Feuer A6-Unfall: Brennende Reifenteile entzünden Feld

Ilshofen/Wolpertshausen / ´Norbert Acker 03.07.2018
Auf der A 6 gerät am Montagnachmittag ein LKW-Anhänger in Brand. Die Folgen: ein Flächenbrand bei Ilshofen, Vollsperrung der Autobahn und ein stundenlanger Stau.

Kurz nachdem ein Schwerlastzug am Montagnachmittag um 14.30 Uhr an der Anschlussstelle Ilshofen-Wolpertshausen auf die A 6 aufgefahren ist, ist es zu einem Defekt an einem der Reifen des Aufliegers des Sattelzugs gekommen. „Ich habe einen Knall gehört“, erinnert sich der Fahrer, während er am späten Nachmittag auf die Bergung wartet. Auf Höhe Ilshofen hat er seinen  Zug angehalten. Dabei habe der Fahrer seines Begleitfahrzeugs festgestellt, dass ein defekter Reifen Feuer gefangen hatte. „Ich habe dann den Zug direkt wieder in Bewegung gesetzt, um das Feuer zu ersticken“, so der Lkw-Fahrer. Weit ist er nicht gekommen: Rund 400 Meter vor der Ausfahrt Kirchberg musste er sein Fahrzeug endgültig anhalten. Das Feuer hatte den Auflieger erreicht, ebenso die darauf transportierte Fertiggarage. Dem Lkw-Fahrer ist es noch gelungen, die Zugmaschine vom Anhänger zu trennen und außerhalb des Gefahrenbereichs abzustellen. Die Feuerwehr war da schon alarmiert und auf dem Weg.

Angrenzenden Wald gerettet

Funken des in Brand geratenen Reifens hatten zu diesem Zeitpunkt schon ein an die Autobahn angrenzendes Getreidefeld entzündet. Es entwickelte sich ein ausgewachsener Flächenbrand, der auf ein angrenzendes Waldstück überzugreifen drohte. „Das konnten wir zum Glück verhindern“, sagt ein Ilshofener Feuerwehrmann, während seine Kameraden am Autobahnrand weiteres Wasser auf kokelnde Grasstücke pumpen. Das schon abgeerntete Feld musste nach dem Ablöschen komplett umgepflügt werden. Im Einsatz waren rund 65 Feuerwehrleute mit acht Fahrzeugen der Feuerwehren aus Ilshofen, Wolpertshausen und Schwäbisch Hall. Die Crailsheimer Wehr war ebenfalls alarmiert worden, sie konnte aber umdrehen, weil die Kräfte ausgereicht haben. Auch den Brand des Aufliegers hatte die Feuerwehr schnell im Griff. Dort, wo er zum Stehen gekommen ist, konnte ein Übergreifen auf das trockene Gras am Rand ebenfalls verhindert werden.

Anhänger unter Hochspannungsleitung

Aufgrund des Ausmaßes des Einsatzes musste die Autobahn zwischen Ilshofen-Wolpertshausen und Kirchberg voll gesperrt werden. Der Verkehr staute sich über Stunden. Auch auf den Umleitungsstrecken ging es nur langsam voran. Besonders problematisch hat sich die Bergung des Aufliegers gestaltet. Er ist nämlich unter einer Hochspannungsleitung zum Stehen gekommen. „Momentan ist unklar, ob diese Leitung durch die entstandene Hitze Schaden genommen hat“, teilt die Polizei am späten Montagnachmittag mit. Der Lkw-Fahrer musste erst einmal den Auflieger wieder ankoppeln, um ihn ein paar Meter vorzuziehen. Ansonsten hätte der Kran des Bergungsfahrzeugs nicht hoch genug ausgefahren werden können. „Das wird was dauern“, war dann auch die ernüchternde Prognose eines Mitarbeiters des Bergungsunternehmens.

Währenddessen haben Beamte der Verkehrspolizeidirektion Kirchberg begonnen, den sich aufgestauten Verkehr langsam auf einer Spur abfließen zu lassen – die Vollsperrung war aber noch nicht aufgehoben. Mit einem Klemmbrett steht einer der Polizisten auf der Fahrbahn und beobachtet die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Verkehrszählung? „Nein, ich notiere Kennzeichen von Autos, aus denen Videos gemacht werden“, sagt er. „Das hält hier doch alles auf.“ Dem Reporter ist zuvor sogar die Videoaufnahme des brennenden Feldes angeboten worden. Als der Anbieter erfährt, dass es sich beim Berichterstatter nicht um einen Vertreter einer großen Boulevardzeitung handelt, geht er wieder.

Humor hilft beim Warten

Die meisten Leute im Stau nehmen es gelassen. Ein Lkw-Fahrer macht ein Schläfchen am Autobahnrand im Schatten, manche machen Dehnübungen, andere gehen ein paar Meter. Es wird viel telefoniert und im Smartphone nach Informationen über den langen und unfreiwilligen Stopp gesucht. In einigen Pferdeanhängern sind die Türen geöffnet, damit die Tiere besser Luft kriegen. „Bei uns geht das leider nicht“, sagt eine Pferdebesitzerin aus Bayern mit Bedauern. „Wir haben einen jungen Hengst dabei. Wenn der abhaut, haben wir noch ein entlaufenes Pferd auf der Autobahn.“ Ein paar Meter weiter steht eine Frau auf der Fahrbahn und unterhält sich mit einer Stauleidensgenossin. „Da sehen die Leute wenigstens mal was von der schönen Hohenloher Landschaft“, sagt sie und lacht.

Rettungsgasse klappt nicht

Gar nicht zu lachen findet hingegen die Feuerwehr etwas anderes. „Das mit der Rettungsgasse hat ja mal wieder nicht so doll geklappt“, sagt der Fahrer eines Einsatzfahrzeugs, bevor er abrückt. Und tatsächlich: Ohne Blaulicht und Martinshorn war an manchen Stellen kein Durchkommen für die Einsatzkräfte. Auch das Abschleppfahrzeug musste mit Feuerwehreskorte an den Einsatzort gebracht werden. Als die Autos dann am Rand stehen, war sie dann da, die Rettungsgasse. Aber eben erst nachdem energisch auf ihre Bildung aufmerksam gemacht werden musste.

195.000 Euro Sachschaden, stundenlange Sperrung

Die Autobahn musste bis 20.30 Uhr voll gesperrt werden. Insgesamt seien rund 195.000 Euro Sachschaden entstanden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Summe verteilt sich auf 160.000 Euro Schaden an dem Sattelauflieger, 15.000 Euro an der Fertiggarage, etwa 10.000 Euro am abgebrannten Getreidefeld. An der Straße sind etwa 5000 Euro Schaden entstanden und um die 5000 Euro an einem nachfolgenden Auto, der durch die brennenden Reifenteile beschädigt wurde.

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