Heilbronn-Franken Arbeitgeber bündeln Kräfte

Rolf Blaettner, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Heilbronn-Franken, und Alois Schöllhorn, Vorsitzender des AGV, unterhalten sich am Rande des Weihnachtsempfangs.
Rolf Blaettner, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Heilbronn-Franken, und Alois Schöllhorn, Vorsitzender des AGV, unterhalten sich am Rande des Weihnachtsempfangs. © Foto: ht
Heilbronn / Jürgen Stegmaier 12.12.2018
Im Heilbronner Theater erläutert Vorsitzender Alois Schöllhorn, warum sich der Arbeitgeberverband Heilbronn-Franken auflöst. Es soll eine neue Struktur geschaffen werden.

Mit den Strukturen von gestern könnten nicht die Aufgaben von morgen bewältigt werden, sagte Alois Schöllhorn am Montagabend im Heilbronner Theater. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Heilbronn-Franken erklärte den knapp über 100 Gästen, warum sich der Verband zum Jahresende auflöst.

Personalwirtschaft, steuerliche Problemstellungen, Datenschutz, Arbeitsorganisation, Prozess­sicherheit, IT und zahlreiche andere Dinge werden vielschichtiger. Die entsprechenden Anfragen von Unternehmen sollen zukünftig in den Haupt­geschäftsstellen der Südwestmetall und des Unternehmensverbands Südwest betreut werden, machte Schöllhorn deutlich. Am 23. November bestätigte die außerordentliche Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbands die Auflösung zum Ende des Jahres. Bereits vor einem halben Jahr, beim Sommertreff in Wackershofen, war dieser Schritt angekündigt worden.

Diese Entscheidung bezeichnete Alois Schöllhorn vorgestern als unabdingbar. Der landesweit agierende Unternehmensverband Südwest könne die Dienstleistungen gegenüber den Mitgliedsunternehmen erstens effizienter wahrnehmen und zweitens ein besserer Interessenvertreter gegenüber Politik und Verwaltung sein.

Führung wird wechseln

Alois Schöllhorn werde dem Nachfolgeverband – Arbeitgeber Heilbronn-Franken – nicht zur Verfügung stehen. Der 60-jährige Jurist verändere sich zum neuen Jahr beruflich. Der Geschäftsführer des Bauunternehmens Böpple wechselt innerhalb des Heilbronner Unternehmens. Als Prokurist werde er künftig für Großprojekte zuständig sein und außerdem Geschäftsführer eines Tochterunternehmens werden.

Seinen Arbeitsplatz habe der Michelbacher dann nicht mehr in Heilbronn, sondern in Schwäbisch Hall.

Gegründet wurde der Arbeitgeberverband im Jahr 1949. Erster Vorsitzender war Hanns H.Renken, einst Vorstandsvorsitzender der Fiat Automobil AG Heilbronn. Mit dem ehemaligen Bauunternehmer Heinz Scheib lenkte ein Schwäbisch Haller später die Geschicke des Verbands.

Gemeinsame Geschäftsstelle

Die Belange des regionalen Arbeitgeberverbands und des Tarif­trägerverbands Südwestmetall wurden bisher in einer gemeinsamen Geschäftsstelle in Heilbronn wahrgenommen. In dieser Geschäftsstelle werden außerdem die Mitglieder des Unter­nehmensverbands Südwest betreut.

Die Arbeitgeberverbände sehen ihre Aufgabe darin, die sozial- und bildungspolitischen Anliegen ihrer Mitglieder zu bündeln. Ferner vertreten sie diese als Stimme der Wirtschaft gegenüber Politik, Öffentlichkeit und Gewerkschaften.

250

Mitgliedsbetriebe haben die Heilbronner Arbeitgeberverbände. In diesen Unternehmen der Region Heilbronn-Franken arbeiten insgesamt rund 70 000 Beschäftigte.

Überstunden versus Privates am Arbeitsplatz

Sein Hauptaugenmerk legte der Vorsitzende Alois Schöllhorn bei seiner Rede auf dem Weihnachtsempfang auf das Arbeitszeitrecht. Dieses müsse flexibler werden, anders könnten Unternehmen den Flexibilisierungswettstreit, den die Digitalisierung mit sich bringt, nicht gewinnen. Starre, tägliche Höchstarbeitszeiten oder eine zusammenhängende Ruhezeit von elf Stunden ließen sich mit den Anforderungen der Digitalisierung nicht in Einklang bringen. Eine Lockerung sei nicht nur im Interesse der Unternehmen, sondern auch der Beschäftigten, vermutet Schöllhorn. „Es ist im Interesse des Unternehmens, das einen Auftrag kurzfristig abzuarbeiten hat, um  Kunden zu halten, es ist im Interesse des Beschäftigen, der lieber an einem Tag mal länger arbeitet, um am nächsten Tag mehr Zeit für die Familie zu haben.“ Völlig ausreichen würde die Festschreibung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit, wie sie in der europäischen Arbeitszeit­richtlinie festgelegt ist.

Eine Milliarde unbezahlte Überstunden mahnte DGB-Chef Rainer Hoffmann vor wenigen Tagen an und warf den Arbeitgebern Lohnraub vor. Damit werde grob fahrlässig skandalisiert und kriminalisiert, so Schöllhorn. „Wir reden bei einer Milliarde Überstunden von einem Umfang von gut einer hal­ben Stunde Mehrarbeit pro Woche je Arbeitnehmer. Dem wird man auch gegenüberstellen dürfen, dass am Arbeitsplatz immer mehr private Angelegenheiten erledigt werden. In einer repräsentativen Umfrage der Metall- und Elektroindustrie haben die Beschäftigten selbst eingeräumt, sich während der Arbeitszeit knapp eine Stunde pro Woche mit privaten Dingen zu beschäftigen.“

Scharf griff der Vorsitzende die Rentenpolitik der Großen Koalition an. Dieses Rentenpaket gehe stark zu Lasten der jüngeren Generationen. Es brauche mehr Mut, um das soziale Sicherungssystem zukunftssicher zu gestalten. just

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