Schwäbisch Hall Bald werden Mauerreste untersucht

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 26.04.2018
Das Landesamt für Denkmalpflege gräbt im Juni auf dem Haalplatz einen Meter tief in die Erde.

In bis zu einem Meter Tiefe unter dem Haalplatz vermutet das Landesamt für Denkmalpflege Mauerreste. Die könnten von Gebäuden stammen, die nach dem Stadtbrand 1728 dort errichtet wurden. Es sei schon interessant, ob sich die Mauerreste aus den Jahren nach 1728 auf noch älteren Sockeln befinden, berichtet Dr. Jonathan Scheschkewitz, Archäologie-Gebietsreferent des Landesamtes Denkmalpflege.

Keltische Spuren

„Es werden dann Sondagen gemacht in einem Gebiet, das in jüngerer Zeit aufgefüllt worden ist“, berichtet er. Daher sei nicht mit sensationellen Funden zu rechnen. Diese Mauerreste würden auch nicht der sanfteren Umgestaltung des Haalplatzes, so wie sie derzeit im Gespräch ist, entgegenstehen. „Wir stehen dabei in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung.“ Der Bereich bis einen Meter unter der Haalplatz­oberfläche sei wohl unbedenklich.

Anders wäre es beim Bau einer Tiefgarage oder zumindest eines Parkdecks unter der Erde, was von der Stadtverwaltung noch vor wenigen Jahren verfolgt wurde. „Wir geben dem Haalplatz aus archäologischer Sicht eine hohe Bedeutung“, sagt Scheschkewitz. „Schwäbisch Hall ist der einzige Ort in Süddeutschland, wo vorgeschichtliche Salzgewinnung nachgewiesen werden konnte“, steht zum Beispiel im Buch „Salz- und Salzgewinnung im nördlichen Baden-Württemberg“.

Die Denkmalschützer halten es für gesichert, dass man auf Reste der alten Salzgewinnung unter der Oberfläche des Haalplatzes stößt. „Im Jahr 1521 wurde der Salzbrunnen verändert. Es tauchten Holztröge und Becken aus früheren Jahren zu Tage“, zitiert Scheschkewitz aus schriftlichen Quellen. Eine Bohrung im Jahr 1996 bis in eine Tiefe von 4,60 Meter habe im südlichen Teil des Platzes Interessantes zutage gebracht: Mit der Radiokohlenstoffdatierung konnten Holzteile auf die Jahre 990 bis 1160 nach Christus datiert werden. In tieferen Schichten unter dem Haalplatz, also tiefer als einen Meter, gebe es einen Feuchtboden. Der sei geradezu perfekt für eine Konservierung der Zeugnisse.

Während der heutige Mensch alles eben und glatt haben will, konnte der Kelte auf diese Bodenmodellierung nicht so viel Zeit verwenden. Der Haalplatz war einst „reliefartiger“, als er es heute ist, versichert Scheschkewitz. Von der Vorstellung, dass man ebene Schichten vorfindet, die genau zu den jeweiligen Kulturen der vergangenen Jahrhunderte passen, müsse man sich verabschieden. Der Haalplatz sei mehrmals aufgeschüttet, das Flussniveau mehrfach verändert worden. Wo man was aus welcher Zeit entdeckt, sei schwer vorherzusagen. Ein Gutachten, das nicht öffentlich ist, wurde erstellt.

Die bisherigen Befunde sind der Haller Stadtverwaltung bekannt. „Eingriffe in die Tiefe würden nach Einschätzung der Fachbehörde vermutlich langwierig und kostspielig, wenn sie überhaupt möglich wären“, sagt Baubürgermeister Peter Klink im Zeitungsinterview. Von einer Tiefgarage mit einem Parkdeck spricht keiner mehr. Die hätte noch einen zweiten Zweck erfüllt: Die Autos hätten den Haalplatz unterirdisch passieren können.

Soll man die Überreste nun ausgraben?  „Nein“, sagt Scheschkewitz. „Wir sind der Auffassung: Es sollte alles, so wie es ist, im Boden bleiben.“ Organisches Material zu konservieren, sei extrem teuer und aufwendig. Das gehe nicht vor Ort. Eine Art Schausiedestelle der Kelten einzurichten, sei eine Illusion. Der Boden unter dem Haalplatz diene als Archiv für spätere Forscher, die nach Ansicht des Landesamts mit besseren Methoden Zeugnisse der frühen Wirtschaftsgeschichte entdecken dürfen.

Funde im Museum in Hall zu sehen

In keltischer Zeit wurde beim Sparkassenplatz und beim Hafenmarkt Salz gewonnen, berichtet Archäologe Alois Schneider. Der Nachweis dieser Produktionsstätte gelang 1939/40, als Emil Kost in der Baugrube für die heutige Sparkasse (Hafenmarkt 1) unter einer etwa fünf Meter mächtigen Kulturschicht die hölzerne Einfassung der Solequelle selbst und technische Einrichtungen zur damaligen Salzherstellung dokumentieren konnte. Neben Bruchstücken von Keramikgefäßen hat man hier über 1500 Fragmente geborgen, die mit der Salzgewinnung in Zusammenhang stehen, darunter in großer Zahl Briquetagetiegel oder Stützelemente aus Ton.

Quelle: Vortrag von Alois Schneider, Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz im Ruhestand auf www.­buergerforum-sha.de