Bühlerzell Archiv auf Vordermann gebracht

Josef Hirsch und Erwin Funk (von rechts) haben der Kreisarchivarin Monika Kolb viele Stunden lang im Bühlerzeller Rathaus geholfen, das Archiv der früher eigenständigen Gemeinde Geifertshofen, die heute zu Bühlerzell gehört, zu ordnen.
Josef Hirsch und Erwin Funk (von rechts) haben der Kreisarchivarin Monika Kolb viele Stunden lang im Bühlerzeller Rathaus geholfen, das Archiv der früher eigenständigen Gemeinde Geifertshofen, die heute zu Bühlerzell gehört, zu ordnen. © Foto: Sigrid Bauer
Bühlerzell / Sigrid Bauer 10.11.2018
Bernd Funk und Josef Hirsch vom Bühlerzeller Heimatverein haben unter der Leitung von Kreisarchivarin Monika Kolb Dokumente aus dem Archiv Geifertshofen geordnet. Das hat der Kommune Zeit und der Gemeinde Geld gespart.

Die ganzen Rechnungen aus über 200 Jahren, das war ein Riesenbestand. Den zu ordnen, und zu prüfen, ob alles vorhanden ist, ist sehr zeitaufwendig. Da haben mir die beiden Herren unglaublich viel abgenommen“, lobt Kreisarchivarin Monika Kolb das ehrenamtliche Engagement. Man brauche viel Sitzfleisch, Ordnungsliebe und einen Bezug zu so alten Sachen. Man müsse sich richtig hineinknien, ergänzt sie. Mit Josef Hirsch und Erwin Funk hatte sie dafür die passenden Helfer. „Wir waren ein Dreamteam“, meint Kolb anerkennend.

Fast jeden Dienstag haben sich die beiden geschichtsinteressierten Männer mit Bündeln von alten Rechnungen, Verträgen und anderen Aufzeichnungen aus der Zeit von Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Eingemeindung Geifertshofens nach Bühlerzell im Jahre 1972 beschäftigt. Haben geprüft, ob zu den Eintragungen in den Rechnungsbüchern aus dem Rathaus alle Rechnungen vorliegen, haben nach falsch einsortierten Belegen gesucht und fehlende vermerkt. „Die Rechnungen haben ganz verschiedene Formate. Da ist leicht mal eine kleinere verloren gegangen“, vermutet Josef Hirsch. „Uns ist das aber nicht passiert“, betont Kolb.

Spuren der Briefmarkensammler

Leider seien viele Dokumente von Briefmarkensammlern beschädigt, nicht nur in Geifertshofen. „Wenn jemand im Rathaus ein Sammler war, haben die Kollegen für ihn die Briefmarken herausgerissen. Deshalb findet man auch fast keine Siegel mehr“, bedauert Kolb.

Dokumentiert wurde früher wie heute vor allem, wenn etwas nicht so gut lief: Wenn es Streit zwischen den Leuten gab, wenn jemand beschimpft oder beleidigt wurde, jemand die Nachtruhe gestört hat oder, wenn die Hühner und Gänse des Nachbarn im eigenen Garten unterwegs waren. „Solche Vorfälle wurden vor dem Gemeindegericht verhandelt und selbstverständlich aufgeschrieben“, schildert die Archivarin. Viele interessante Informationen lassen sich auch aus Hausrats­inventarlisten herauslesen.

Genaue Aussteuerlisten

„Bei einer Heirat wurde genau aufgelistet, wer was mit in die Ehe gebracht hat“, erläutert Kolb. Zu fast allen Bereichen gibt es schriftliche Unterlagen: Verträge über Gebäudeverkäufe, zu Übertragungen des elterlichen Hofs an die Nachkommen und über die Aufteilung von Kosten zum Unterhalt einer Brücke.

Handschriften entziffert

„Manchmal stößt man auf ein fesselndes Thema und liest sich fest. Da ist schnell ein halbe Stunde vorbei“, weiß Hirsch aus Erfahrung. Allerdings sollte man dazu die deutsche Schrift lesen können. Recht gut konnte das Erwin Funk schon vorher. „Jetzt lese ich deutlich flüssiger, es kommt aber auf die Handschrift an. Die haben früher auch Klauen gehabt“, stellt er fest und lacht.

Aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs liegen Akten über Zwangsarbeiter vor. „Junge Männer und Frauen aus Russland und Polen und auch Kriegsgefangene aus Frankreich wurden hierher gebracht, um in der Landwirtschaft zu arbeiten“, berichtet Hirsch. Es wurde genau festgehalten, bei welchem Bauern sie in welchem Zeitraum arbeiten mussten.

Nach dem Krieg war die Eingliederung der Flüchtlinge eine große Aufgabe für die Gemeinde. Aus Akten geht hervor, dass Kommissionen die Wohnungen der Bürger nach unbewohnten Räumen oder sonstigem Platz für Flüchtlinge untersucht haben. „Die Flüchtlinge wurden vom Bürgermeister verteilt. Da finden sich viele Beschwerden von Einheimischen und Flüchtlingen im Archiv“, so Kolb.

Bedrückendes aus den NS-Zeit

Betroffen waren Hirsch und Funk über Unterlagen aus der NS-Zeit. „Demnach  wurden Menschen aus Geifertshofen zwangssterilisiert“, berichtet Erwin Funk. Außerdem bemängelte laut einer Akte ein NS-Mann, dass es in Geifertshofen keinen Raum für die Hitler-Jugend gab.

Inzwischen ist das Projekt fast abgeschlossen. Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek ist voll des Lobes für den immensen Einsatz der ehrenamtlichen Helfer aus dem Heimatverein. „Dadurch haben sich unsere Kosten für die Archivarbeiten halbiert“, stellt er klar.

Heimatbuch über Gemeinde Bühlerzell

Für das geplante Heimatbuch über die Gemeinde Bühlerzell haben die beiden Hobbygeschichtsforscher viele interessanten Informationen im Archiv entdeckt. Josef Hirsch findet zum Beispiel das Thema Schule in Geifertshofen spannend. „Wir haben Pläne über den Schulhausumbau gefunden“, freut er sich. Die Schwierigkeit werde sein, zu entscheiden, welche Informationen aus den unzähligen Dokumenten in das Buch aufgenommen werden und welche nicht“, meint er. siba

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