Sanierung Auf 3,5 Hektar baut das Landwirtschaftsamt rund 200 verschiedenen Sorten Feldfrüchte an. Mehr als 200 Bauern informieren sich.

Vellberg / Elisabeth Schweikert 20.06.2018

Wer die Großaltdorfer Kirche betritt, dem schlägt als Erstes ein etwas muffiger Geruch entgegen. Wovon der stammt, wisse man nicht, sagt Pfarrer Hans-Gerhard Hammer. Der zweite Eindruck: Alles ist abgewohnt, die Teppiche abgetreten, die Wände grau und stumpf von Kerzenruß und Staub. Nur die Farben der Buntglasfenster leuchten und tauchen das Kirchenschiff in warmes Licht. Der dritte Eindruck: Dieses Haus wird rege genutzt – gleich nach dem Portal trifft der Besucher auf eine Musikanlage auf der einen Seite, auf Schränke mit Teeverkauf auf der anderen Seite. Die Stühle und Kirchenbänke wirken, als seien eben Besucher aufgestanden und kurz weggegangen.

Über Berg und Tal

Auch im Gespräch kommt Hans-Gerhard Hammer immer wieder auf die vielfältigen Aktionen verschiedenster Gruppen zurück, die in der Kirche stattfinden – das bewegt ihn stärker als das Thema Restauration. Ihn plagt die Sorge, dass die geplante Zusammenlegung mit der Kirchengemeinde Reinsberg das Leben in der Kirchengemeinde dämpft. Kirchenpfleger Roland Rössler stimmt Pfarrer Hammer zu und sagt: „Berg und Tal liegen zwischen Großaltdorf und Reinsberg.“ Wenn sich die Kirchenbesucher erst ins Auto setzen müssen, um zum Gottesdienst oder zu Veranstaltungen zu kommen, bröckele es bald. Er fürchtet ein Zerbröseln der in den vergangenen Jahrzehnten gewachsenen Strukturen und des Engagements, wenn erst mal kein eigener Pfarrer mehr in der Gemeinde ist. „Es wird auch nicht funktionieren, selbst wenn sich der Kirchengemeinderat über die Maßen einbringt.“ Auch wenn laut Pfarrplan in wenigen Jahren die Großaltdorfer Gläubigen vom Reinsberger Pfarrhaus aus betreut werden sollen, soll nun die Bartholomäuskirche in Großaltdorf auf Vordermann gebracht werden. Dies ist überfällig, wie auf den ersten Blick zu sehen ist. Seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg sei in der Kirche nichts saniert worden, berichtet Hans-Gerhard Hammer. Die Elektrik muss erneuert, die Heizung ausgetauscht werden. Die Fenster müssen abgedichtet und neu gestrichen, die Innenwände saniert werden.

Erste Kostenschätzungen beliefen sich auf 320 000 Euro, doch bei genauem Hinsehen zeigte sich, dass diese Summe nicht ausreicht. Jetzt belaufen sich die Gesamtkosten inzwischen auf mehr als 500 000 Euro.

Neue Form für die Leinwand

Dem Kirchengemeinderat ist es ein Anliegen, das Gebäude für die derzeit stark musikalisch ausgerichtete Nutzung einzurichten. Derzeit proben dort Chöre, Die Gottesdienste werden mit Musik und Bildpräsentationen über einen Beamer auf eine Landwand gestaltet. Und nicht zuletzt treffen sich im rückwärtigen Raum die Gottesdienstbesucher beispielsweise zum Fair-Trade-Verkauf und zu Gesprächen. Deshalb sollen Schränke für die Musikanlage geschaffen werden, es soll eine Lösung für die Leinwand an der Altarseite gefunden werden. Und nicht zuletzt sollen die beiden letzten Bankreihen entfernt werden, damit der Aufenthaltsraum größer wird.

Gemeindefest: Pfarrer Hammer in Münzgeld

Zum Gemeindefest  der Gesamtkirchengemeinde Großaltdorf/Lorenzenzimmern am Sonntag, 24. Juni, reist auch eine Delegation der Partnergemeinde aus Ramsla/Thüringen an. Auch Christine Lieberknecht, ehemalige Ministerpräsidentin in Thüringen, ist mit dabei – sie ist Gemeindepfarrerin in Ramsla und hat vor einem Jahr Großaltdorf besucht. Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Ab 11.30 Uhr bewirten die Familie Frank und die Landfrauen. Ab 12.30 Uhr wartet auf die Besucher ein buntes Programm.

In der Kirche stellen  der Frauenkreis, die Eine-Welt-Initiative sowie die ehemalige Partnergemeinde aus. Dort gibt es auch Infomaterial zur Kirchenrenovierung. Mit „musikalischen Feinheiten“  warten der Männergesangverein Lorenzenzimmern, der Großaltdorfer Kinderchor und das Akkordeonteam aus Ramsla und Großaltdorf auf, berichtet Pfarrer Hammer. Und zwischen diesen Beiträgen soll Hans-Gerhard Hammer zugunsten der Kirchenrenovierung in Münzgeld aufgewogen werden. Der Sieger dieser Aktion wird mittels Ziehung gegen 15.30 Uhr ermittelt, ebenso ein zweiter und dritter Preis. Gegen 16 Uhr endet das Programm.

Geschichte Die erste Kirche in Großaltdorf ist um 1285 gebaut worden. Sie war zunächst St. Michael geweiht. Der heute verputzte Kirchturm, ehemals Chorturm, stammt noch aus der Zeit der Romanik. 1835 wurde das neue Kirchenschiff als Quersaal an den alten Kirchturm errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche großteils zerstört; beim Wiederaufbau halfen Bürger mit.

Die Kosten betragen insgesamt rund 520 000 Euro. Rund 251 500 Euro steuert die Kirchengemeinde bei. Von der Landeskirche gibt es einen Zuschuss von 117 000 Euro und der Kirchenbezirk fördert mit 51 350 Euro. sel

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