Schwäbisch Hall Artischocken und Blumenkohl: Colin Wilkie singt das letzte Lied im Löwenkeller

Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 18.07.2016
Zum Auszug aus dem Löwenkeller und zum 50-Jahr-Jubiläum des Club Alpha 60 tritt der Künstler des ersten Club-Konzertes noch einmal in Schwäbisch Hall auf.

„Nein, das ist nicht der Club Alpha“, soll Colin Wilkie bei der Ankunft im Löwenkeller gesagt haben. „Der war in einem Park.“ Sonst ist dem 82-Jährigen jedoch nicht viel von seinem Auftritt damals in Hall in Erinnerung geblieben. Zu viele Konzerte in den vergangenen knapp 50 Jahren.

Am 20. Mai 1967 blicken Doris und Walter Müller bangen Blickes durch die Ackeranlagen. Es ist ihr erstes Konzert, das sie mit dem neu gegründeten Club Alpha im damaligen Schützenhaus und heutigen Anlagencafé veranstalten. Sie halten Ausschau nach weiteren Zuschauern und zögern mit dem Beginn der Veranstaltung. Immer in der Hoffnung, dass es noch mehr Besucher werden könnten.

Am Ende sind es etwa 30 musikbegeisterte Haller, die den Folkgitarristen und seine Frau Shirley Hart sehen und hören wollen. So hat der schottisch-englische Gitarrist in Hall gleich zwei Traditionen mitbegründet. Die Konzertveranstaltungen im Club Alpha und deren verspäteter Beginn. „Ich habe schon einmal hier gespielt“, stellt der gebürtige Londoner mit schottischen Wurzeln in seinem typischen britischen Humor trocken fest. „Die waren so begeistert von mir, dass sie mich sofort wieder eingeladen haben.“ 50 Jahre später seien in seinem Alter „fast sofort“.

Es ist in der Tat ein recht seltenes Ereignis, dass ein Künstler nach 50 Jahren noch einmal an dem gleichen Ort einen Auftritt hat. Aber der Club Alpha hat sich in der Zwischenzeit seine eigene Tradition geschaffen. So war im Mai bereits die „Sands Family“ nach über 43 Jahren erneut Gast des ältesten selbstverwalteten sozio-kulturellen Zentrums.

In der Pause des Konzertes stehen die alten, die aktuellen und die zukünftigen „Clubberer“ – die kleinsten davon allerdings noch in Windeln – im regen Austausch miteinander. Walter Müller erinnert sich noch gut an die ersten Tage im Anlagencafé. Die Leute sind oft von weit her gekommen. „Der Club hatte schon damals eine große Außenwirkung. Die Leute sind von Öhringen, Crailsheim und Heilbronn extra deswegen nach Hall gefahren.“

Ansonsten verläuft der letzte offizielle Club Abend eher ruhig. „Du darfst ruhig einschlafen“, spricht Wilkie einen Zuschauer an. „Das machen viele Leute bei Konzerten von mir“. Und zum Titel „The Night Cafe“ huscht sogar ein Siebenschläfer neugierig und gar nicht ängstlich durch die Reihen, so still ist es. Fast etwas besinnlich. Die Natur scheint sich schon bereit zu machen, den Löwenkeller wieder in ihren Besitz zu nehmen.

Wilkie spielt „Emily-Anne“, einen Song den auch Reinhard Mey auf seinem Album „Lieder von Freunden“ veröffentlicht hat. Den nächsten Refrain singe er „oimol älloi“ schwäbelt der seit 1966 in Brackenheim lebende Wilkie, bevor das Publikum leise mitsingen darf.

Beim allerletzten Lied des Abends herrscht dann absolute Stille im Löwenkeller, der sich im Laufe des Konzertes doch zunehmend gefüllt hat. Artichokes And Cauliflowers“ – Artischocken und Blumenkohl. Mit dem traditionellen Lied vom schönen Mädchen, das auf dem berühmten Londoner „Billingsgate Fish Market“ Gemüse an die Seeleute verkaufen will, endet der konzertante Teil des über 30-jährigen Provisoriums im Löwenkeller für Club-Verhältnisse ungewohnt leise.

Auch wenn noch eine „allerletzte Abrissparty vorstellbar“ sei, bei den Planungen für weitere Konzerte ist man längst schon im neuen Domizil, der SMS 13/2, wie der Standort an der die Spitalmühlenstraße bereits jetzt schon abgekürzt wird.

Zur Person

Colin Wilkie wurde am 9, Mai 1934 in London geboren. Zunächst spielte er Schlagzeug, später fand er als Autodidakt zum Gitarrenspiel

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