Reformation Auf der Spur von Symbolen der Reformation in St. Michael und in der Johanniterkirche

Der Dreikönigsaltar in St. Michael in Schwäbisch Hall
Der Dreikönigsaltar in St. Michael in Schwäbisch Hall © Foto: Jürgen Weller
Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 02.11.2014
Die evangelische Kirche hat am Freitag quasi Geburtstag gefeiert: Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben. Dieses Datum markiert seit fast 500 Jahren den Beginn der Abnabelung von der katholischen Kirche. Und Zeugnisse jener „neuen“ Gedanken finden sich auch in der Haller Michaelskirche – immerhin war sie einst als katholische Kirche erbaut worden.
Der kunstfreundlichen Haltung des Haller Reformators Johannes Brenz (1499-1570) ist es zu verdanken, dass der reformatorische Bildersturm in Hall ausblieb. Unter dem Motto „Akzente der Reformation“ führt Christoph Baisch, evangelischer Pfarrer der Innenstadtgemeinde, am Reformationstag rund 70 Gäste durch die Haller Michaelskirche. Es ist ein Weg der Entdeckungen, den Andreas Knoblich mit dem Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ an der Orgel musikalisch einrahmt. Los geht es auf der Empore, „die ist auch ein Zeichen der Reformation“, erklärt Baisch. Denn mit der Reformation rückte die Predigt in den Mittelpunkt, die Nachfrage nach Sitzplätzen in der Kirche stieg. Die habe etwa 60 Jahre nach der Reformation zum Einbau der Emporen in St. Michael geführt, erklärt Baisch.

Auf dem Epitaph (Grabdenkmal) an der Nordseite des Kirchenschiffs, das an Philipp Büschler erinnert, ist allerdings Johannes Brenz abgebildet ist. Büschler hatte Brenz 1548 rechtzeitig gewarnt, dass er aus Hall fliehen konnte, berichtet Baisch.

Vor dem heute in einer Nische auf der Südseite stehenden Dreikönigsaltar soll Johannes Brenz 1526 zum ersten Mal das Abendmahl in evangelischer Form ausgeteilt haben – Brot und Wein. Jener Altar huldigt allerlei Heiligen, „Brenz hätte durchaus Grund gehabt, den Altar für ersetzungsbedürftig zu halten“, sagt Pfarrer Baisch. Doch er tat es nicht. Der Altar wurde 1617 reformatorisch überarbeitet, indem er mit einem biblischen Kernsatz der Reformation versehen wurde, der den Glauben allein in den Mittelpunkt stellt.

Ähnlich wurde auch der von 1460 aus Antwerpen stammende Hochaltar, ursprünglich ein Marienaltar, in St. Michael „reformiert“ – und mit Bibelzitaten versehen. Altes wurde einfach weiter benutzt, so auch der 1516 gestiftete, mit Heiligendarstellungen verzierte Abendmahlskelch – der immer noch benutzte „Brenzkelch“.
Obwohl auf der anderen Kocherseite die Johanniterkirche seit fast 200 Jahren nicht mehr als Sakralraum fungiert, beherbergt sie mit den Alten Meistern der Sammlung Würth doch eine Vielzahl von Werken religiöser Kunst. Dort werden bei einer Führung am Samstag mit Martin Luther und Philipp Melanchthon große Namen der Reformation auch als berühmte Motive in der Porträtmalerei Lucas Cranachs des Älteren vorgestellt.

Cranach und Luther waren freundschaftlich verbunden, sie waren gegenseitig Taufpaten bei ihren Kindern, und Cranach war der erste, der Luther überhaupt porträtierte. In seinen Porträts spiegelt sich auch die Biographie Luthers wider: vom asketischen Mönch über den Gelehrten und den bärtigen Junker Jörg bis zum Ehemann mit Barett und im Doppelporträt mit Katharina von Bora als Begründer des evangelischen Pfarrhauses.
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