"Der Bürgermeister von Ondangwa hat mich spontan angerufen und mir freudig gratuliert, als Deutschland Fußball-Weltmeister geworden ist", sagt Hermann-Josef Pelgrim in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats. Eine persönliche Geste und der Oberbürgermeister macht weiter deutlich, dass es bereits mehrfach wechselseitige Begegnungen gab und mittlerweile mehr dahintersteckt.

Im Juni 2012 war eine Delegation aus Namibia in Hall, im März 2014 besuchten Haller mehrere Städte in Namibia und Mitte April 2014 kam der Bürgermeister Ondangwas für einige Tage in die Kocherstadt. Dabei unterzeichneten Leonard Sunday Negonga und Hermann-Josef Pelgrim eine unverbindliche Absichtserklärung, um die Verbindung zwischen beiden Städten zu vertiefen. Das soll in den nächsten Jahren über den "zarten Weg der Projektpartnerschaft gehen", denn für eine formale, siebte Städtepartnerschaft sei es viel zu früh.

Die Kreisstadt Ondangwa in der Region Oshana mit rund 21100 Einwohnern verfüge über etwas Infrastruktur (Polizei, Schul- und Gesundheitseinrichtungen, Flughafen) sei überwiegend landwirtschaftlich geprägt, wachse schnell.

Insbesondere das rasante Bevölkerungswachstum stelle eine besondere Herausforderung dar, lasse eine Partnerschaft vor allem im Bildungsbereich als sinnvoll erscheien. Weitere Potenziale für eine Zusammenarbeit gebe es unter anderem in Bereichen wie Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Abfallmanagement und Stadtplanung. Weitere Vorschläge für Städtepartnerschaften mit Burundi, Ghana oder Sudan sollten vor allem wegen unsicherer Lagen nicht verfolgt werden.

Wie positionieren sich die Fraktionen? Ludger Graf von Westerholt (CDU) macht darauf aufmerksam, dass es ein Budget brauche. "Afrika verdient es, den Blick darauf zu richten. Es macht Sinn über Projekte eine Partnerschaft zu entwickeln, ein Prozess, der Zeit braucht", sagt Helmut Kaiser (SPD). Nikolaos Sakellariou (SPD) freut sich über die öffentliche Debatte, sieht diese als Startschuss für eine Diskussion mit den Menschen in Hall. Er hebt hervor, dass auch anders herum die Kocherstadt viel von der Stadt in Afrika, von den Menschen lernen könne. Joachim Härtig (Bündnis 90/Die Grünen) plädiert dafür, zu schauen, welche Projekte im Bereich der Bildung es bereits gebe und regt eine weitere öffentliche Diskussion an. "Wir werden den Prozess wie vorgeschlagen begleiten", sagt Friedrich Waller (FWV). Kristian Neidhardt (FDP) warnt davor, in großem Maße und auf der Promiebene einzusteigen, sondern da weiterzumachen, wo es bereits persönliche Verbindungen gebe. Wie geht es weiter? Pelgrim nennt als Stichwort "Senior Expert Service". Dabei werde ein Fachmann für einige Wochen nach Namibia, nach Ondangwa geschickt, fliege hin, um sinnvolle Projekte zu identifizieren, mehr Tiefe reinzubringen. Zudem ergebe es Sinn, eine Kooperation mit der Waldorfschule in Windhuk voranzubringen, um beispielsweise den Austausch von Lehrern und Schülern, das Ausbildungswesen in Ondangwa zu unterstützen. Als mögliche Partner sieht der OB die beruflichen Schulen, die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an den Schulen Comburg und das Goethe-Institut.

Kommentar: Wechselseitige Bereicherung