Flüchtlinge Asylbewerber sind aus Orlacher Pfarrhaus ausgezogen

Asylbewerber in Erstunterbringung haben das Pfarrhaus in Orlach bewohnt. Dem Landkreis stehen aber andere Objekte zur Verfügung, so dass er den Mietvertrag wieder gekündigt hat.
Asylbewerber in Erstunterbringung haben das Pfarrhaus in Orlach bewohnt. Dem Landkreis stehen aber andere Objekte zur Verfügung, so dass er den Mietvertrag wieder gekündigt hat. © Foto: Oliver Färber
Braunsbach / Oliver Färber 16.09.2017
Der Landkreis hat den Mietvertrag für das Pfarrhaus zur Erstunterbringung gekündigt. Der Freundeskreis mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort hat sich aufgelöst.

Es stand eine große Aufgabe für die Ehrenamtlichen aus Orlach und Umgebung an, als im März 2015 klar wurde, dass der Landkreis Schwäbisch Hall das dortige Pfarrhaus angemietet hatte: Kurz darauf sind über 20 Asylbewerber in der sogenannten Erstunterbringung eingezogen, um die sich engagierte Bürger in ihrer Freizeit rührend gekümmert haben. Jetzt steht das Gebäude gegenüber der alten Schule längst wieder leer: Das Landratsamt hat den Mietvertrag dort gekündigt, weil es derzeit ausreichend andere Objekte zur Verfügung hat, in die es die von den baden-württembergischen Erstaufnahmestellen zugewiesene Flüchtlinge unterbringen kann.

Bettina Radschin hat sich im Rahmen des Freundeskreises Asyl ehrenamtlich in Orlach engagiert. Sie schätzt die Zahl der Menschen, die dort während der Zeit untergebracht waren, insgesamt auf rund 35 – nicht gleichzeitig, weil es ja ein Kommen und Gehen war. „Es waren vor allem Familien“, berichtet sie.

Zuerst waren es Familien aus dem Kosovo. Wie bei vielen Antragsstellern vom Balkan erhielten sie kein Bleiberecht in Deutschland, reisten in ihre ursprüngliche Heimat zurück. Auch später kamen Familien. „Aber auch einzelne Männer aus Syrien, Afghanistan oder Albanien“, so Radschin. Einige wurden wieder in ihr Herkunftsland abgeschoben; einige sind im Rahmen der sogenannten Anschlussunterbringung auf Kommunen im Landkreis verteilt worden und haben dort ein neues Domizil gefunden.

Unmöglich ohne Ehrenamtliche

„Man wusste nie, wer wann wie lang dort untergebracht wird. Da gab es nicht mal Tendenzen“, erinnert sich Braunsbach Bürgermeister Frank Harsch. Er und Radschin loben aber das große Engagement, das die Helfer gezeigt haben – und auch die vielen Spender von Kleidern oder anderen Utensilien. „Strukturell hätte es mit der Erstunterbringung dort niemals funktioniert, wenn die Ehrenamtlichen nicht gewesen wären“, betont der Schultes. Sie sind unter anderem mit den Flüchtlingen zu Ämtern oder zum Arzt gegangen, kümmerten sich um Deutschkurse, unterstützten sie im Alltag.

Helfer stark gefordert

Das kostete viel Engagement. Ein Kern von 15 Helfern war im Einsatz, um die vielen Aufgaben, die gestellt wurden, zu bewältigen. Auch die Gemeinde half logistisch, wo dies möglich war. „Aber keiner weiß, ob das dauerhaft so gegangen wäre“, gibt Harsch zu bedenken. Schließlich seien die Ehrenamtlichen stark gefordert worden, übernahmen viele Aufgaben, welche vom Staat einfach nicht geleistet worden seien – oder eben auch nicht konnten.

Manche Helfer stehen noch heute mit ehemaligen Bewohnern in Kontakt, teilweise übers Internet oder mit persönlichen Treffen. Schließlich leistete das Café International auch Integrationsarbeit. „Dazu sind meistens auch Interessierte aus anderen Teilorten gekommen“, berichtet Radschin.

Miete Ende August beendet

Irgendwann, da wurde das Pfarrhaus dann nicht mehr belegt. Der Freundeskreis habe entschieden, den Inhalt der Kleiderkammer  nach Rumänien zu schicken. Das Landratsamt bestätigte auf Anfrage, dass der Mietvertrag mittlerweile auch beendet sei. Es habe die Räume Ende August wieder zurückgegeben.

Zuständig für das Orlacher Pfarrhaus ist jetzt das Amt für Vermögen und Bau in Heilbronn. „Derzeit steht das Gebäude leer“, erklärt der dort zuständige Sachbearbeiter Hans-Peter Schanz. Es soll aber wieder vermietet werden.

Flüchtlinge in Anschlussunterbringung

Die Gemeinde Braunsbach hat vom Landkreis Schwäbisch Hall schon bereits seit einiger Zeit Flüchtlinge zur sogenannten Anschlussunterbringung zugewiesen bekommen. Das sind meist Asylbewerber, deren Antrag bereits bewilligt wurde oder die geduldet werden. Diese könnten sich auch eigene Wohnungen suchen, werden ansonsten nach der Erstunterbringung vom Landratsamt nach einem Schlüssel auf die Kommunen verteilt. „Dafür werden kleine Einheiten wie einzelne Wohnungen bevorzugt“, weiß Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch. Dies mache auch die Integration einfacher. Der Landkreis habe so weitere Flüchtlinge für die Kochertalgemeinde angekündigt. fär