Kreis Hall Arbeitsmarkt weiter in robuster Verfassung

Karin Käppel, die Leiterin der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim (Dritte von rechts) ist mit einer Delegation zu Besuch bei der Firma Aurora in Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis. Neben ihr arbeitet ein Flüchtling, den die Firma beschäftigt.
Karin Käppel, die Leiterin der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim (Dritte von rechts) ist mit einer Delegation zu Besuch bei der Firma Aurora in Mudau im Neckar-Odenwald-Kreis. Neben ihr arbeitet ein Flüchtling, den die Firma beschäftigt. © Foto: Bildquelle
Kreis Hall / Jochen Korte 31.08.2018
Das Plus von 726 Arbeitslosen im Agenturbezirk beunruhigt die Leiterin Karin Käppel nicht. Die Zahlen gingen im September wieder zurück.

Jedes Jahr im August ist auf dem Arbeitsmarkt das gleiche Phänomen zu beobachten: Die Zahl der Arbeitslosen steigt kurzfristig an. „Schulabgänger und frisch ausgelernte junge Menschen melden sich für wenige Wochen arbeitslos und Unternehmen halten sich während der Ferienzeit mit Neueinstellungen zurück“, erklärt Karin Käppel, Leiterin der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. 726 Personen haben sich im Agenturbezirk neu arbeitslos gemeldet. Das lässt die Quote um 0,2 auf 2,9 Prozent ansteigen. Das ändere aber nichts an der robusten Verfassung des Arbeitsmarktes. Die Expertin erwartet, dass die Zahlen im September wieder sinken.

Die Wirtschaft zeige sich weiterhin in „sehr guter Form“. Auch konjunkturelle Unsicherheiten durch internationale Handelskonflikte änderten daran nichts. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibe hoch. „Heute melden sich bei uns auch Firmen, die das vor einem Jahr noch nicht getan haben“, meint Käppel. Die Jobbörse der Arbeitsagentur biete eine gute Plattform, um sich präsentieren zu können.

Klares Votum für „Spurwechsel“

In der Frage der Arbeitskräftegewinnung stellt sich Agenturleiterin Karin Käppel ganz auf die Seite der Bundesagentur. Die spricht sich, ebenso wie die SPD und Teile der CDU, für den sogenannten „Spurwechsel“ aus. Damit sollen abgelehnte Asylbewerber, die einer Beschäftigung nachgehen, trotzdem in Deutschland bleiben und arbeiten dürfen. Davon profitierten auch die heimischen Firmen. Damit kein Anreiz für einen weiteren Flüchtlingszustrom gegeben werde, sollte eine Stichtagsregelung eingeführt werden. „Im Landkreis Schwäbisch Hall haben wir 406 Flüchtlinge mit hoher Bleibeaussicht, die sozialversicherungspflichtig quer durch alle Branchen beschäftigt sind“, verdeutlicht Käppel. Das entspreche einem Anteil von etwa 25 Prozent der Flüchtlinge im  arbeitsfähigen Alter. Würden ausgebildete oder angelernte Flüchtlinge abgeschoben, dann gingen die Investitionen in die Ausbildung und die Arbeitskräfte verloren. „In vielen Branchen sind Mitarbeiter mit Migrationshintergrund inzwischen nicht mehr wegzudenken“, unterstreicht die Fachfrau.

Auch das Potenzial der Langzeitarbeitslosen will sie mit einem Strategie-Mix anzapfen. Dazu gehörten Prävention, Qualifizierung, Beratung auch von Schuldnern, Probetätigkeiten in Betrieben und Lohnzuschüsse für Unternehmer. Damit habe man den Anteil der Langzeitarbeitslosen im Bezirk von 30 auf 27 Prozent drücken können. Fast 73 Prozent aller Langzeitarbeitslosen würden von den Jobcentern betreut. Aktuell sind 2630 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos, das sind 535 oder 16,9 Prozent weniger als im August 2017.

Beim Jobcenter im Landkreis Schwäbisch Hall waren zum Stichtag im August 1635 Arbeitslose registriert (Juli: 1552). Die Arbeitsagentur betreute im Haller Landkreis 1660 Arbeitslose (Juli: 1490).

Der Ausbildungsmarkt

Im August registrierte die Agentur im Landkreis Hall noch 194 Bewerber, die noch keinen Ausbildungsplatz haben. Dem standen 617 offene Ausbildungsplätze gegenüber. Ihr Tipp für Firmen: Selbst wenn der vermeintliche Wunsch-Azubi nicht zur Verfügung stehe, so lohne es sich, einem Alternativbewerber eine Chance zu geben. Denn eine unbesetzte Stelle sei die schlechteste Alternative.

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