrschen die Madel im Dirndl und die Burschen in der Lederhosn aus dem Effeff. Applaus und Pfiffe sind ihnen sicher.

Spaß an schwäbischen Liedern

Thomas Botschek stellt seinen „Weinchor“ aus der Ries-Ipf-Region vor: „Gestandene und wohl beleibte Männer mit Spaß an seichten, schwäbischen Liedern“. Unterhaltsam und humorig sind sie allemal. Ambitioniert ist der Vortrag des Männergesangvereins mit Eduard Wacker als Chorleiter. Etwas schade, dass ihnen das Publikum vor lauter Gesprächen und Gelächter nicht mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Zum Abschied versichern sich die Bühlerzeller und die Gäste aus St. Koloman gegenseitig, wie schön und gelungen das Jubiläumsfest war. Und das ist sicher keine höfliche Floskel, sondern kommt von ganzem Herzen.

Ehrungen zum 40. Geburtstag der Gemeindepartnerschaft

Andreas Lindenthaler aus St. Koloman erhielt aus der Hand von Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek die goldene Verdienstmedaille des Internationalen Musikbundes CISM für seinen 20-jährigen Einsatz für die Freundschaft mit Bühlerzell.

Die EU-Abgeordnete der CDU, Inge Gräßle, zeichnete den früheren Bürgermeister Franz Rechtenbacher, seinen früheren Amtskollegen Christian Struber und den jetzigen Bürgermeister von St. Koloman, Willi Wallinger, mit der CDU-Ehrenmedaille aus. Sie würdigte damit das Engagement für die europäische Einigung.

Alfred Fetzer, Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender, ehrte Günther Wallinger und Josef Lindenthaler aus St. Koloman für ihre Verdienste um die Partnerschaft zwischen den Wehren der beiden Gemeinden mit der bronzenen Medaille für internationale Zusammenarbeit des deutschen Feuerwehrverbands.

Rupert Siller, Ehrenkommandant der Feuerwehr St. Koloman, Josef Struber und Leo Rehrl waren bei unzähligen Begegnungen der beiden Wehren dabei und tragen unter anderem das bronzene, das silberne und das goldene Leistungsabzeichen des Landes Baden-­Württemberg. Den drei Männern übergab Alfred Fetzer die Medaille für internationale Zusammenarbeit in Silber. siba

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