Im ganzen Landkreis sind die Kommunen zurzeit damit beschäftigt, Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. Fast jede Gemeinde hat mittlerweile Flüchtlinge untergebracht oder bereitet dies vor. Meistens werden die Menschen wohlwollend aufgenommen. Allerorten gründen sich Freundeskreise, Privatpersonen und Kirchengemeinden engagieren sich.

Doch gibt es auch Personen, die sich gestört fühlen. Auf Facebook lassen sich Einträge finden, in deaufnahmestelle (LEA)nen übelst die geplante Landeserst in Schwäbisch Hall kommentiert wird. Beispiel dafür ist auch ein Brief an Landrat Gerhard Bauer, der dieser Zeitung vorliegt, in dem scharf die Unterbringung von 13 Asylbewerbern in einem wohlhabenden Wohngebiet in Schwäbisch Hall kritisiert wird (siehe auch Seite 9). Der Ton des Schreibens ist harsch, so ist in einem Absatz nicht von Menschen, sondern von "Gestalten" die Rede, die dort "angetroffen" würden. Der Verfasser wettert gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und spart nicht mit Kritik an der Landkreisverwaltung. Landrat Gerhard Bauer hat das Schreiben beantwortet und sich dabei auch für die "menschenwürdige Unterbringen" der Asylsuchenden ausgesprochen. Er wundere sich über Inhalt und Wortwahl des Schreibens.

Symptomatisch für die Stimmung im Landkreis scheint dies nicht zu sein. "Wenn Beschwerden eingehen, dann meist telefonisch. Wir führen da aber keine Statistik. Wir versuchen die Probleme so weit wie möglich vor Ort zu lösen", sagt Steffen Baumgartner vom Landratsamt auf Nachfrage dieser Zeitung. Das Landratsamt als untere Aufnahmebehörde ist für die Unterbringung von neuen Flüchtlingen zuständig. Es habe auch schon Beschwerden wegen Lärm oder Müll gegeben. Anonyme Schreiben oder Drohungen seien bis jetzt aber nicht eingegangen. Der Ton in dem genannten Brief sei nicht beispielhaft. "Insgesamt gesehen haben wir eine gute Willkommenskultur im Kreis", so Baumgartner.

"Wenn Fluten von Beschwerden eingehen würden, hätten mich meine Mitarbeiter informiert", sagt Martina Steinecke, sie ist als Leiterin des Dezernats 4 (Recht und Ordnung) im Landratsamt zuständig für das Amt für Migration. Dies sei nicht der Fall. Wenn Probleme auftauchen, könne man sich an ihr Amt wenden. "Man sollte auch persönlich das Gespräch mit den Asylbewerbern suchen. Viele sprechen Englisch und manche auch schon Deutsch", ergänzt die Sozialarbeiterin Elena Stoll.

Beim Zusammenleben der Menschen vor Ort sei gegenseitiges Verständnis gefragt. "Die Asylbewerber haben unsere Regeln zu beachten. Wir erkennen aber, dass unsere Vorstellungen von einem normalen Alltag für die Flüchtlinge teilweise völlig fremd sind und sie erst lernen müssen. Das alles braucht Zeit", ergänzt Baumgartner.

Info Ende 2017 soll die LEA in Schwäbisch Hall mit 1000 Plätzen in Betrieb gehen. Das hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag im Landtag verkündet.

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Daten und Fakten zum Thema Asyl im Landkreis

Zahlen Die genaue Anzahl der Asylbewerber im gesamten Landkreis kann das Landratsamt nicht angeben. "Sowie die Asylbewerber aus der vorläufigen Unterbringung ausgezogen sind, sind wir als untere Ausländerbehörde nicht mehr zuständig", erklärt Steffen Baumgartner vom Landratsamt. "Sie erhalten dann eventuell noch Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Wenn auch das nicht mehr der Fall ist, können wir nicht nachvollziehen, wie der Stand ist." Man könne daher nur die Personen nennen, die in der vorläufigen Unterbringung sind. Das seien zum jetzigen Zeitpunkt 918 Personen. Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz bezögen insgesamt 1050 Personen (Stand 20. Juli).

Bedarf Der Landkreis betreibt zurzeit 31 Unterkünfte. Ob das reicht, ist fraglich. "Derzeit gehen wir von über 100 monatlichen Neuzugängen aus", sagt Baumgartner. Man suche dringend nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Wenn keine weiteren Anmietungen mehr möglich sind, müsse auch über Notmaßnahmen wie die Belegung von Turnhallen nachgedacht werden.

Gipfel Der Landkreis veranstaltet am 11. November in Wolpertshausen einen eigenen Flüchtlingsgipfel unter dem Motto "Flüchtlinge bei uns - (K)ein Problem!?". Alle, die sich für Flüchtlinge engagieren oder am Thema interessiert sind, sind eingeladen.

NOA


KOMMENTAR VON NORBERT ACKER
Helfen, nicht ausgrenzen!


Die Flüchtlinge, die in den Landkreis kommen, sind aus der ganzen Welt. Sie bringen ihre Kultur mit und hoffen auf Frieden und ein gutes Leben. Ja, sie sind anders, aber das Neue, auch das Fremde, kann einer pluralistischen Gesellschaft wie der unseren doch eigentlich nur gut tun. Daher muss es jeden schmerzen, der auch nur einen Funken Empathie für beispielsweise schwer traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufbringen kann, wenn Menschen, die bei uns Schutz suchen, diffamiert werden. Wir müssen helfen, nicht ausgrenzen. Vielleicht sollten sich manche der Kritiker mal vor Augen führen, dass viele zur Flucht gezwungen waren, sie fürchteten um ihr Leben und das ihrer Familien. Eine Vorverurteilung aufgrund Religion oder Herkunft ist einfach nicht akzeptabel.